Dubstep in Wien – Atomique: Spring, bis Beton zerspringt

Utecita: Im musikalischen Frühling in Wien hat sich einiges getan. Maßgeblich beteiligt daran waren Atomique, bestehend aus Flo Atomique, Johnny Rocket und Tenchu, die seit Jänner dieses Jahres ihre Base ausschließlich in Wien haben, und zuletzt mit „Spring, bis Beton zerspringt“  gezeigt haben, dass deutscher HipHop und Dubstep ausgezeichnet zu einander passen. Ich hab mich mit ihnen im Garten Ihres neuen Studios getroffen, und ein wenig geplaudert – über das was war, was ist, und was noch kommen wird.

Seit wann arbeitet ihr zusammen?

Johnny Rocket: Flo und ich haben uns 1996 oder 97 auf einer Party getroffen, als ich aufgelegt habe. Er ist zu mir auf die Bühne gekommen, und meinte, wir sollten mal was zusammen machen. Damals haben wir noch DnB aufgelegt, haben Plattenspieler im Proberaum aufgestellt, und nach 2 Jahren machten wir die erste Party in Linz.

Flo Atomique: Seit Ende 2008 arbeiten wir zu Dritt (Flo Atomique, Johnny Rocket und Tenchu) als Atomique zusammen, die ersten 5 Tunes sind Oktober/November 2008 entstanden und bei der Release Party im Zoo Wien, mit L-OW und MC Repow, am 10. Oktober 2008 vorgestellt worden.

Was war das erste prägende musikalische Ereignis für euch?

Johnny Rocket: Prägend war für mich, als ich meine erste AC/DC Platte“ Back in Black“ in den Händen hatte. Von da an wusste ich: aha, es gibt auch Musik jenseits dessen, was im Radio gespielt wird. Zur elektronischen Musik kam ich, als ich das erste Mal auf dem Danube Rave in Linz war. Bis dahin kannte ich DJs nur von HipHop Jams. Zu der Zeit spielte ich Schlagzeug in einer Garagenband, doch wir hatten nie Auftritte, wir haben uns einfach nicht getraut. Es hat sogar jemand mal einen Auftritt für uns organisiert, doch wir haben einfach nicht gespielt. Über den Techno kam ich zu DnB, ich hab mir Plattenspieler gekauft, und dachte mir, das will ich auch machen. Und dann hab ich’s gemacht.

Flo Atomique: Bei mir wars eine Metalheadz Party in London Mitte der 90er Jahre, mit Goldie und Björk damals, die Party hat mich ziemlich geflasht.

Tenchu : Bei mir Daft Punk, Björk und Kruder&Dorfmeister, danach diverse DnB Mixes. Irgendwann 2007 habe ich dann eine Space Handelssimulation gespielt, und hab mich über den langweiligen Sound geärgert. So hab ich Dubstep Set’s gesaugt, und schon war ich infiziert.

Wie schätzt ihr die aktuellen Entwicklungen im Dubstep ein?

Johnny Rocket: Dubstep ist auf dem besten Weg, DnB zu überholen. Es ist wohl das erste Genre, das nur über das Internet groß wurde. Sicher wird es sich noch mehr in einzelne Subgenres zersplitten, momentan möchte ja jeder wie Skrillex klingen, doch man merkt, ass Dubstep einen ziemlichen Hype erlebt. Auch hier in Wien sind mittlerweile auf den Parties doppelt so viele Leute wie noch vor zwei Jahren.

Flo Atomique: Ein weiteres Phänomen ist der Erfolg in den USA. Dubstep schlägt dort voll ein, und füllt ganze Hallen. Ein Vorteil ist sicher die Geschwindigkeit im Dubstep, da kann man viele Genres reinpacken, deshalb spricht er wahrscheinlich auch so viele Menschen an.  Mittlerweile gibt es auch viele internationale Produzenten, es ist nicht mehr fast ausschließlich auf Großbritannien limitiert.

Tenchu: So wie in jeder Musikrichtung: kopieren, mutieren, aufblasen, minimieren, frickeln oder gleich radikal anders machen.

Flo, du hast 10 Jahre in London gelebt. Warum ging‘s wieder retour nach Wien und nicht umgekehrt?

Flo Atomique: Die Base ist mit Tenchu und Johnny Rocket in Wien, und unsere Netzwerke sind eher hier in Wien vorhanden. London hat natürlich viele Vorteile, andererseits gibt es manchmal beinahe ein Überangebot. In Zeiten des Internets kann man auch leicht mit anderen Producern in Kontakt treten, es gibt ja auch einige russische, und sogar asiatische Produzenten im Genre. Der Nachteil daran ist allerdings, dass die Möglichkeiten des Austausches eher limitiert sind.

Johnny Rocket: Hier in Wien haben wir uns über die Jahre unsere Netzwerke aufgebaut. Flo hat damals in London den Dubstep entdeckt, und so haben wir vor Jahren begonnen, uns in diese Richtung zu entwickeln. Allerdings war uns schon klar, dass nach dem DnB mal was Neues kommen musste.

Der letzte Release „Spring bis Beton zerspringt“ entstand in Zusammenarbeit mit P.tah und Con der Wiener HipHop Formation Hörspielcrew. Während HipHop vom charakteristischen Beat geprägt ist, lebt Dubstep von tiefen Basslines und einem höheren Tempo. Ist das Experiment gelungen, und gibt es weitere gemeinsame Pläne?

Johnny Rocket: HipHop funktioniert mit 70bpm bzw. 140bpm (Halfstep) genauso gut wie rund um 100bpm, deshalb vertragen sich die beiden Genres so gut. Deutschsprachige Lyrics waren sicher ein Experiment, der Resonanz zu Folge ist es aber gelungen, und wir haben noch weitere gemeinsame Projekte geplant. Auch ist es eine neue Plattform für den österreichischen HipHop, der sich dadurch weiterentwickeln kann.

Flo Atomique: Grundsätzlich hat sich Dubstep aus Grime entwickelt, deshalb liegt es nahe, Dubstep und HipHop zu verbinden.

Ihr betreibt ein eigenes Label, dub:iouz records und released noch immer auf Vinyls. Auch wenn’s eine bereits abgedroschene Frage ist, hat Vinyl noch Zukunft?

Flo Atomique: Wir releasen noch auf Vinyl, das ist aber eher ein Prestigeding. Das Meiste läuft natürlich übers Netz, aber so lange es noch leistbar ist, Platten zu pressen, werden wir’s auch machen.

Johnny Rocket: Bei Dubpolice, Tempa oder Circus kann ich mir schon vorstellen, dass Vinyl rentabel ist, das ist aber auch das einzige Label, das mir da einfällt. Wir werden’s aber wie gesagt machen, so lange es noch leistbar ist.

Tenchu: 1210er+Vinyl ist ein Instrument wie Gitarre und Klavier, das Instrument Vinyl mit Drehkörper und Nadel hat Zukunft. Allerdings finde ich persönlich den Cue button am CD Player interessanter. Medien, die Musik speichern, entwickeln sich dauernd weiter, das Verfahren wird allerdings immer dasselbe bleiben -gespeicherte Musik ins Ohr schwingen zu lassen.

Wie schätzt ihr die Situation in Österreich ein?

Flo Atomique: In Österreich dauert es immer ein wenig länger, bis die Dinge ins Rollen kommen. Zurzeit gibt es drei Labels, die sich auf Dubstep spezialisieren: dub:iouz, No Bass No Fun aus Linz, und dubsquare, betrieben von IZC. Grundsätzlich dauert hier alles fünf Jahre länger, aber es sind eben, wie schon gesagt, auch hier bereits doppelt so viele Leute auf den Parties als noch vor zwei Jahren, und die Entwicklung sieht generell sehr positiv aus.

Johnny Rocket: Das ist eben typisch österreichisch, dass man in Österreich erst dann Respekt gezollt bekommt, wenn man bereits international erfolgreich ist. Man erinnere sich nur an das klassische Beispiel Kruder&Dorfmeister, oder Dkay, Dorian Concept und Camo&Krooked – die lokalen Medien haben sich nicht für sie interessiert, bevor sie nicht international gehypt wurden.

Tenchu: Die jungen Leute bringen immer auch den frischen Wind mit. Denen ist es egal, was vorher war, die wollen jetzt unterhalten werden, und Dubstep kann das zurzeit. Die Headz sind auch alle präsent, kennen alles was passiert und woher’s kommt: Besser geht’s nicht.

Was kann man in naher Zukunft von euch erwarten?

Flo Atomique: Im Sommer werden wir mit dub:iouz 005 (Freestyle/3 o’clock) und dub:iouz 006 (Act!/New Philosophy) zwei Singles releasen, und im Herbst kommt dann das Album. Auch arbeiten wir an weiteren Projekten mit P.tah und Con, eine EP dieser Zusammenarbeit wird ebenfalls im Herbst erscheinen. Parties werden wir natürlich auch wieder machen. Wir haben gerade unser neues Studio hier in Wien bezogen,  in den nächsten Monaten steht auf jeden Fall Einiges an.

Links:

http://www.facebook.com/atomiqueVienna

http://www.soundcloud.com/atomique

http://www.facebook.com/dubiouzRecords

http://www.soundcloud.com/dubiouzrecords

http://www.youtube.com/atomiquetv

http://atomique-ptah-con.bandcamp.com/

http://www.facebook.com/Atomique.P.tah.Con

http://www.hoerspielcrew.bandcamp.com

http://www.duzzdownsan.com

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