Dostojewski reloaded

Von European-Cultural-News

Von Elisabeth Ritonja

Der Spieler (Foto: Lukas Wögerer

24.

Oktober 2017

Theater

Das Bronski & Grünberg zeigt in einer Wiederaufnahme noch bis Anfang November „Der Spieler“. Eine neue Fassung von Kaja Dymnicki und Alex Pschill, die das Geschehen in einem Hotel- Casino namens Lucky Bastard im Saigon Mitte der 70er Jahre ansiedeln. Obwohl seither auch schon eine jede Menge Zeit vergangen ist, hat das Stück brisanten Aktualitätscharakter. Dass man dabei beinahe 50 Jahre zurückschauen darf, macht sowohl älteren Semestern als auch dem jungen Publikum richtig Spaß.

Ein Fluch lastet auf David

Die Regie – ebenfalls vom Duo Pschill/Dymnicki legt ein ordentliches Tempo vor. Die Auf- und Abgänge erfolgen entweder ins Off links von der Bühne oder hinter eine Wand, die mit allerlei Ausblicken ausgestattet ist. Ein verschmuddeltes Sofa darf nach der Pause seinen Platz in die Publikumsränge verlegen und Requisiten wie eine Zigarrenblume aus den 70er-Jahren wecken wohl des ein oder anderen Sammlerleidenschaft.

Das Ensemble spielt, als gäbe es kein Morgen

Nicht nur, dass geraucht wird auf Teufel komm raus, auch die Mode und das Lebensgefühl der damaligen Zeit schwingen kräftig mit. Hannes Gastinger als polternder und letztlich verzweifelter General hofft mit seiner Entourage auf das Erbe seiner Tante aus Amerika. Zu groß schon sind seine Spielschulden, als dass er sie aus eigener Kraft begleichen könnte.

Auch der Rest des Ensembles spielt, als gäbe es kein Morgen und führt dabei richtige Typen vor. Allen voran Aleksandra Corovic, die in die Rolle der vermeintlich siechen Tante schlüpft, die aber alles andere als mit einem Fuß schon im Grab steht. Wie sie, auf ihren Stock gestützt, drohend ihre Befehle, auf Rot oder Schwarz zu setzen, an Alex delegiert, wie sie ihren Neffen, den General mit größter Spielleidenschaft dabei um sein Erbe bringt und keine Widerrede duldet, ist beeindruckend und strapaziert die Lachmuskeln gleichzeitig.

Der Spieler (Foto: Lukas Wögerer)

Dominic Oley schlüpft in die Rolle des Sekretärs Alex, der sich von einem verliebten Sekretär in einen spielsüchtigen Mann verwandelt. Er ist, neben dem General, der einzige wirklich Leidtragende der Runde. Alle anderen, ebenfalls zutiefst in und um das Spielerdasein des Generals involviert, haben zumindest so viel Abstand, Spiel und Leben voneinander noch trennen zu können.

Julia Edtmeier gibt Polina, des Generals Tochter, in die sich Oley unsterblich verliebt hat. Kettenrauchend ist sie sich des um sie herum abspielenden Dramas sehr wohl bewusst und stiftet Alex dennoch zum wiederholten Spiel in ihrem Namen an. Immer wieder liefern sich die beiden Wortgefechte, die von einer turbulenten Show mit viel Slapstick, Wiederholungsmomenten und filmreifen Actionszenen unterspickt ist.

Eine DER Lachnummern steuert Florian Carove bei, der als falscher Franzose de Grieux sich durch den Abend schlingert. Mit seiner angeblichen Schwester Blanche (Lisa Reichetseder) hofft er ebenso auf das ausstehende Erbe, macht Blanche dem General doch schöne Augen und würde dabei nicht leer ausgehen müssen.

Der Turbulenzen und unterhaltsamen Regieeinfälle – beinahe im 5-Minuten-Takt – nicht genug, turnen noch mehrere Statisten über die Bühne. Angefangen von ausgelassenen, jugendlichen Kiffern bis hin zu einem kleinen Äffchen beleben sie die Szenerie immer wieder.

Der Spieler (Foto: Lukas Wögerer)

Dostojewski bleibt Dostojewski

Das Erstaunlichste an diesem Abend ist aber, trotz allen Klamauks, dass Dostojewski in dieser Inszenierung Dostojewski bleiben darf. Seine Charaktere bleiben gut nachvollziehbar und sind trotz der zeitlichen Entfernung wiederzuerkennnen. Das Spiel von Haben und Nichthaben, vom stetigen Wechsel der Mächtigen fasziniert nach wie vor. Und macht im Bronski & Grünberg richtig Spaß.

Das Theater wurde wegen seines bemerkenswerten Engagements in Zeiten von Budgetkürzungen für den diesjährigen Nestroypreis in der Sonderkategorie nominiert. Die Jurybegründung ist absolut nachvollziehbar und kann unter diesem Link nachgelesen werden. http://www.nestroypreis.at/show_content2.php?s2id=279

Wir drücken jedenfalls die Daumen.

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