Discounter-Lehren

Von Beautifulvenditti

Aldi und Venditti, das passt so gar nicht zusammen, auch wenn unser Haushaltsbudget ganz bestimmt nichts gegen diese Liaison einzuwenden hätte. Aber es passt einfach nicht. Auf der einen Seite steht da eine Familie, die gerne nach Menüplan mit ausgewählten, manchmal auch exklusiven Zutaten kocht, auf der anderen Seite ein Laden, der die Kundschaft um den Finger wickeln will mit unglaublich günstigen Angeboten von Dingen, die nicht auf dem Einkaufszettel stehen. Hier eine Familie, die sich nur zu gerne verführen lässt von adrett in Szene gesetzten Lebensmitteln, da ein Laden, dem die Präsentation der Ware am Allerwertesten vorbeigeht. Hier die Überzeugung, dass irgendwo, vielleicht ganz tief verborgen, ein Haken sein muss, wenn alles so billig ist, da die Maxime, dass billig über allem steht. Hier ein feinschmeckerischer Teenager, der neulich im Internet von der Sache mit der toten Maus in den Brötchen gelesen hat, da ein Laden, der sich durch solche Skandälchen nicht erschüttern lässt.

Ich könnte das noch weiter ausführen, lasse es aber bleiben und bringe die Unverträglichkeit von Aldi und Venditti mit der folgenden Anekdote aus dem Familienarchiv auf den Punkt: Einmal, vor vielen Jahren, als “Meiner” sich mit zwei oder drei Kindern einen heimlichen Ausflug zu Aldi gönnte, kotzte der damals noch sehr kleine FeuerwehrRitterRömerPirat auf den Fussboden. Als “Meiner” die Verkäuferin um Hilfe bat, meinte die nur: “Nehmen Sie sich einfach eine Packung Haushaltpapier aus dem Regal und wischen Sie das Zeug auf.”

Jetzt, wo meine geneigte Leserschaft um unser angespanntes Verhältnis zum Discounter im Bilde ist, kann ich endlich davon erzählen, wie wir neulich einen “Bildungsausflug” zur eben erst wiedereröffneten Aldi-Filiale hier in Saint-Rémy-de-Provence unternahmen. “Heute, unsere lieben Kinderlein, zeigen wir euch einen Discounter”, sprachen wir gestelzt und schickten die Fünf mit dem Auftrag in den Laden, für je zwei Euro etwas zu kaufen, was der ganzen Familie zugute käme. Zoowärter und Prinzchen hatten keinerlei Probleme, den Auftrag zu erfüllen. Schon nach wenigen Augenblicken lagen Brot und zwei Schachteln Corn Flakes im Wagen. Allerdings waren die beiden zutiefst erschüttert, dass es in dem Laden keine Spielsachen gab. Mit grossen Augen lauschten sie meiner Erklärung, hier gebe es sehr wohl Spielsachen, wenn man sich früh genug ins Getümmel stürze, aber wenn man, wie wir, erst gegen Abend komme, seien all die Sonderangebote schon weg. Darum die vielen leeren Körbe. Auch der FeuerwehrRitterRömerPirat erfüllte seinen Auftrag im Nu und blieb mit seinen sechs Coladosen sogar deutlich unter Budget. Luise tat sich schon schwerer – “Ich hatte geglaubt, die hätten hier endlos viel Kosmetik” -, löste ihre Aufgabe jedoch mit einer Megapackung Ofenfrites bravourös. Karlsson aber tigerte endlos lange durch den Laden, beklagte sich über das knappe Angebot an Delikatem, sprach immer wieder von der toten Maus im Brot und konnte die Aufgabe erst abschliessen, als wir ihm erlaubten, für ein Glas Nutella-Abklatsch das Budget um 15 Cents zu überschreiten. 

Noch lange an diesem Abend diskutierten die sieben Vendittis über Pro und Kontra von Discountern, einzelne fanden, dort wollten sie unbedingt noch einmal hin, die grosse Mehrheit aber hielt daran fest, dass wir, solange wir es uns irgendwie leisten können, lieber anderswo einkaufen. Kein Zweifel, unser “Bildungsausflug” war ein voller Erfolg, so sehr, dass heute früh der Zoowärter sprach: “Mama, also das Brot von Aldi kaufen wir nie wieder. Wenn man das in den Kühlschrank legt, ist es am nächsten Morgen ganz kalt und hart und überhaupt nicht mehr fein.”

Mein lieber Sohn, auch wenn ich den Billigladen keineswegs in Schutz nehmen will, diese Schuld kannst du Aldi nicht in die Schuhe schieben. (Himmel, Kind, man sollte wirklich meinen, wir hätten dir beigebracht, wo man Brot lagert und wo nicht!)

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