Drei Kinder sind uns geboren

Von Rsk6400

Zweiter Weihnachtstag, nachmittags um 5. Es regnet. Sr.Hildegard ruft an, die Verwalterin des Krankenhauses. Sie hat diese Woche schon zweimal angerufen, weil sie schlecht geplant hatte und deshalb eines unserer Autos brauchte. “Unser Auto hat einen Platten. Wir müssen eine Frau nach Kibena (dem nächstgrößeren Krankenhaus) bringen. Ihr Zustand ist wirklich schlecht.”
Ihr Fahrer kommt mit dem Fahrrad vorbei, gerade als der Regen am heftigsten ist. Ich gebe ihm den Zündschlüssel und zeige ihm das Auto. Danach bin ich klitschnass, der Fahrer noch nässer.
Am nächsten Morgen erklärt sie mir, was passiert ist: Die Wehen hatten eingesetzt, es schien alles gut zu verlaufen, aber dann bekam die Frau unerwartet einen epileptischen Anfall. Mit zwei Krankenschwestern und dem Fahrer ging es also zum Kibena-Krankenhaus in der Bezirksstadt Njombe. Dort war abends am Feiertag kein Arzt mehr anzutreffen, nur inkompetente Krankenschwestern. “Regierungskrankenhaus,” kommentiert Sr.Hildegard, und damit ist – leider ! – alles gesagt. Unsere beiden Krankenschwestern wissen sich aber zu helfen: “Wir warten, bis der Arzt kommt.” Wenn sie zu uns zurückgefahren wären und die Patientin in Kibena gelassen hätten, wäre sie wohl gestorben. Aber unter dem Druck der Kolleginnen bemüht man sich doch, den Arzt herbeizuholen. Nach über zwei Stunden kommt der tatsächlich, der Kaiserschnitt wird gemacht, Mutter und Zwillinge sind wohlauf.
Ach ja, das Kibena-Krankenhaus. Neulich musste die Frau eines Freundes von mir dorthin. Am Freitag kam seine SMS, “Sie ist jetzt im Krankenhaus. Ich bitte um dein Gebet für eine gute Geburt.” Am Samstag, “Noch nicht. Aber es lässt sich gut an.” Am Montag Morgen, “Der Service in Kibena ist nicht gut (Tansanier drücken sich gerne zurückhaltend aus, ein Deutscher würde wahrscheinlich schreiben, “ist katastrophal”). Ich halte es für besser, sie nach Ikonda zu schicken.” Am Nachmittag, “Wir sind gut in Ikonda angekommen, und sehr gut aufgenommen worden. Man hat sich sofort um uns gekümmert.” Letzteres ist wohl der Unterschied zwischen dem katholischen Krankenhaus von Ikonda und dem Regierungskrankenhaus von Kibena. Auch in dem Fall war ein Kaiserschnitt nötig, es ist alles gut gegangen.