Drink der Woche: Aperol Sour

In eigener Sache: Nach zwei Monaten recherchieren, schreiben, redigieren und ein bisschen durchdrehen liegt das Abschlussprojekt von meiner Journalistenschule am Kiosk: GET LUCKY, das neue Lifestyle-Magazin für die Generation Y. Für das Heft habe ich mich mit zwei meiner Lieblingsthemen beschäftigt: Dates und Drinks. Wie ein Aperol Sour mir mal so richtig schön den Abend versaute, lest ihr hier.

Meine Freundin war sich sicher: „Thomas wird dir gefallen! Er sieht gut aus, ist seit eineinhalb Jahren Single und so ein Netter. Jetzt triff dich doch einfach mal mit ihm!“ Ja, ich war neugierig. Wir verabredeten uns in einem Berliner Privatclub oder, wie Thomas mir kurz vor unserem Date per Sms schrieb, „im House“. Er wartete in der Lobby auf mich: kleiner und älter als angekündigt, dafür durchbrach er äußerst beharrlich meinen persönlichen Wohlfühl-Abstand von einem halben Meter – und zupfte mir im Fahrstuhl imaginäre Fussel vom Blazer. Der Kellner im Restaurant sprach Englisch – Thomas bestellte auf Deutsch. Und für mich gleich mit. Den Brotkorb ließ er mit einer energischen Geste sofort wieder abräumen („Keine Kohlenhydrate nach 18 Uhr“), das Steak einmal zurückgehen („zu roh“) und keine fünf Minuten später erneut („zu durch“). Thomas sprach viel, sehr viel. Von seiner glutenfreien Diät, seiner so angekurbelten Verdauung, seiner Bewunderung für Carsten Maschmeyer. Ich nickte in regelmäßigen Abständen und nippte an meinem dritten Aperol Sour. Um der Freundschaft Willen – sie hatte es schließlich gut gemeint. Thomas hatte dann endlich auch eine Frage an mich: „Wann willst du eigentlich Kinder bekommen? Ich bin ja schon ein Familienmensch!“ Der Punkt war erreicht – ich kippte mir den großzügig eingegossenen Aperol Sour über den Blazer. Blutorangenrote Flüsschen bahnten sich über weißen Stoff. „Du, das ist Seide. Ich muss dringend nach Hause!“ Ich warf zwei Zwanzig-Euro-Scheine auf den Tisch und griff nach meiner Tasche. Thomas sah mich fragend an. „Das geht sonst nie wieder raus!“ Im Treppenhaus nahm ich zwei Stufen auf einmal und sprang ins nächste Taxi. Den zartrosa befleckten Blazer habe ich heute noch – Thomas’ Handynummer nicht.

Diesen und weitere Texte aus der Rubrik “Dates und Drinks – Durststrecke zum Glück” findet ihr im neuen Burda-Magazin “Get Lucky”. Infos: www.get-lucky-magazin.de

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