Dreiklang des Wassers: Nordsee, Wattenmeer und Hammersee

Von Daniela Klütsch @landlinien

Am dritten Tag unserer Reise begrüßt uns die Sonne bei strahlendblauem Himmel. Wunderbares Wetter, um bei einer Wanderung den westlichen Teil der Insel zu erkunden. Wir leihen uns zwei Fahrräder und lassen uns zunächst vom strammen kühlen Ostwind durch den zweiten wichtigen Ort der Insel – Loog – pusten. Das Örtchen wirkt etwas verschlafener als der Hauptort (auch „das Dorf“ genannt) und beherbergt das ein oder andere zauberhafte Ferienhäuschen. Auch das Küstenmuseum befindet sich hier, mit einer kleinen feinen Präsentation der Inselgeschichte. Der Wind trägt uns von hier aus weiter bis zu unserem Ausgangspunkt, der Domäne Loog, wo wir ein paar Meter weiter unsere Fahrräder parken.

Ein Überflutungsgebiet wird zum Naturreservat

Hier am östlichen Teil des Hammersees starten wir unsere Wanderung. Der Hammersee ist ein etwa 17 Hektar großer und maximal 1 tiefer Meter Binnensee, der 1932 durch eine Sturmflut entstanden ist. Der Salzgehalt des Sees ging über die Jahre zurück und ist heute leicht brackig. Der Hammersee und das Gebiet um ihn herum sind heute ein wichtiger Lebensraum für viele Vögel und Insekten. Die zahlreichen Hummeln, Bienen und Schmetterlinge, die uns bei der Wanderung begleiten, bestätigen das.

Der Weg durch den Zauberwald

Wir laufen zunächst an der Südseite des Sees entlang, wo es anfänglich noch durch tiefe mit Kartoffelrosen bewachsene Dünenschluchten geht, die dann langsam in einen verwunschenen urwaldartigen Uferwald übergehen. Die knorrigen Bäume sind streckenweise zu einer regelrechten Drecke zusammengewachsen, so dass man durch einen Tunnel aus wildem Geäst läuft. Die Atmosphäre ist so märchenhaft, dass man nicht wirklich überrascht wäre, wenn einem hier jetzt ein Kobold über den Weg liefe.

Der weitere Weg führt ein Stück am befestigten Rad- und Fußweg an der Südseite die endlos scheinenden Salzwiesen entlang. Tausende Wildgänse und andere Vögel sitzen auf den Wiesen oder fliegen kreischend in wilden Formationen am Himmel, während sich das Schilf im Ostwind biegt. Hier legen wir eine kurze Rast mit Brotzeit ein und genießen die Fernsicht bis zum Festland und zu den Inseln Borkum und Memmert.


Berühmt berüchtigt: der frischgebackene Stuten der Domäne Bill

Der weitere Weg führt durch einen teils waldigen und teil dünigen und vereinzelt sogar schon heideartigen Abschnitt hindurch, bis wir nach insgesamt etwa fünf Kilometern bei unserem ersten Zwischenziel, der Domäne Bill, ankommen. Hier kehren wir erstmal ein und stärken uns mit dem weit über die Deiche Juists hinaus bekannten Rosinenstuten, der hier in 4-Kilo-Laiben gebacken und backofenwarm in bibeldicken Scheiben mit Butter serviert wird. Der Stuten hat eigentlich kein besonderes Geheimnis. Was ihn ausmacht ist die Backofenfrische gepaart mit der aufwärmenden Wanderpause, nachdem man zwei Stunden von Sonne, Wind und Wetter durchgenommen wurde.

Bis ans Ende der Welt

Nachdem wir uns gestärkt und aufgewärmt haben, setzen wir unsere Wanderung weiter Richtung Westen fort bis zum Ende der Insel – dem Billriff. Das Billriff ist eine riesige, Juist vorgelagerte Sandbank, die einer Wüste gleicht. Der Wind bläst feine weiße Pudernebel über die endlos scheinende glitzernde Sandfläche. Am diffusen Horizont kann man manchmal Schiffe erahnen, es könnte aber auch eine Fata Morgana sein. Wüsste man es nicht besser, könnte man bei diesem Anblick auch der Theorie glauben schenken, dass die Erde flach ist und man am Ende des Horizontes von der Erde hinunterfällt.

Wir umwandern das ganze Westkap bis zum Nordstrand und diesen noch ein Stück weit entlang und biegen auf Höhe der Domäne Bill wieder ins Inselinnere ein. Auf dem Rückweg halten wir uns auf den nördlichen Pfaden. Der Weg führt hier erstmal ein Stück weit durch einen Wald hindurch bis es durch hohe Dünen und anschließend an der Nordseite des Hammersees wieder zurück geht. Der nördliche Weg am See entlang gestaltet sich nochmal als etwas anstrengend, weil man über lockeren Sandboden läuft. Von hier aus kann man aber fast den ganzen Weg entlang über den gesamten See blicken, was auf dem südlichen Weg wegen des dichten Waldbewuchses nur an einigen wenigen Stellen möglich ist.

Starker kalter Ostwind erschwert den Heimweg