E-Commerce: Wem nützen online Verkaufsplattformen wirklich?

Natürlich in erster Linie dem Betreiber derselben und dies in der Form, dass er je nach Geschäftsmodell von Kunde wie Verkäufer oder nur vom Verkäufer eine Provision erhebt. Schließlich will ja der Betreiber der online Verkaufsplattform auch von irgend etwas leben.
Genau dies berücksichtigen viele Startups nicht, die der Meinung sind, man müsse halt nur eine handvoll Produkte auf eine der online Verkaufsplattformen dieser Welt stellen und das große Geld kommt dann von ganz allein.
Nachdem diese schmerzliche Erfahrung Ende 2011 / Anfang 2012 ein E-Commerce Anbieter aus BOCHUM machen durfte, der trotz oder vielleicht auch weil staatlicher Förderung ein E-Commerce Projekt buchstäblich in den Sand setzte, sieht es ganz so aus, als ob es momentan einen anderen E-Commerce Anbieter aus WUPPERTAL ganz ähnlich geht.
Beide in vollkommen unterschiedlichen Marktsegmenten tätig, setzten auf den ausschließlichen Verkauf ihrer Produkte auf den online Verkaufsplattformen dieser Welt und vergaßen dabei schlicht weg, dass natürlich die Gebühren die der Betreiber derselben in welcher Form auch immer erhebt, maßgeblichen Einfluss auf das eigene Betriebsergebnis hat.
Dies erklärt sich ganz einfach:
- Nehmen wir an, es wird mit einer Händlermarge von 25% kalkuliert. Das macht bei einem Einkaufspreis netto von 80,00 Euro einen VK netto von 100,00 Euro plus MwSt.
- Nehmen wir weiterhin an, dass diese berechnete Marge von 20,00 Euro pro Verkauf Gegenstand des Business Planes ist, welcher die Basis für die Finanzierung durch die Bank und bzw. oder den Förderträger bildete.
- Dann liest sich das ganz propper! Pro verkauftem Produkt 20,00 Gewinn vor Steuern macht bei 100 verkauften Produkten einen Gewinn von 200,00 Euro, bei tausend Produkten von 2.000 Euro und demzufolge muss man dann halt nur genug verkaufen, bis man wie eine bekannte Ente in Geld baden kann.
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Was in dieser Form der Kalkulation wie sehr wahrscheinlich in BOCHUM wie WUPPERTAL nicht berücksichtigt wurde ist der Umstand, dass ja die Marge in diesem Beispiel eben nicht 20,00 Euro vor Steuern sondern wesentlich weniger beträgt, wenn man nur ausschließlich mittels einer oder gar mehrerer online Verkaufsplattformen verkauft.
Nehmen wir der Einfachheit halber an, der Verkauf auf nur einer online Verkaufsplattform dieser Welt kostet Sie monatlich 20,00 Euro Gebühren plus einer Verkaufsprovision von "nur" fünf Prozent vom Bruttopreis plus einer ggf. fälligen Stornogebühr, falls der Kunde seine Bestellung widerruft.
Dann passiert genau das:
- Sie müssen pro Monat mindestens zwei Produkte über die online Verkaufsplattform Ihrer Wahl verkaufen, um überhaupt die monatliche Grundgebühr zu decken. Haben Sie nur einen Verkauf deckt zwar die in obigen Beispiel ersichtliche Marge die Monatsgebühr, die prozentuale Provision für den Verkauf samt ggf. fälliger Stornogebühr bezahlen in diesem Falle Sie.
- Ihr Wettbewerber, der generell nicht die Dienste von online Verkaufsplattformen in Anspruch nimmt, hat demzufolge einen Vorteil! Wenn dieser nämlich gleiches Produkt verkauft, dann hat er 20,00 Euro in der Tasche. Selbst wenn er nicht mehr mit 25% sondern nur mit 20% Marge kalkuliert, hat er immer einen Gewinn vor Steuern. Denn er hat in diesem Beispiel bei 80,00 Euro VK netto und 20% Marge immer noch 16,00 Euro verdient.
- Sie müssen aber wie gesagt erst einmal mindestens zwei Produkte verkaufen, bis Sie überhaupt einen wenn auch sehr bescheidenen Gewinn machen.
- Wenn Ihr Wettbewerb nun aber ebenfalls zwei Produkte verkauft, dann hat dieser 40,00 Euro auf dem Konto!
- Wenn dann noch Ihr Wettbewerb genau das Geld, was Sie monatlich an die online Verkaufsplattform Ihrer Wahl abdrücken in Werbung steckt, dann steigert Ihr Wettbewerb letztlich sogar "dank" Ihrer tatkräftigen Unterstützung seinen nicht Ihren Umsatz. Denn er steigert a) mittels Werbung seine Sichtbarkeit und kann Sie b) obendrein immer wenn er will unterbieten, da er ja keine Gebühren an eine online Verkaufsplattform bezahlen muss.
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Dies dürfte auch erklären, warum das im IV.Quartal 2011 in BOCHUM so ambitionierte E-Commerce Projekt bzüglich des online Verkaufes probiotischer Milchsäure basierte Nahrungsergänzungsmittel aus Finnland so kläglich scheiterte und heute eben Anbieter probiotischer Milchsäure basierte Nahrungsergänzungsmittel aus Schweden wie Dänemark im deutschen Markt die Nase vorn haben und sich der finnische Anbieter dies nicht erklären kann. War er doch wirklich was Forschung und Entwicklung angeht einer der Ersten auf dieser Welt, der schon vor mehreren Jahrzehnten in diesem Segment tätig war. Nur was hilft das beste Produkt, wenn der Vertrieb kläglich scheitert, weil wieder einmal mit dem Mund vorn weg Menschen am Ruder waren, die zwar gern wollten, aber eben nicht konnten. Nicht grundlos kommt das Wort Kunst von können und nicht von wollen. Sonst würde es nämlich Wunst heißen.
Ähnlich düfte es mit dem E-Commerce Anbieter aus WUPPERTAL aussehen, der schon im Jahr 2008 alles daran setzte andere Händler beim Hersteller derart madig zu machen, dass dieser gelinde gesagt die Welt nicht mehr verstand. Was machte dieser E-Commerce Anbieter aus WUPPERTAL gegenüber dem Hersteller nicht alles für Offerten um selbst im besten Lichte zu erscheinen und andere Händler in Mißkredit zu bringen. Ganze Hotelketten wollte er mit den Produkten des Herstellers beglücken, wenn nur der Hersteller endlich einwilligen würde, nur ihn exklusiv zu beliefern. Da dieser Hersteller im Gegensatz zu o.g. finnischen Hersteller doch etwas mehr Vertriebserfahrung hatte, tat er genau dies nicht und das war gut so. Dieser Hersteller hat nach wie vor mehrere Vertriebskanäle im Markt und wird sehr sicher verschmerzen, wenn sich der E-Commerce Anbieter aus WUPPERTAL vielleicht nun gänzlich verabschieden wird.
So bewahrheitet sich Schluß endlich einmal mehr ein alte chinesisches Sprichwort: "Man muss nur lang genug am Fluß sitzen bleiben, um die Leichen seiner Feinde vorbei treiben zu sehen".

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