Divenmusik

Von Westoestlichediva

Hurra. Yasmine Hamdan hat ein neues Album!

Eine Journalistenfreundin fragte mich neulich: „Sag mal, Du bist doch Fan von Yasmine Hamdan. Erklär mir das mal, ich will über ihr neues Album schreiben, aber ich versteh den Hype nicht so richtig."

Nun ja. Also ich habe ja vor ein paar Jahren hier schon einmal über Yasmine Hamdan geschrieben, als sie 2014 auf Clubtour in Deutschland war. Bekannt geworden ist sie dann durch Jim Jarmushs wunderschönen Film Only Lovers Left Alive. Danach waren dann Konzerte in Europa gut besucht bis ausverkauft und vor allem das wohlwollende Kulturpublikum hat sich ihrer angenommen.

Dieser Tage kommt ein neues Album, Al Jamilat (Die Schönen), Nachfolger des wie ich finde großartigen Ya Nass. Ich finde auch das neue Album toll, auch wenn mir der Vorgänger besser gefällt. Al Jamilat ist insgesamt poppiger, zugänglicher, man möchte sagen „europäischer", oder (Achtung, dreckiges Wort) „kommerzieller". Yasmine Hamdans Spezialität sind mystisch-melancholische Elektrostücke, ein bisschen Brian Eno, ein bisschen Folk, versetzt mit Referenzen auf und Verbeugungen vor klassischer arabischer Musik. Ihre Stimme wird immer durch zwei, drei, vier Filter gehaucht, weshalb sie immer irgendwie geisterhaft und abwesend klingt. Von all dem gibt es auf Al Jamilat nun nochmal ein paar Schippchen mehr als auf Ya Nass; ein bisschen raus fällt für mich der Titelsong, Al Jamilat, der irgendwie klingt wie orientalisierter Hippie-Rock.

Das alles muss man mögen, klar. Was mir persönlich aber an Yasmine Hamdan so gut gefällt ist, dass sie so eindeutig die großen Diven der arabischen Musikgeschichte zitiert, vor allem die großartige, ewige Fairuz, Grande Dame arabischer Musik, dabei das Pathos dieser Zeiten ein bisschen beiseite fegt, aber die Melancholie als Essenz dieser alten Songs zu erhalten schafft. In der aktuellen arabischen Musik macht das kaum jemand - cool klingen und trotzdem sichtbar traditionell bleiben. In den Artikeln, die in den letzten Jahren über sie geschrieben wurden, wird sie immer wieder als „Grenzgängerin zwischen den Kulturen" und all so Quatsch beschrieben. Das würde ja heißen, dass aktuelle arabische Kultur eine Moderne nicht kennt, das ist natürlich völliger Blödsinn. Die Band Mashrou Leila, über die ich hier auch schon geschrieben habe, macht das ja seit Jahren hervorragend, ebenso (wenn auch ganz anders) die wundervolle Souad Massi, von der ich immer noch hoffe, dass sie irgendwann mal auf eine größere Europatour geht. Aber - daher vielleicht der Hype. Oder einfach nur, weil sie halt unfassbar sexy ist ...

Also - Nix Grenzgänger. Das ist wohl nur Code für „kann man auch als weißer Europäer hören". Es ist moderne arabische Musik. Gute, moderne arabische Musik. Bei Yasmine Hamdan muss man dazu auch sagen, dass sich die Musik live und auf der Bühne nochmal ganz anders anhört, anders arrangiert und transportiert wird als auf dem Album. Im Mai ist sie dann wieder in Hamburg, im Mojo, ich hab natürlich schon meine Karte, und werde dann hier erzählen, wie's war und ob tatsächlich ein paar orientalische Hippies vorkamen.

Einstweilen hier schon mal das neue Video und ein ganz hervorragendes Interview.