Die Vermessung der Welt (Daniel Kehlmann)

Ich weiß nicht, wie man auf die Idee kommt, das Leben von zwei Genies in einem Buch zu erzählen, und noch dazu Alexander von Humboldt und Carl Friedrich von Gauß. Nicht gerade Ikonen der Pop-Kultur (auch wenn Gauß auf dem 10-DM-Schein abgebildet war). Wieso schreibt man so etwas überhaupt? Und dann noch dazu durchgehend in indirekter Rede?
Keine Ahnung – aber seien wir froh drum, dass Kehlmann diese Idee hatte und sie ausführte. Herausgekommen ist ein äußerst vergnügliches, literarisch schön geschriebenes Lebensgeschichten-Buch von wohltuenden rund 300 Seiten, das man einfach nur unter fortwährendem Schmunzeln genießt. Die beiden beschriebenen Genies sind eigentlich schon in ihrer Jugendzeit alte Zausel, verschroben, skurril, weltfremd, versunken in ihrer Wissenschaft und konzentriert darauf, die Welt greifbar und fassbar zu machen, durch Karten und Formeln. Humboldt riskiert dabei sein Leben, ohne es so recht zu merken oder auch nur im Nachhinein wahrzunehmen, und Gauß weiß zwar den körperlichen Genuss mit Frauen zu schätzen, vergisst aber dann schon mal die Romantik einer Hochzeitsnacht, um eine Formel aufzuschreiben, die ihm seit einiger Zeit im Kopf herumgeistert. In einer von Krisen geschüttelten und sich in Wandlung zur industriellen Revolution begriffenen Zeit gehen sie ungehemmt und unbeirrt ihren Weg, bis sie schließlich einander begegnen, im Herbst ihres Lebens. Der eine, immer selbst auf Reisen gewesen, der andere zusehends zum Stubenhocker geraten, der jedoch seinen Geist bis ins All hinausschickt. Wenn man es so betrachtet, gehört das eigentlich schon zusammen.
In ein paar Wochen kommt der Film ins Kino.