Die wirklich guten Entwicklerstudios – Mehr als nur Marketing

Erstellt am 11. September 2015 von Gamerarena @gamerarena_de

Inzwischen sollte jedem klar sein, dass die Videospielindustrie äußerst erfolgreich geworden ist. Immerhin spielt beziehungsweise zockt hierzulande ein großer Teil der Bevölkerung in regelmäßigen Abständen ein Videospiel und wenn auch nur in der abgespeckten Version einer Smartphone-App. Und da auch scheinbar täglich neue Titel auf den Markt kommen, gibt es mittlerweile unzählige Entwicklerstudios. Von Unternehmen, die Tausende Angestellte besitzen, bis zur „Garagen-Firma“ mit einer Handvoll Entwickler ist alles vertreten.

Zuhause bei Gearbox Software

Doch was macht ein gutes, ach quatsch, ein sehr gutes Entwicklerstudio überhaupt aus? Eine durchaus interessante Frage, die ich mit einer großen Begeisterung auf den Grund gehen möchte.

Um eine Antwort auf diese Angelegenheit zu finden, sollte man zunächst vielleicht klären, wie eine entsprechende Videospiel-Schmiede überhaupt auszusehen hat. Nun, klare Merkmale müssen gar nicht vorhanden sein. Auch wenn es für den Entwickler eventuell etwas hart ist, aber dem Spieler interessiert es prinzipiell nicht, woher sein entsprechender Titel kommt. Ob er aus großräumigen Büroräumen oder aus einem stickigen Zimmer entstammt, wird selten hinterfragt. Vielmehr kommt es auf das Produkt an. Und genau solch ein Gedanke ist entscheidend. Das soll keineswegs heißen, dass man die Mühe und den Zeitaufwand eines Spieles nicht zu schätzen wissen soll. Viel mehr will ich damit ausdrücken, dass es nicht von Belangen ist, wie der Ort der Schöpfung aussieht. Denn ein besonderes Entwicklungsstudio zeichnet sich nicht durch zahlreiche Arbeitszimmer aus, was uns zum nächsten Unterpunkt bringt. Man muss nicht ein renommiertes Studio sein, um entzückende Produkte abzuliefern.

Die Größen wie beispielsweise Treyarch bringen jährlich neue Titel auf den Markt. Hierdurch entsteht ein Trend, der zumindest bei mir einen negativen Weg einschlägt. Der Profit steht nämlich im Vordergrund. Ich habe nicht unbeabsichtigt das zuvor genannte Studio gewählt. Denn wir wissen sicherlich alle, dass Treyarch auch für die Reihe „Call of Duty“ verantwortlich ist, die ich anfangs echt klasse fand. Da man uns aber jedes Jahr einen neuen Ableger geradezu hinterher wirft, verlor ich bereits das Interesse und wehre mich schon beinah danach, ein neues Spiel zu kaufen. Das Gleiche kann ich bei „Assassin’s Creed“ aus dem Hause Ubisoft beobachten. Also wieder ein großes Studio, dem jedoch nicht zwangsläufig die Schuld zuzuschreiben ist. Denn Publisher ist nicht gleich Entwickler. Bedauerlicherweise ist Ubisoft an dieser Stelle ein ungeeignetes Beispiel, da sich dieses Studio im Laufe der Jahre erheblich vergrößerte und inzwischen sein eigener Publisher ist.

Zu Gast bei Treyarch

Kommen wir da lieber zurück auf „Call of Duty“ und blicken auf den Entwickler Infinity Ward, der für einige Titel der Reihe bekannt ist. Letzteres war „Call of Duty: Ghosts“, das nicht unbedingt schlecht war, mich aber auch nicht vom Hocker riss. Auch die Verkaufszahlen belegen, dass dieser Ableger kein Erfolg innerhalb der Reihe darstellt. Selbst wenn man berücksichtigt, viele Entwickler haben das Studio verlassen und viele neue sind hinzugekommen, heißt das nicht automatisch, dass es Infinity Ward nicht krachen lassen kann. Denn das wohl beliebteste Call of Duty – ja es ist Modern Warfare – stammt ebenfalls von diesem Studio. Das Beispiel zeigt also sehr gut, dass die Zusammenarbeit mit einem profitorientierten Publisher nicht nur Vorteile mit sich bringt. Obwohl sich auch darüber streiten lässt, wer für die Qualität der Spiele im Endeffekt verantwortlich ist.

Das Team von Telltale Games

Allerdings sind viele Entwickler auf diese Maschinerie angewiesen. Denn hohe Verkaufszahlen erzielen sich nur durch Marketing. Marketing benötigt Geld. Geld haben die Publisher. Und ohne Verkäufe verdient auch das Studio nichts. Dass man derartige Vermarktungs-Giganten aber nicht braucht, um hervorragende Produkte abzuliefern, beweist Telltale Games. Mit dem Videospiel zur beliebten TV-Serie „The Walking Dead“ erzielte das Studio, das unter 300 Mitarbeiter zählt, gute bis sehr gute Bewertungen und kann durchaus stolz auf sein Ergebnis sein. Auch „Tales from the Borderlands“ sollte man nicht links liegen lassen. Zwei exzellente Spiele von einem kleinen Entwickler, die zeigen, dass es nicht auf ein scheinbar unendlich gefülltes Portemonnaie ankommt, um den Spieler zufrieden zu stellen, gar zu begeistern.

Ein Videospiel-Hersteller sollte sowieso nicht anhand seines verfügbaren Budgets für Entwicklung und Marketing bewertet werden. Auch nicht mittels seines Namens. Entscheidend sind die Titel, die man abliefert. Für mich auch das einzige Kriterium, auf das man als Spieler schauen sollte und somit Behauptungen aufstellen kann, ob es sich hierbei um ein hervorragendes Studio handelt.