Die Sterne: Fast am Ende

Die Sterne: Fast am EndeDie Sterne
„Flucht in die Flucht“

(Staatsakt)
Hat irgendwer Angst gehabt, Frank Spilker, mit über fünfundvierzig noch zum Jungautor und Generationensprecher ausgerufen, hätte so viel Geschmack an Schreiberei minus Gesang gefunden, dass er zukünftig nur noch den Platz zwischen zwei Buchdeckeln, aber nicht mehr den am Mikrophon ausfüllen wollte? Umsonst gezittert, Die Sterne spielen wie eh und je ihren lässigen Desillusionistenrock, der zuletzt ja eher ein -pop war. Und man sollte sich nicht täuschen lassen: Auch wenn sich die ersten Takte von „Wo soll ich hingehen“ noch wie die eines beschwingtes Sinnsucherliedchens ausnehmen, das wandelt sich recht schnell zum Psycho(sen)dance auf dem Vulkan. Die Hamburger haben ja für die Nachfolgeplatte von „24/7“ eine Reihe von Gästen im Studio begrüßen dürfen – neben Zucker und Der Bürgermeister der Nacht, die einen mehr als formidablen Backgroundchor abgeben, waren auch Daniela Reis und Fritzi Ernst von Schnipo Schranke zum Produzenten Olaf O.P.A.L. geladen – zudem raspelt Alexander Hacke ganz wunderbar gemeinsam mit Spilker das Zombiestück „Ihr wollt mich töten“.
Der Sound zur vielstimmigen ‚Flucht‘ ist dabei wandlungsfähiger denn je, auf den derben Rockfetzen zum Überwachungsstaat zweipunktirgendwas („Menschenverachtendverliebt“) folgt angejazzter Elektrosoul mit blumfeldschem Lyrikpatchwork („Innenstadtillusionen“), nach dem Fuzzfunk von „Hirnfick“ gibt’s flotten Aussteiger-Rock’n Roll („Mach mich vom Acker“) und die dunkel spotzende Metapherndisko „Der Bär“. Irgendwie geht es immer weiter in Richtung Abgrund, ein schiefes und gequältes Grinsen zur Kapitulation („Hier kommt das Ende, wir haben alles versucht, hier kommt die Wende, hier kommt die Flucht in die Flucht“), besser wird es sicher nicht mehr („mit Job Scheiße und ohne auch“) und zu schlechter Letzt kommt man dann in die „Miese kleine Winterstadt“ und die ist so irre kalt und kaputt, dass einem ganz klamm wird ums ängstlich pochende Herzchen – „Wie wär’s denn mal mit warm?“ fragt man kleinlaut und kennt doch die Antwort schon…
Richtig heiter wird’s hier also nicht, wie auch – die Hälfte des Lebens vorbei, aller Träume beraubt, die Aussichten mehr als trübe. Auch Spilker hat offenbar zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel und gibt dennoch, so versichert er dem allerletzten Idioten, jedwedem Shitstorm zum Trotz den Störrischen, den Unbeugsamen („Mein Sonnenschirm umspannt die Welt“). Das Mittelmaß regiert die Welt schon zu lange und hat sie, (s)ein Dauerthema, endgültig ruiniert, weshalb es sich denn auch ganz wunderbar bissig spotten lässt. Das Beste gibt’s zum Schluss: „Wie groß ist der Schaden bei Dir?“ – „männlich, weiß, hetero, Mittelschicht sowieso … ohne Wut, ohne Zorn, so macht man es allen recht.“ Spilker und seine Sterne bleiben, soviel ist klar, gallig genug, altersmilde sollen andere. Sie dagegen wippen weiter mit ausgestrecktem Mittelfinger zum Herzschlag der kränkelnden Republik – irgendwie auch ein Trost. www.diesterne.de
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08.11.  Münster, Sputnikhalle
09.11.  Köln, Gebäude 9
10.11.  Stuttgart, Wagenhallen
11.11.  Zürich, EXIL Klub
13.11.  Frankfurt, Zoom
14.11.  Heidelberg, Karlstorbahnhof
15.11.  Erlangen, E-Werk
16.11.  München, Strom
17.11.  Graz, ppc
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21.11.  Leipzig, Conne Island
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