"Die Vegetarierin" und das männliche Korea


Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich eine Besprechung zu diesem (Hör)Buch veröffentlichen, oder es einfach in einem Schnelldurchlauf abhaken sollte. Das lag hauptsächlich daran, dass ich auch Tage nach dem Lesen noch nicht genau weiß, wie ich diesen Roman einzuordnen habe. Er hat mich verärgert, stellenweise gelangweilt, angewidert, aber eben auch fasziniert, sodass ich während des Hörens nie ans Abbrechen dachte. In meinen Augen ließ dieses Buch sehr viel Raum zum Interpretieren und Nachdenken, gleichzeitig stieß es mich mit seinen oftmals üblen (männlichen) Charakteren auch ab. Wie ihr seht, verwandelte sich Die Vegetarierin für mich in ein zweischneidiges Schwert, also verzeiht mir, wenn ich ein wenig ins Schwafeln gerate.
Gewöhnungsbedürftig war vorallem die im Buch beschriebene koreanische Lebensart, von der man nach Beendigung der Lektüre ausgehen muss, dass sie frauenfeindlich und rückständig ist. Alles fokussiert sich auf den Mann, das Wohl des Mannes muss gewährleistet werden, Männern muss gehorscht werden und und und. Gleichzeitig wirken die dargestellten Männer im Buch ohne ihre Frauen aber wie hilflose Kinder, die nicht verstanden haben, was sie an ihren Frauen haben, die täglich für sie kochen, teilweise ihre Karrieren aufgeben und sich den männlichen Gelüsten hingeben müssen, wann immer Mann will. Hier stieß ich auch auf mein größtes Problem: Frauen werden generell als Menschen dargestellt, die an Sex keine Freude haben und dies nur für den Mann über sich ergehen lassen. Die Autorin geht mit besagten Szenen natürlich kritisch um (so fühlte es sich jedenfalls an), allerdings fragte ich mich in diesen Momenten stets, ob es in Korea wirklich noch so aussieht (Google hat mir da etwas geholfen und es scheint wirklich so zu sein, allerdings ändert sich das wohl gerade bei den jüngeren Generationen... was man nur hoffen kann).
Ebenso schockiert war ich über den gesellschaftlichen Umgang mit Vegetarismus. Eine solche Verklemmtheit, ja sogar Boshaftigkeit fühlte sich für mich unmöglich an. Verständnislosigkeit mag das eine sein, Tyrannei etwas ganz anderes. Und so kann man die Protagonistin eigentlich nur verstehen, die sich von der Menschheit, vom Fleisch abwendet und sich unter Pflanzen wohler fühlt, vielleicht sogar eine wird.
Auch hier stehen die Männer nicht gut da. Yeong-Hye stellt besonders das Leben dreier Menschen auf den Kopf: das ihres Mannes, ihres Schwagers und ihrer Schwester. Schlussendlich ist es aber nur die Frau, die bei ihr bleibt. Die sich selbst mit seelischem Leiden (für mich las es sich wie eine Depression) herumplagt, aber im Gegensatz zum Rest versucht, ihre jüngere Schwester zu verstehen. Ihr Erzählanteil war es auch, der das Buch vor einer schlechteren Bewertung bewahrte und mich darauf hoffen ließ, dass es in Korea genug Frauen gibt, die sich gegen das alte, unterdrückende System wären, indem sie erfolgreich und klug sind.
Lange Rezi, kurzer Sinn...
+Ich mochte die sinnbildliche Gegenüberstellung von Fleisch und Pflanze, Lust und Liebe, auch wenn ich glaube, nicht jede Metapher des Buches erfasst zu haben. Außerdem kann ich trotz vieler Kritikpunkte nicht leugnen, dass es immer wieder interessant ist, mithilfe von Büchern in andere Kulturen einzutauchen.
-Ich kann nur hoffen, dass es in Korea nicht nur solche Männer gibt, denn das hier dargestellte Männerbild ist wirklich grässlich und für mich an einigen Stellen einfach zu viel. Außerdem gab es besonders im zweiten Erzählpart (dem des Schwagers) viele langweilige Stellen für mich.

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