Durchgeknallt oder Mutterliebe?

Okay, ich weiss, ich hätte cool bleiben sollen, als die Freundin anrief, weil sie Karlsson nach der Orchesterprobe nicht finden und somit auch nicht nach Hause bringen konnte. Ich hätte nachdenken müssen, mir überlegen, wie Karlsson gewöhnlich reagiert, wenn etwas nicht so läuft wie erwartet, hätte mich in seine Gedankenwelt versetzen müssen. Nun ja, immerhin war ich sicher, dass er nicht den Bus genommen hatte, denn Karlsson hatte kein Geld dabei und Schwarzfahren käme ihm nicht im Traum in den Sinn. Ihm, der sich weigert, eine Strasse ohne Fussgängerstreifen zu überqueren. Soweit konnte ich also noch klar denken, aber natürlich blieb ich dennoch alles andere als cool. Nun ja, nach dem ersten Anruf der Freundin schon, aber als sie zehn Minuten später Bescheid gab, sie hätte unseren Ältesten noch immer nicht finden können, wurde ich so langsam panisch. Karlsson alleine zur Feierabendzeit in der Stadt – diese Vorstellung war zu viel für meine zuweilen etwas zu lebhafte Fantasie und so heulte ich beim dritten Anruf der Freundin nur noch hilflos ins Telefon. Was sollte ich bloss tun? Der Zoowärter sass in der Badewanne, das Prinzchen war bereits im Bett und „Meiner“ war beim Elterngespräch, kein Auto im Haus und kein Vertrauen in die Selbständigkeit unseres Sohnes, dafür umso mehr schreckliche Vorstellungen, was dem Kind alles zustossen könnte.

Hätte ich doch bloss auf den Zoowärter gehört. Als der nämlich merkte, dass ich nicht bloss so tat, als würde ich heulen, meinte er ganz ruhig „Karlsson ist nichts passiert, du brauchst keine Angst zu haben“. Aber welche Mama ist denn so klug, in solchen Momenten auf ihren vierjährigen Sohn zu hören? Mag ja sein, dass es solche Mamas gibt, ich gehöre auf alle Fälle nicht dazu und so rief ich schliesslich „Meinen“ an, damit er sich sofort auf die Suche nach unserem Sohn machte. Nun ja, vollkommen unvernünftig war das wohl nicht, denn immerhin hätte er bereits vor 45 Minuten auftauchen müssen. Aber vielleicht war es dann doch ein wenig übertrieben, dass ich danach auch noch meine Mutter auf den Plan rief, die sich gemeinsam mit Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten auf die Suche machte.

Während nun alle nur erdenklichen Leute auf der Suche nach dem verlorenen Sohn  waren – die Freundin hatte inzwischen eine Freundin alarmiert und eine weitere Freundin hätte sich ebenfalls auf die Socken gemacht, wenn ich sie darum gebeten hätte -, tigerte ich durch die Wohnung und hatte nichts Weiteres zu tun, als all die Gespenster, die wohl in fast allen mütterlichen Gehirnwindungen schlummern, aufzuwecken und durch meinen Kopf spuken zu lassen. „Ruf ins Spital an!“, heulte das eine Gespenst „vielleicht ist er unters Auto gekommen.“ „Nein, die Polizei musst du alarmieren“, widersprach das andere. „Ach, so ein Quatsch!“, brauste das dritte auf „Das Kind fürchtet sich bestimmt vor dem neuen Schuljahr und hat sich irgendwo im Wald verkrochen.“

Ich weiss nicht, was ich getan hätte, wenn das Geheul dieser Gespenster nicht plötzlich durch Schritte im Treppenhaus unterbrochen worden wären. Vielleicht hätte ich tatsächlich die Polizei alarmiert. Doch die Schritte, die ich hörte, gehörten ganz eindeutig zu Karlsson und da kam er  tatsächlich die Treppe hoch gehumpelt, vollkommen zufrieden und ziemlich hungrig. Er hätte unsere Freundin nirgendwo finden können und deshalb sei er eben zu Fuss nach Hause gekommen, viereinhalb Kilometer, mit heftigen Wachstumsschmerzen im Knie, mit der Geige auf dem Rücken und im Kopf die Angst, dass „Meiner“ und ich bestimmt schimpfen würden, weil er so spät nach Hause kam.

Okay, vermutlich habe ich die Situation mal wieder nicht besonders bravourös gemeistert, aber zumindest wissen die Kinder nun, wie sehr ich heulen muss, wenn ich mich um sie sorge. Ich hoffe doch sehr, dass sie dies als Zeichen von Mutterliebe deuten und nicht als Zeichen dass ihre Mama so langsam aber sicher den Verstand verliert…

Durchgeknallt oder Mutterliebe?



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