[drüber nachgedacht] Schullektüre

Willkommen zu einer neuen Ausgabe von drüber nachgedacht! Wie ihr vielleicht bereits bemerkt habt, musste ich gezwungenermaßen eine größere Blogpause einlegen, weshalb ich auch bei der April-Ausgabe von drüber nachgedacht aussetzen musste – aber bei den Bloggerkolleginnen habt ihr hoffentlich trotzdem mitgelesen!

Diesen Monat widmen wir uns dem Thema Schullektüre, da wir per Zufall bemerkt haben, dass wir da alle selbst sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben.

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Ich beispielsweise habe es in der Schule schon von Anfang an immer geliebt, wenn wir eine Schullektüre gelesen haben. Das war für mich jedes Mal das Highlight des Deutsch- (oder später auch Englisch-/Französisch-/Spanisch-) Unterrichts. Zugegeben, das ganze Interpretieren und Durchkauen von Handlungen, Charakteren und Schreibstilen, mochte auch ich nicht besonders, aber ich war tatsächlich schon immer einfach nur froh, dass ich ein Buch lesen musste. Egal wie schrecklich das Buch war, es war immerhin ein Buch. Im Nachhinein denke ich mir jetzt, dass das doch eigentlich auch irgendwie Zeitverschwendung war – schließlich würde ich heute meine kostbare Lesezeit nicht mehr für Bücher verwenden, die mir gar nicht gefallen. In der Schulzeit habe ich jedoch niemals Bücher abgebrochen, schon gar nicht Schullektüren.

Das Frustrierende aber war, dass in einer Klasse mit ca. 30 Schülern ich so gut wie immer die Einzige war, die tatsächlich immer die Kapitel gelesen und vorbereitet hatte, die aufgetragen waren. Der Rest meiner Klasse war niemals genauso motiviert. An diversen Tagen habe ich voller Vorfreude den Deutschunterricht erwartet, weil wir nun endlich das Gelesene besprechen würden – und dann wurde der Termin doch immer verschoben, weil es einfach kaum jemand gebacken bekommen hat, die paar Seiten zu lesen. Stattdessen wurde also – für mich sehr langweiliger – Grammatikkram o.ä. besprochen. Damals kannte ich auch außerhalb der Schule kaum jemanden, der so viel und so gerne las, wie ich. Das änderte sich tatsächlich erst im Jahr 2008/2009 als ich Lesecommunities wie vorablesen und LovelyBooks und damit sehr viele Gleichgesinnte entdeckte. Also so ziemlich am Ende meiner Schulzeit.

[drüber nachgedacht] Schullektüre [drüber nachgedacht] Schullektüre

Doch zurück zu den Schullektüren. Am liebsten erinnere ich mich noch an meine Zeit in der Oberstufe, da ich dort zwei tolle Deutschlehrer hatte. Mit der jungen Referentin haben wir damals „Das Parfum“ von Patrick Süskind gelesen und ich war im Vorfeld sehr skeptisch, da ich bereits den Film gesehen hatte und diesen so gar nicht mochte. Aber mit dieser Lehrerin konnte ich mich unheimlich gut darüber unterhalten, viel mitdiskutieren und schließlich haben wir auch Buch und Buchverfilmung verglichen, was mir natürlich nochmal mehr gefallen hat. Mein letzter Deutschlehrer schließlich, der uns auch für die Abiturprüfungen vorbereitet hat, war ein ganz großer Bücherliebhaber und Leser. Er hat immer von seinen über 3.000 Büchern erzählt und im Zuge der Vorbereitungen für’s Abitur haben wir mit ihm natürlich viel lesen und diskutieren müssen. Und ich muss zugeben, dass mir erst im Nachhinein aufgefallen ist, wie oft ich bereits damals von den üblichen Meinungen abgewichen bin. Ich war damals schon ein großer Freund von Diskussionen und glücklicherweise hat dieser Deutschlehrer das auch immer sehr gerne gesehen. Insofern glaube ich, dass ich gerade was das angeht, da sehr viel Glück hatte.

Aber große Bücherliebe führt selbstverständlich nicht automatisch dazu, dass man alle Schullektüren für gut befindet. Tatsächlich gibt es so einige Lektüren, die ich bitte nie wieder lesen möchte. Leider habe ich meine ganze Sammlung an Schullektüren im elterlichen Zuhause im Karton, deswegen konnte ich sie hierfür nicht abfotografieren, aber während der 9 Jahre Gymnasium haben sich doch einige angesammelt. So haben wir ganz am Anfang in der 5. Klasse „Die Insel der blauen Delfine“ von Scott O’Dell gelesen; ein Buch, das ich sehr gerne mochte, bis es mich irgendwann total verstört hat. Wer das Buch kennt, weiß vielleicht, welchen grausamen Plottwist ich meine. Ansonsten haben wir viel von den üblichen Klassikern von Goethe, Keller oder Schiller gelesen, wie „Kleider machen Leute“, „Wilhelm Tell“, „Kabale und Liebe“ oder „Der Schimmelreiter“. Dazwischen immer wieder mal „moderne“ Literatur, wie „Die Welle“, „Die Einbahnstraße“ oder „Ich knall‘ euch ab“. Die typischen Schullektüren eben von Klaus Kordon und Morton Rhue. Für’s Abitur durften wir dann „Die Räuber“, „Michael Kohlhass“, „Faust I & II“ sowie Kafkas „Der Prozess“ lesen. Während ich Kohlhaas und Faust unfassbar anstrengend fand, mochte ich die beiden anderen umso mehr – Glück für mich, dass ich genau die beiden dann in der Prüfung vergleichen durfte. Eine weitere Lektüre, die ich wohl am meisten gehasst habe, war Sophokles‘ „Antigone“. Hier hätte ich wohl wirklich lieber darauf verzichtet.

[drüber nachgedacht] Schullektüre

Im Englischunterricht haben wir ziemlich coole Bücher gelesen, wie „Dead Poets Society“, „Brave New World“ oder „Holes“. Für’s Abitur haben wir dann sehr lange in „One Language – Many Voices. 20th Century Short Stories“ gelesen und ich muss gestehen, dass ich diese Kurzgeschichten sogar irgendwann gerne nochmals lesen würde. Meine allerliebste Erinnerung an den Englischunterricht war allerdings die Aufgabe, dass wir uns selbst ein Buch auf Englisch aussuchen, es lesen und es dann in Form eines Referats vorstellen mussten. Während alle (wirklich alle) erstmals aufgestöhnt haben, habe ich bereits überlegt, welches Lieblingsbuch ich dafür auswählen sollte – zu dieser Zeit habe ich nämlich schon in unregelmäßigen Abständen englischsprachige Bücher gelesen. Ich habe mich schließlich für mein Lieblingsbuch (naja, eines von vielen…) entschieden, nämlich „My Sister’s Keeper“ der wunderbaren Jodi Picoult.

Apropos nochmals lesen – es gibt so viele typische Schullektüren, die wir nicht gelesen haben, die ich – freiwillig – gerne mal für mich lesen würde. So habe ich beispielsweise „Das Bildnis des Dorian Gray“, vier von Shakespeares Werken und „Der Besuch der alten Dame“ bereits gelesen, welches ich übrigens grandios fand und sehr gerne in der Schule gelesen hätte.

Auch wenn mein Text nun etwas ausgeartet ist, möchte ich noch eines sagen: ich befürchte, dass tatsächlich vielen Jugendlichen mit den aufgezwungenen Schullektüren die Freude am Lesen genommen wird – oder gar nicht erst gezeigt wird. Die vielen Interpretationen und das Auseinandernehmen einzelner Sätze und Handlungen trägt wahrlich nicht dazu bei, dass man erkennt, wie toll Bücher und das Lesen an sich sind. Das habe ich auch in diesen neun Jahren Schulzeit festgestellt. Meine Klassenkameraden haben während dieser Zeit nicht gerne Bücher gelesen – glücklicherweise gab es vereinzelt noch welche, die Harry Potter oder Der Herr der Ringe gelesen haben, aber das war schon das Höchste der Gefühle. Ich denke, wenn man „coolere“ Bücher lesen würde oder zumindest auf den Zwang und die viel zu ausführlichen und ausschweifenden Interpretationen verzichten würde, könnte man doch ein paar Leser mehr für sich gewinnen. Ihnen einfach zwanglos das so breite Spektrum an Literatur zeigen. Von den Klassikern hin zur Fantasy, Science-Fiction, etc.

Wie seht ihr das? Und was für Schullektüren-Erfahrungen habt ihr selbst gemacht? Erzählt uns davon!


Hier findet ihr die weiteren drüber nachgedacht-Beiträge:
Buchhaim
Bücherquatsch
Kielfeder
Kunterbunte Flaschenpost
Lovely Mix
Nellys Leseecke


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