Dirk Darmstaedter: Das was bleibt

Dirk Darmstaedter: Das was bleibtDirk Darmstaedter
„Before We Leave“
(Teaneck Records)
Grau ist er geworden, schmal auch, der stylische Undercut betont das eher noch. Das Bild, dass uns Dirk Darmstaedter auf seinem neuen, dem fünften Soloalbum vermittelt, ist das eines abgeklärten, nachdenklichen Mannes. Im nächsten Jahr wird der Hamburger fünfzig und die altbekannten Markierungen wie die Jeremy Days, Me And Cassity und „Brand New Toy“ scheinen immer weiter zu verschwimmen. Im Begleitbrief zum Album ist viel vom Kürzertreten, vom Bremsen und Abschiednehmen die Rede, der Titel der Platte schlägt dieselbe Kerbe – Darmstaedter hat sich gerade als Labelboss seiner Firma Tapete Records zurückgezogen und will sich fortan eher dem Ungewissen widmen: „Manchmal muss man sich einfach mal von Sachen trennen, um zu sehen, was sonst noch auf einen wartet.“ Nun, so schwer ihm das sicherlich gefallen ist – ganz falsch liegt er damit sicher nicht.
Man kann hier einiges hören von dieser neuen Aufgeräumtheit. Darmstaedter ist als Songwriter erfahren genug um zu wissen, dass sich die wirklich perfekten Stücke nicht im Dutzend aus dem Ärmel schütteln lassen – „Before We Leave“ bietet deshalb viel Solides zwischen Pop und Rock, mal kräftig, mal verhalten, dazu die eine oder andere obligatorische Ballade, aber eben auch Lieder, die sein feines Gespür für das richtige Zusammenspiel und Timing, für außergewöhnlich schöne Melodien offenbaren. Der Opener des Albums „(You Hold Me) Captive“ ist eine von diesen Nummern, für die man ihn nicht nur hierzulande liebt, die Gitarre von David Rieken crispy und gern auch mal lauter, die Worte versonnen und etwas wehmütig, wenn sie dem „blue-eyed boy“ hinterherspüren „with a Dylan-Thomas-Shirt and his soul on flame…“
Auch „Seashells“ muss sich keinesfalls verstecken, wiewohl deutlich geschmeidiger, gefühliger angelegt – wenn jedoch im Hintergrund die Elektrische emporzüngelt, dann hat das schon einen Zauber, dem man sich kaum entziehen kann. Unbedingt erwähnenswert auch das funkig-quirlige Orgelspiel von Gastmusiker Mike Finnigan. Der Mann ist knappe siebzig und unter Fachleuten das, was man einen Altstar nennt, schließlich spielte er schon gemeinsam mit Jimi Hendrix, Leonard Cohen, Rod Stewart und Taj Mahal und war offenbar von Darmstaedters Einladung so begeistert, dass er gleich für zwei Stücke („The Half Life“ und „Capetown“) in die Tasten griff. Kein Werk der großen Überraschungen also, sondern ein stets wamherziger, mal nüchterner, mal augenzwinkernder (und deshalb wohl altersgerechter) Blick auf das was bleibt, mit der Hoffnung, dass die Sache noch lange nicht rum ist, dass da noch was kommen kann, auch wenn man drüber ist übers halbe Leben. http://www.dirkdarmstaedter.com/
21.10.   Berlin, Volksbühne / Roter Salon
22.10.  Köln, Studio 672
23.10.  Hamburg, Knust
24.10.  Bremen, Schnürschuhtheater
25.10.  Bad Frankenhausen, Panorama Museum
28.10.  Göttingen, Nörgelbuff
29.10.  Ludwigshafen, Kulturzentrum Das Haus
30.10.  Bonn, Mausefalle
31.10.  Aachen, Raststätte
10.01.  Hoisdorf, Landhaus Hoisdorf
06.03.  Schwerin, Speicher
07.03.  Magdeburg, Moritzhof TBC
08.05.  Nienburg, Kulturwerk

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