Du kannst es nicht allen recht machen!

Du kannst es nicht allen recht machen!

Quelle: Helmut Mühlbacher


Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Heiko Bräuningerzählen:
„Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann.“
„Es ist jeden Tag das Gleiche:
Wenn ich nach Hause komme, hat sich mein Großer schon den Fußball zurechtgelegt. „Papa, spielen wir Fußball?“
Sofort antworte ich: „Na klar spielen wir Fußball.“

Dann kommt plötzlich der kleine Pascal daher. Mit seinen Playmobil-Autos.
„Papa, kannst Du mit mit Playmobil spielen?“
Und schon bin ich total überfordert:
Wem soll ich es jetzt recht machen? Mein Großer schimpft mit mir, wenn ich nicht mit ihm Fußball spiele. Mein Kleiner ist traurig, wenn ich nicht mit ihm Playmobil spiele. Dann kommt meine älteste Tochter daher. Sie möchte, dass ich mit ihr Memory spiele. Um Himmels willen, was soll ich denn jetzt zuerst tun? Fußball, Playmobil oder Memory spielen?
Und zu guter Letzt kommt noch die Kleinste, Jeanetta.
Sie zeigt mir ihre neue Puppe und will, dass ich ihr die neuen Puppenkleider anziehe.
Und wissen Sie, mit welchem Gefühl ich ins Bett falle:
Oh weh, ich konnte es wieder mal nicht allen recht machen.
Ich bin wieder so vielen so viel schuldig geblieben.

Und dann kommt meine Frau ins Schlafzimmer und sagt zu mir:
„Du, lass uns noch zusammen reden!“
Oh, nein, auch das noch…
Ich bin todmüde, und jetzt will meine Frau noch mit mir reden.
Über die Kinder, über den nächsten Urlaub, über das nächste Wochenende, usw.
Sie kennen das vermutlich auch.
Ständig dieser Druck, es allen recht machen zu müssen.
Ständig sind wir Erwartungen ausgesetzt.
Und am Ende bleiben wir irgendjemand irgendwie irgendetwas schuldig.

Beruhigend, dass es heißt: „Alles hat seine Zeit!“
Alles zur rechten Zeit. Wir sind nicht dazu geschaffen, alles gleichzeitig machen zu können und machen zu müssen. 
Vielleicht kommt ja Gelassenheit in unser Tun und Lassen, wenn wir uns daran erinnern,  wie viel gute Zeit uns zur Verfügung steht!
Wenn ich abends die Kinder ins Bett bringe und sie mir stolz erzählen,
was sie heute alles erlebt haben, dann merke ich, wie viel gute Zeit für sie übrig war -
auch wenn ich zuvor den Eindruck hatte, nicht genügend Zeit für sie zu haben.“
Du kannst es nicht allen recht machen!

Ihr Lieben,als Kind war es mein tägliches Bemühen, es allen recht zu machen.
Zuhause verhielt ich mich brav, um nicht geschlagen zu werden.
In der Schule und in meiner Freizeit tat ich alles, um nicht verprügelt und gedemütigt zu werden. Ich schmeichelte sogar meinen Feinden.
Genützt hat mir diese ganze Anstrengung gar nichts.
Ich bekam dennoch Schläge zuhause, ich wurde in der Schule und in meiner Freizeit dennoch von anderen Mitschülern geschlagen, gefoltert und gedemütigt.
Nur eines hatte ich vergessen: Darüber nachzudenken, was ich an meiner Lage hätte verändern können.

Das ist auch das, was heute viele Menschen niederdrückt:
Sie bemühen sich den ganzen Tag, es den Menschen, mit denen sie zusammentreffen und mit denen sie zu tun haben, recht zu machen und dabei vergessen sie sich selbst und ihre eigenen Bedürfnisse.
Deshalb sagt ja das Sprichwort auch:
„Allen Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann!“

Dietrich Bonhoeffer, der am Ende des Dritten Reiches sein Leben im Widerstand verlor, hat einmal ein wundervolles Wort geschrieben:
„Das Wenige, das ich tun kann (dabei liegt die ganze Betonung auf dem „kann“!), darf mir Alibi sein für das, was ich nicht tun kann!“

Wenn wir glücklich und entspannt leben wollen, müssen wir an die Bedürfnisse unserer Lieben denken, aber eben auch an unsere eigenen Bedürfnisse!
Denn nur dann, wenn wir selbst Zeit haben zum Kraftschöpfen, zum Ausruhen, zum Nachdenken, zum Entspannen, zum Genießen, werden wir auch die Kraft dazu haben, die Bedürfnisse unsere Lieben und anderer Menschen zu erfüllen.

Du kannst es nicht allen recht machen!

Quelle: Astrid Müller

Ihr Lieben,
ich wünsche Euch einen ruhigen, fröhlichen Abend und denkt auch ein wenig an Euch selbst!
Ich grüße Euch herzlich aus dem sonnigen Bremen
Euer fröhlicher Werner

Du kannst es nicht allen recht machen!

Quelle: Jürgen Tesch