Django Unchained

Vorab sei hingewiesen: Auch wenn Django in der Tradition des Italowesterns steht, erreicht er natürlich nicht die Königsklasse mit “Spiel mir das Lied vom Tod” an der Spitze. Aber das ist ja auch ein Tarantino-Film, und darum geht es sowieso nicht.
Ich glaube, Tarantino bedient niemals die Mitte. Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn, und dazwischen gibt es nichts. Tarantino-Hasser sollten diesen Blogeintrag daher besser nicht lesen …
Der Film ist schlicht großartig und dermaßen kurzweilig, dass ich mich ernsthaft am Ende gefragt habe “was, das war’s schon?” Ich hätte da noch zwei Stunden länger sitzen und dieses Bilderfeuerwerk auf mich einprasseln lassen können.
Allgemein muss ich sagen, dass Tarantino sich diesmal mit Zitaten, Anleihen, Hommagen etc. enorm zurückgehalten hat. Es findet sich natürlich Morricones Musik, aber ansonsten hat er einen Film gedreht, der zwar im Rang eines Italowesterns steht, aber ansonsten für sich. Schon allein deswegen, weil wir uns im amerikanischen Südosten befinden …
Wer aber glaubt, dass Django gewaltverherrlichend ist, ist ganz schief gewickelt.

Es beginnt wie ein Theaterstück, mit deutlich sichtbar gemalter Kulisse, und schwenkt dann rasch in die realen (wow!-)Gegenden über. Aber die Inszenierung eines Theaterstücks bleibt, es wird viel mit Licht und Schatten gespielt, viel Wert auf das Wort gelegt. Die (Landschafts-)Aufnahmen kann man nur grandios nennen, und derart gute Nachtaufnahmen habe ich … Moment … noch nie(?!) gesehen? Oder zumindest schon sehr lange nicht mehr, und erst recht nicht in einem Western. Es ist Nacht, da ist kein verdunkelter blauer Himmel. Das Licht kommt nicht von überall … wie gesagt, das nenne ich mal eine Nacht!
Schade finde ich, dass bei den offiziellen Film-Besprechungen die Cameo-Auftritte von Franco Nero, Bruce Dern und Don Johnson unterschlagen werden, weil die drei einfach toll sind, und weil es so schön ist, dass sie, wenn auch nur kurz, mit dabei sind. “Das D ist stumm” – “Ich weiß”. Wunderbar! Wunderbar auch, wenn leider viel zu kurz, eine kurze Musikeinlage des großen alten Johnny Cash – sehr passend zur Szene, natürlich.

Der Film beginnt mit der Originalmusik, was ziemlich krass wirkt zum Elend der kleinen Sklavenkarawane, die da gezeigt wird. Bereits hier stellt sich der erste Schauder ein. Die Sklaven haben blutige, geschwollene Füße und vernarbte Rücken. Sie haben Angst. Doch wie Tarantino eben so ist, gönnt er uns bald eine kleine Erholung mit dem Auftritt von Christoph Waltz und seinem Pferd Fritz. So vergeht die erste Stunde mit viel Witz und Gelächter, und wäre da nicht der unterschwellige Ton immer wieder, würde man den Film für eine Westernkomödie halten. Doch weiß man schon, so bleibt es nicht. Jamie Foxx’ Miene macht einem das deutlich – und ebenso Christoph Waltz, der bei aller Abgebrühtheit Entsetzen zeigt.
Zu Beginn finden wir also eine gewisse Leichtigkeit. Aber nicht einmal da sterben die Leute (es ist ein Western, natürlich gibt es da gleich ein Geballer) so wie bei Star Wars – sie sind nicht gesichtslos, und sie bluten. Allerdings nicht so wie man es aus Tarantinos früheren Filmen gewohnt ist. Hier wird das Blut nicht zur Kunst erhoben, sondern zu dem minimiert, was es ist: Ausdruck der Gewalt, des Folterns und des Tötens.
Von Anbeginn werden die beiden Protagonisten nicht als strahlende Helden dargestellt. Ganz im Gegenteil.

Bis zum Eintreffen auf Candyland zeichnet sich der Film also eher als Komödie aus, mit einem wie immer brillanten Christoph Waltz, dessen (mit dieser einzigartigen weichen Stimme vorgetragenen) Eloquenz man erst mal nachplappern können muss. Über Jamie Foxx’ eindringliches und vielseitiges Talent müssen wir ja nicht mehr viel sagen – er ist die beste Besetzung für Django.
Die Komödie gipfelt im ersten Auftritts-Versuch des noch nicht wirklich existierenden Ku-Klux-Klans – das ist der absolute Brüller. So eine Art Szene kennen wir auch aus Asterix oder Entenhausen. Durch den Kakao gezogen, um dem Schrecken die Herrschaft zu nehmen.

Auf Candyland angekommen aber schwenkt der Film schlagartig um, und sowohl Musik als auch Kamera werden zurückgefahren. Ganz klar – diCaprio ist nun an der Reihe, und seine Präsenz füllt wie immer die gesamte Leinwand aus. So wirklich böse ist er gar nicht, so wie unsere beiden Kopfgeldjäger nicht so wirklich gut sind. Man möchte sich bei den schönen Bildern also gern in der Illusion wiegen, dass alles gar nicht so schlimm ist. Aber da wird uns eben der Mandingo-Kampf gezeigt, und zum ersten Mal schwenkt die Kamera zur Seite, als wir … nun, was passiert, erkennen wir an der Miene einer jungen Sklavin, die zusehen muss.
Weiter geht es dann im “Trainingslager” der Mandingos, und hierin gipfelt die Grausamkeit. Was hier passiert, ist so real, dass Tarantino es zum zweiten Mal nicht mehr zeigt. (Wobei er mit dem Sujet überraschend dezent und behutsam umgeht, ohne zu übertreiben, ohne Grausamkeit an Grausamkeit zu reihen. Er führt absichtlich nur zwei Beispiele vor, damit es nicht abstumpfen lässt.) Hier wendet er den Kniff des Suspense an, indem unserer Vorstellung überlassen wird, was da passiert. Und das ist wirklich heftig. Und haut rein. Und verfolgt. Da wurde es erst mal ziemlich still im Kino. Genauso wie Django und Dr. Schultz verstummten, die weiß Gott keine Heiligen sind und auch nicht so dargestellt werden, und von diesen Bildern, die sie an unserer Stelle sehen, und die später in kurzen Blitz-Sequenzen einen Ausschnitt zeigen, von nun an verfolgt werden.

Dies ist eine harte Stunde, die Gewalt in jeder Hinsicht anprangert, mit einem absolut brillanten (und an der Oberfläche urkomischen, doch darunter grundbösen) Auftritt von Samuel L. Jackson, der aussieht wie “Onkel Tom” bzw “Uncle Ben” auf der Reistüte. Er tritt auf und trotz der Lacher, die er provoziert, schaudert es einen sofort bei dem Blick in seine Augen. Denn er zeigt, dass es auch schwarze Sklavenhalter gibt, die keinerlei Problem damit haben, genauso grausam und rassistisch wie die Weißen zu sein. Jackson hätte für diese Bestleistung – auch, wie er körperliches Gebrechen und Alter überzeugend darstellt – den Oscar mehr als verdient. Er gibt die beste Darstellung im Film (tut mir leid, Herr Waltz und alle anderen).

Nach der Schlacht, in der wie in jedem guten Western die Bösen triumphieren, und dem Höhepunkt der dramatischen Ereignisse … wäre jetzt bei jedem arthouse-Film ein reales böses und grausames Ende gekommen. Aber wir sind bei Tarantino, und er meint es gut mit uns. Der Film schwenkt wieder zur Komödie um und zeigt uns einen versöhnlichen Epilog im Stile eines … “Machete”. Hier nun kommt Tarantino selbst zum Zuge mit einem knalligen Auftritt und kehrt zu “seinen eigenen Wurzeln” zurück, indem er die Schlusssequenz total überzeichnet und die Beklemmung von vorher damit löst. And they lived happily ever after. Wir wissen, dass es so nicht ausgehen kann, wollen es aber.
Der einzige Kritikpunkt, den ich habe, ist wie bereits in einer offiziellen Besprechung angemerkt: Brunhilde verkommt leider zur Staffage, sie ist nicht mehr als ein verängstigtes Bambi-Reh mit wenigen Sätzen und viel Weinen, ganz Tarantino-untypisch und eben nicht zu ihrem Namen passend. Das ist schade. Aber wirklich das einzige Manko.


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