"Die versunkene Stadt Z" / "The Lost City of Z" [USA 2016]


Träge sich vorwärtsschleppendes, selten wuchtendes Dschungel-Abenteuer, das anachronistisch und, im besten Sinne, konservativ flehentliche Gefühle beschwört. Beruhigend, dass es Regisseure wie James Gray noch gibt, analoge Formen suchende Filmemacher nämlich, die dem Kino zu sinnlicher Bedeutung, zu altbackener Verzückung verhelfen und sich nicht scheuen, sanftmütig Klischees abzurufen. Charlie Hunman, dem es ein wenig an Fieber und Körperlichkeit fehlt, verliert sich als Forschungsreisender in Boliviens unerforschten Delirien. Gray taktet diese Flussfahrt, die nie im "Fluss" ist, sondern stockt – Abschiedsszene um Abschiedsszene (eine den "Müßiggängern" Fellinis entnommen) –, indem er Beziehungsdualismen zwischen Mann und Frau, Wissenschaft und Aberglaube sowie Größenwahn und Bescheidenheit zu einem historischen Seelenporträt trüb einbrechenden Lichts auskundschaftet, dessen Staub vom Fortschritt gelichtet gehört. Col. Percy Fawcett (Hunman) rekurriert auf einem Prototyp des in strittige Evolutionsfragen vordringenden Getriebenen. Voller kontroverser Brechung vollzieht sich seine Reise an den Grenzgebieten des Menschen, der noch animalisches, noch urnatürliches Wesen ist – genormt von mystischen Ritualen und archaischen Riten, von zeitlicher Stagnation. "Die versunkene Stadt Z" richtet sich an die Filmepen David Leans, an "Apocalypse Now", aber sein Rhythmus ist bedächtiger, weniger schwerer Koloss als Reizpunkte setzender, schläfrig schwingender Amboss. Viel "hängen" aber bleibt an diesem Film nicht. Das ist sowohl seine Schwäche wie Stärke.  
6 | 10

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