E. O. Hoppé — Unveiling a Secret

Ausstellung der SK Stiftung Kultur: E. O. Hoppé – Unveiling a Secret (Foto: The Sydney Harbour Bridge Under Construction, Sydney from North Sydney, Australia, 1930 © 2017 Curatorial Assistance, Inc. / E.O. Hoppé Estate Collection)

In zwei Ausstellungen, die bis zum 30. Juli gezeigt werden, widmet sich die Kölner Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur der Industriefotografie. Zum einen werden Werke verschiedener Fotografen aus der eigenen Sammlung präsentiert, zum anderen Arbeiten des 1878 geborenen Fotografen E. O. Hoppé, der eine große Leidenschaft für Motive rund um das Thema Industrie entwickelte.

E. O. Hoppé — Unveiling a Secret

Der 1878 in München geborene Emil Otto Hoppé – sein Name wird oft abgekürzt als „E. O. Hoppé“ – war ein bedeutender Portraitphotograph des frühen 20. Jahrhunderts. Zudem genoss er große Aufmerksamkeit durch seine Landschafts-, Architektur- und Industrieaufnahmen, die er wie seine Porträts vielfach in Zeitschriften, Magazinen und Büchern publizierte. Ab den 1950er-Jahren entschwand jedoch sein Name mehr und mehr aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit. Dies lag vor allem daran, dass er 1954 den überwiegenden Teil seines photographischen Schaffens an eine Bildagentur in London übergab, die ihre Bildbestände nicht nach dem Namen des Autors, sondern vornehmlich nach Motivkreisen sortierte. Damit zerfiel gewissermaßen sein vielgestaltiges Werk.

Erst in den 1990er-Jahren setzte ausgehend von den USA eine verstärkte Rezeption seines Œuvres ein. Durch das Engagement von Curatorial Assistance Inc., Pasadena, wurden die Aufnahmen wieder aus den Bibliotheksbeständen herausgesucht und in die E. O. Hoppé Estate Collection überführt, die heute in Pasadena, Kalifornien, ansässig ist. Dort beherbergt man die umfassende Sammlung mit Vintage Prints, Negativen und Publikationen. Zudem werden Ausstellungen zu unterschiedlichen Werkbereichen initiiert und Publikationen und andere Belange der Vermittlung angeregt.

E.O. Hoppé begann seine photographische Karriere in London, wohin er 1902 übergesiedelt war und wo er ab 1907 ein erfolgreiches Portraitstudio führte. In den 1920er- und 1930er-Jahren unternahm Hoppé zahlreiche, teils mehrmonatige Reisen in verschiedene Länder Europas, sogar bis nach Amerika, Indien und Australien. Während dieser Aufenthalte entstanden umfangreiche photographische Dokumentationen. Menschen, Landschaften, Siedlungen und Städte sowie vor allem industrielle Momente fanden sein Interesse.

Ab 1925 hielt er sich immer wieder in Deutschland und Österreich auf. Verstärkt arbeitete er hier mit Blick auf die Industrie und Technik. Ein Themenbereich, der in dieser Zeit bei Künstlern und Photographen generell eine hohe Aufmerksamkeit genoss. Hoppé dokumentierte beispielsweise Wasserkraftwerke in Süddeutschland, den Tagebau bei Berlin, die Gruben und Stahlwerke des Ruhrgebietes mit ihren imposanten Bauten und rauchenden Schloten. Er warf einen Blick in Maschinenhallen, Werkstätten und im Detail auf einzelne Konstruktionen, auch bezog er Portraits von Arbeitern und Betriebsangehörigen ein. Die für die Industrie wichtige Infrastruktur wie Eisenbahnen, Häfen und Werften, Straßen und Brücken, auch Flugmaschinen wie Zeppeline und Flugzeuge dokumentierte Hoppé in eindrücklichen Aufnahmen. Stilistisch näherte er sich in diesem Werkbereich einer modernistischen Bildsprache mit starken Kontrasten, mit dynamischen Auf- und Untersichten und Perspektivwechseln an. In der Publikation „Deutsche Arbeit“, Ullstein Verlag 1930, hat E. O. Hoppé das Thema der Industrie breitgefächert vorgestellt.

Dass der Photograph das Sujet über Deutschland hinaus international verfolgte, wird beispielsweise durch die Aufnahme der 1930 noch im Bau befindlichen, aber schon sehr imposanten Harbour Bridge in Sydney deutlich, eine der breitesten Stahlbrücken der Welt. In seiner Wahlheimat England hat Hoppé die Kräne der Schiffswerft in Liverpool aufgenommen; hat in Nottingham eine Maschine zur Herstellung des Medikaments Aspirin betrachtet und in Northamptonshire einen Telefonmast als Zeugnis moderner Kommunikation photographiert. E. O. Hoppé besuchte 1926 während seiner großen Amerika-Reise die Ford-Werke in Detroit; in Indien kann er 1929 in den Tata-Stahlwerken in Jamshedpur photographieren und in Kalkutta suchte er eine Jute-Mühle auf. Es waren vor allem die in dieser Zeit sehr gefragten illustrierten Reisebücher zu einzelnen Themen und Regionen, in denen Hoppés Aufnahmen zahlreich Einbindung fanden. Er trat aber nicht nur als Bildautor auf, sondern verfasste ebenso die Textbeiträge, so beispielsweise für die Publikation „Das romantische Amerika“ von 1927.

Die aktuelle Ausstellung beleuchtet Hoppés enormen photographischen Schaffensprozess speziell auf den facettenreichen Motivkreis der Industrie. Vor allem durch die Bildauswahl und Sequenzierung des Schweizer Kurators Urs Stahel wird Hoppés große Leidenschaft für Motive rund um das Thema greifbar. Mit verschiedenen Techniken und Stilmitteln, traditionssicher wie ambitioniert, um Modernität ringend, hat sich der Photograph mit diesem wesentlichen Gegenstandsbereich auseinandergesetzt. Damit ist ein photographiegeschichtlich wegweisender Beitrag gelungen, der E. O. Hoppé ein besonderes und auch neues Profil verleiht.

Blick in die Sammlung: Industrie als Motiv

Der Industriedarstellung kommt im Bestand der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur eine wichtige Bedeutung zu. In der Gruppenausstellung wird eine Auswahl an Werkgruppen zum Thema vorgestellt, die die Zeitspanne seit Ende des 19. Jahrhunderts bis in die 1990er-Jahre reflektiert. Entsprechend des technischen Fortschritts und den Entwicklungen auf künstlerisch-photographischem Gebiet werden vielfältige Momente veranschaulicht.

Während sich der aus dem Westerwald stammende Peter Weller am Ende des 19. Jahrhunderts unter landschaftlich-architektonischen Aspekten den Hüttenwerken des Siegerlandes näherte, dokumentierte Ruth Hallensleben in vielen ihrer Auftragsarbeiten für die Schwerindustrie zentrale Betriebe, eingeschlossen sozialer Einrichtungen. August Sanders wenig bekannte Mappe „Mensch und Maschine“ erweitert seine typologisch ausgerichtete Portraitkunst um einen reportagehaften Blickwinkel. In den 1950er- und 1960er-Jahren werden industrielle Motive zunehmend auch von Vertretern der „subjektiven fotografie“ in ihre experimentellen Bildstudien einbezogen.

Ein photographischer Ansatz, der für Bernd und Hilla Becher von maßgeblicher Bedeutung war und exemplifiziert wird, ist die sachlich konzeptuelle Dokumentation einer gesamten Anlage, hier etwa eines Bergwerks. Claudia Fährenkempers Bildreihe über den Aufbau eines Schaufelradbaggers im Braunkohletagebau Hambach schließt sich hier stilistisch gut an. Nicht zuletzt zeigen Joachim Brohms Photographien aus der Serie „Industriezeit“ von 1990 Spuren und Verweise einer zu Ende gegangenen Ära im Ruhrgebiet, die 100 Jahre zuvor noch fest verankert und zukunftsweisend erschien.

Die Ausstellung zeigt Photographien von Erich Angenendt, Anonyme, Joachim Brohm, Bernd und Hilla Becher, Claudia Fährenkemper, Ruth Hallensleben, Heinrich Heidersberger, Horst Lang, Werner Mantz, Albert Renger-Patzsch, August Sander, Alfred Tritschler, Peter Weller, Paul Wolff und Piet Zwart.

Wann und wo

SK Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn
Im Mediapark 7
50670 Köln

6. April bis 30. Juli 2017


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