Manchmal verliert man sich nicht, weil die Liebe gegangen ist. Sondern weil das Leben so laut wurde, dass man das Herz nicht mehr gehört hat.
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" aperture="aperture" />Cover von Dieses eine LebenWir haben nur dieses eine Leben. Vielleicht sollten wir öfter sagen, was wir fühlen.
Wenn Liebe nicht verschwindet, sondern leise verstummt – Es gibt Bücher, die von großen Gefühlen erzählen. Von Leidenschaft, Sehnsucht und dem ersten Verlieben. Und dann gibt es Bücher wie „Dieses eine Leben“ von Helena Baum. Bücher, die sich den Momenten widmen, über die viel seltener gesprochen wird. Den leisen Veränderungen. Dem Alltag. Dem langsamen Auseinanderdriften zweier Menschen, die sich einmal von ganzem Herzen geliebt haben.
Bereits nach wenigen Seiten wird deutlich, dass dieser Roman keine klassische Liebesgeschichte erzählen möchte. Stattdessen stellt er eine Frage, die wahrscheinlich viele Menschen irgendwann in ihrem Leben beschäftigt: Was passiert, wenn Liebe nicht endet, aber dennoch nicht mehr ausreicht? Und was geschieht, wenn man sich irgendwann selbst in einer Beziehung verliert? Wenn Du jetzt neugierig geworden bist, dann komm mit auf eine Lesereise. Auf geht’s…
Eine Ehe am Wendepunkt – Helena Baum nimmt uns mit in eine Ehe, die nach außen betrachtet funktioniert. Zehn Jahre gemeinsame Geschichte. Zwei Kinder. Ein eingespielter Alltag. Die Routinen sitzen, die Aufgaben sind verteilt, das Leben läuft weiter. Und doch spüren Ella und Jasper etwas, das sich nicht länger verdrängen lässt: Die Verbindung zwischen ihnen ist brüchig geworden. Die Nähe, die einst selbstverständlich war, scheint verloren gegangen zu sein.
Die Situation von Ella und Jasper – Hier gibt es keine einfachen Schuldzuweisungen. Keine klaren Täter und Opfer. Keine schwarz-weißen Antworten. Stattdessen begegnen wir zwei Menschen, die beide ihre Verletzungen, ihre Wünsche und ihre Enttäuschungen mit sich tragen. Zwei Menschen, die sich irgendwann aus den Augen verloren haben, obwohl sie jeden Tag nebeneinander aufgewacht sind. Gerade diese Vielschichtigkeit macht die Geschichte so glaubwürdig. Man versteht beide Perspektiven. Man erkennt die Muster, die sich über Jahre eingeschlichen haben.
Die kleinen Verletzungen. Die unausgesprochenen Erwartungen. Das Schweigen, das manchmal lauter sein kann als jeder Streit. Während der Geschichte wird immer deutlicher, wie sehr sich Menschen in langjährigen Beziehungen verändern können. Wie leicht man sich zwischen Verantwortung, Familie und Alltag selbst aus den Augen verliert. Und wie schwer es manchmal ist, den Weg zurück zueinander zu finden. Helena Baum gelingt es dabei hervorragend, die emotionale Komplexität einer langjährigen Partnerschaft einzufangen. Viele Gedanken und Situationen wirken erschreckend nah am echten Leben. Nicht dramatisch überhöht, sondern ehrlich, nachvollziehbar und menschlich.
Paartherapie als Weg zur Wahrheit – Ein zentraler Bestandteil des Romans ist die Paartherapie, zu der Jasper schließlich bereit ist. Und genau dieser Aspekt hebt das Buch für mich von vielen anderen Liebesromanen ab. Die Sitzungen dienen nicht als einfache Lösung aller Probleme. Vielmehr werden sie zum Spiegel für die Figuren. Sie zwingen Ella und Jasper dazu, hinzusehen. Sich selbst zu hinterfragen. Ehrlich zu werden. Dabei fand ich besonders gelungen, dass der Therapeut nicht als allwissender Retter dargestellt wird. Statt fertige Antworten zu liefern, stellt er die richtigen Fragen. Fragen, die wehtun können. Fragen, die unbequem sind. Fragen, die Veränderung überhaupt erst ermöglichen.
Gerade diese Gespräche gehören für mich zu den stärksten Momenten des Buches. Sie machen deutlich, dass Beziehung nicht einfach geschieht, sondern immer wieder bewusst gestaltet werden muss. Der Roman vermittelt dabei auf sehr natürliche Weise interessante Einblicke in die praktische Arbeit einer Paartherapie. Ohne belehrend zu wirken. Ohne psychologische Fachvorträge. Stattdessen werden die Erkenntnisse direkt über die Figuren und ihre Entwicklung erfahrbar.
Starke Figuren, die im Gedächtnis bleiben – Neben Ella und Jasper überzeugen auch die Nebenfiguren. Besonders Ellas Liebhaber ist interessant gezeichnet. Seine Eigenheiten, seine Art der Nähe und seine Unverbindlichkeit wirken erstaunlich realistisch. Er dient nicht nur als Gegenpol zu Jasper, sondern eröffnet auch neue Perspektiven auf Ellas innere Konflikte. Überhaupt schafft Helena Baum es sehr gut, ihre Figuren nicht perfekt erscheinen zu lassen. Jeder trägt Widersprüche in sich. Jeder macht Fehler. Jeder sucht nach seinem eigenen Weg.
Dadurch entsteht eine emotionale Glaubwürdigkeit, die den Roman über weite Strecken trägt. Nicht jeder Handlungsstrang hat mich dabei gleichermaßen abgeholt. Einige Elemente wirkten auf mich etwas weniger stark als der eigentliche Kern der Geschichte. Dennoch verliert der Roman nie seinen Fokus auf das Wesentliche: die Frage nach Liebe, Nähe und Wahrhaftigkeit.
Ein ruhiger, ehrlicher und berührender Schreibstil – Helena Baum schreibt klar, einfühlsam und nah an ihren Figuren. Dabei verzichtet sie auf große Dramatik oder künstliche Wendungen. Stattdessen lebt die Geschichte von ihren Beobachtungen. Von kleinen Gesten. Von Gedanken, die viele Leser vermutlich aus ihrem eigenen Leben kennen. Gerade diese Zurückhaltung macht den Roman so wirkungsvoll. Die Autorin vertraut darauf, dass ihre Figuren und ihre Gefühle stark genug sind, um die Geschichte zu tragen. Und genau das tun sie. Viele Szenen entfalten ihre Wirkung nicht sofort, sondern bleiben im Kopf und arbeiten dort weiter. Man denkt über Gespräche nach. Über Entscheidungen. Über das eigene Leben. Über Beziehungen, die man selbst geführt hat oder noch führt.
FAZIT: Manchmal sind die emotionalsten Liebesgeschichten nicht die, in denen sich zwei Menschen finden – Dieses Buch hat mich sehr sehr beeindruckt und ich kann hier auch eine absolute Leseempfehlung aussprechen. „Dieses eine Leben“ von Helena Baum ist weit mehr als ein Roman über eine Ehekrise. Es ist ein Buch über die Herausforderungen langjähriger Beziehungen. Über das Schweigen zwischen Menschen, die sich einst alles erzählt haben. Über Nähe, die verloren geht. Über Verletzungen, die nicht ausgesprochen werden. Aber auch über die Möglichkeit, sich selbst und einander wieder neu zu begegnen. Besonders gelungen ist die differenzierte Darstellung von Ella und Jasper. Helena Baum zeigt eindrucksvoll, dass Beziehungen selten an einem einzigen Ereignis scheitern.
Viel häufiger sind es die kleinen Dinge, die sich über Jahre ansammeln. Die unausgesprochenen Bedürfnisse. Die verpassten Gespräche. Die Gewohnheiten, die irgendwann wichtiger werden als die Verbindung zueinander. Die Einblicke in die Paartherapie verleihen dem Roman zusätzliche Tiefe und machen ihn zu einer ebenso unterhaltsamen wie nachdenklichen Lektüre. Statt einfache Antworten zu liefern, regt das Buch dazu an, Fragen zu stellen. Über Liebe. Über Partnerschaft. Über Ehrlichkeit. Und darüber, wie wir unser Leben gestalten möchten. Es ist ein Roman, der Mut macht. Nicht weil er perfekte Lösungen präsentiert, sondern weil er zeigt, dass Veränderung möglich ist. Dass man sich selbst wiederfinden kann. Und dass es sich lohnt, hinzuschauen, bevor es zu spät ist.
Persönliches Schlusswort – Mich hat dieses Buch vor allem deshalb berührt, weil es so nah am echten Leben bleibt. Nicht jede Liebe geht mit Feuerwerk und großen Gesten einher. Manchmal zeigt sie sich im Bleiben. Im Zuhören. Im Mut, schwierige Gespräche zu führen. Im Versuch, den anderen wirklich wieder zu sehen. „Dieses eine Leben“ erinnert uns daran, wie kostbar Zeit ist. Wie wertvoll echte Nähe sein kann. Und dass wir oft viel zu lange warten, bevor wir aussprechen, was uns bewegt.
Helena Baum hat mit diesem Roman eine Geschichte geschrieben, die nicht laut sein muss, um Wirkung zu entfalten. Eine Geschichte über Menschen, die sich verloren haben und dennoch den Mut finden, sich ihren Wahrheiten zu stellen. Ein nachdenkliches, emotionales und ehrliches Buch, das lange nach dem Zuklappen im Herzen bleibt und vielleicht genau die richtigen Fragen stellt für dieses eine Leben, das wir alle nur einmal haben. Mir bleibt jetzt nur noch dir eine schöne Lesereise zu wünschen, denn am Ende kommt wohl jeder zu der Erkenntnis, dass wir alle nur dieses eine Leben haben.
Wieder lege ich ein sehr sehr tolles Buch zur Seite und es hat mich sehr beeindruckt, sowas mal zu lesen. Jetzt schau ich aber mal, was ich noch auf meinem Reader finde. Da warten viele tolle Bücher darauf, gelesen zu werden. Bleibt also neugierig und bis bald