Dimensions Festival 2013- die Utopie eines kollektiven Hörbewusstseins

Foto: L. Schuy

Foto: L. Schuy

ntropy war mit Stift, Papier und Spiegelreflexkamera auf dem Dimensions Festival 2013 in Pula: Menschen, Bilder, Emotionen…

Ausatmen. Einatmen. An der Zigarette ziehen, Augenbrauen nach oben ziehen, das Blickfeld erweitern, als könne man die massive Wucht der Bassfrequenzen, die unablässig den Brustkorb vibrieren lassen, optisch erfassen; sich kurz darauf nach links drehen, die Bewegungen der Anderen wahrnehmen, sie mit den eigenen kontrapunktieren, ein Lächeln , kurz zögern, es dann unter konzentrierter Ausschaltung des Über-Ichs erwidern.

Auf der Bühne schweben die Finger dreier Silhouetten schwerelos über die Controller und Mischpulte. Livity Sound (Peverelist, Kowton, Asusu) spielt ein überwältigendes Liveset und lassen mit ihren entschleunigten Breakbeats und subbass-getränkten UK House-Tracks zwischen Seele und polyrhythmischen future shocks den staubigen Erdboden im Burggraben (moat) erzittern.

In der Musik verdichten sich eine funkige Tiefenentspanntheit und rhythmische Komplexität zu einem Sound, der so nur aus Bristol stammen kann. Denn dort hat man, inspiriert von jamaikanischen Sound Systems, der melancholischen Schwere zähflüssigen Trip Hops (Massive Attack, Portishead) und der experimentellsten Clubmusik der Nullerjahre (Shackleton & Appleblim = Skull Disco = Sieg der düsteren Sound-Katharsis und Polyrhythmik über homogene Clubmusik-Einfalt) noch die Zeit und Muße, die Grenzen zeitgenössischer Clubmusik zu hinterfragen.

Courtyard. Foto: L. Schuy.

Courtyard. Foto: L. Schuy.

Interessant, die Frisuren und Kleidungsstile vieler junger EngländerInnen ähneln sich, als entsprängen sie alle einer groß angelegten Marktforschungs-Benchmark.

Baustelle in Pula. Foto: L. Schuy.

Baustelle in Pula. Foto: L. Schuy.

Am letzten Festivaltag auf einer viel zu leeren Mungos Hifi stage: King Midas Sound. Harmonisch-mikrotonale Klangflächen werden von bedrohlichen Störgeräuschen verdrängt, deren viszerale ntensität sich stetig hochschraubt und die mit Frequenz-Spannung durchtränkten Luftmoleküle meines Körper umfassen, sodass sich kurz meine Armhaare in einem vergeblichen Verteidigungsversuch aufstellen, als könnten sie das Eindringen des Klangs in meinen Leib verhindern. Beim Outro wird die Zeit gedehnt, der sich stetig wiederholende Falsetto-Refrain von Roger Robinson verwandelt sich in ein hypnotisches Mantra. Dann reißt plötzlich ein Loch in meine Wirklichkeit, und gibt für einen kurzen Moment die Sicht frei auf eine bessere Welt.

King Midas Sound. Foto: L. Schuy.

King Midas Sound. Foto: L. Schuy.

Eine, in der wir alle Mitglieder einer Stammesgemeinschaft sind,  welche die Welt einst zu friedlichen Zwecken betrat, um mit Musik, Kunst und Kultur eine gemeinsame, weltverbindende Sprache zu finden.

Später dann: Nach oben schauen, hinter den flirrenden Lichtstrahlen den tiefschwarzen Sternenhimmel entdecken, kurzer Realitätsflash, aus der Versenkung gerissen werden, bevor man die subtilen Veränderungen im Beat realisiert, bei dem sich eine 32-Hi-Hat unter den Tamburin-Offbeat schiebt und aleatorische Polymetren entstehen, während die gerade Bassdrum zu einem unregelmäßigen Breakbeat mutiert, der mit sofortiger Wirkung die Kontraktionsfrequenz neu programmiert; ein Blick auf den Boden, auf dem hunderte Schuhpaare synchron Schleifspuren in den Sand zeichnen. Der nächste Drop fällt bestimmt.

Text und Resonanzkörper: Phire

Fotos und Video: L. Schuy


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