Die Sedona-Methode: Vier Fragen, mit denen Sie negative Gefühle verändern können. - Wie Sie Ängste, Grübeleien und anderen Gedankenballast loswerden können.

Wie Sie Ängste, Grübeleien und anderen Gedankenballast loswerden können.

Angst, Mann, chamaeleon, pixabay - schmal-sw

Seit längerer Zeit probiere ich mit mir selbst und einigen Klienten eine neue Methode der Veränderung aus, die SEDONA-Methode. Ich will Sie hier vorstellen. Sie besteht aus vier Fragen und stammt aus dem Buch „Die Sedona Methode“ des Amerikaners Hale Dwoskin, der sie wiederum von seinem Lehrer Lester Levenson übernommen hat. Obwohl sie sehr einfach klingt, ist sie äußerst wirkungsvoll.

Wie gehen Sie mit unangenehmen Gefühlen um?

Also Gefühlen wie Angst, Furcht, Sorgen, Stress, Zorn, Eifersucht, Neid? Kaum jemand ist ja davor gefeit und jeder hat seine eigene Strategie, mit negativen Gefühlen umzugehen.

  • Sie verdrängen die Gefühle.
    Lenken sich also ab mit Arbeiten, Essen, Frustkäufen, Internetsucht usw.
    Auf die Dauer hat das meist unangenehme Folgen.
  • Sie spalten Ihre Gefühle ab.
    Das ist noch „effektiver“ als Verdrängung, denn Sie spüren dann die Gefühle gar nicht mehr. Doch diese sind ja trotzdem nicht weg, sondern nur weg-gesperrt. Wer das länger macht, erlebt oft unerklärliche Muskelverspannungen, Unausgeglichenheit und Stress.
  • Sie projizieren sie auf andere.
    Dabei geben Sie Ihrem Gegenüber die Verantwortung für die eigenen destruktiven Gefühle. Man fragt: „Warum kannst du mich eigentlich nicht leiden?“ und merkt nicht, dass man es selbst ist, der den anderen nicht ausstehen kann.
  • Sie erleben Ihre Gefühle total intensiv.
    Das macht das Leben sehr bunt aber auch anstrengend, und es kann sein, dass Sie sich Ihren Gefühlen ausgeliefert fühlen.

Eine gute Methode, um negative Gefühle zu reduzieren oder sogar aufzulösen, ist EFT (Emotional Freedom Technique). Dabei klopft man bestimmte Meridianpunkte am eigenen Körper. Hier eine gute Beschreibung von Konstanze Quirmbach darüber.

Was Gefühle angeht, leben wir ja oft noch in der Steinzeit.

Angreifen oder flüchten ist unser biologisches Erbe, mit dem alle Lebewesen in der Evolution die besten Erfahrungen gemacht haben. Der Neocortex, der eine dritte Möglichkeit bietet, nämlich etwas vernünftig von verschiedenen Seiten zu beleuchten und dann angemessen zu entscheiden, scheint oft abgeschaltet zu sein.

Egal ob man Donald Trumps Politikversprechen, Erdogans Versuche, seine Kränkbarkeit in den Griff zu kriegen, das Ausschlachten von Überfremdungsängsten durch rechte Parteien in Europa  oder die „Argumentation“ der Brexit-Befürworter der letzten Wochen anschaut: viele Menschen können ihre Gefühle schlecht regulieren und hoffen auf jemanden, der sie von diese unguten Gefühlen, die ja meistens Ängste sind, erlöst.

In der Schule lernen unsere Kinder zwar, wie man eine Gedichtanalyse in vier Sprachen  anfertigt. Wissen darüber, wie man Konflikte löst oder mit seinen Gefühlen zurechtkommt, scheint jedoch weniger wichtig. Im Gegensatz dazu geben einige spirituelle Lehrer höchst lebenspraktische Tipps für den Umgang mit Emotionen.

Thich Nhat Hanh empfiehlt zum Beispiel, auf Gefühle wie auf ein schreiendes Kind zu reagieren, das Aufmerksamkeit fordert. In einer solchen Situation sagt man als kompetenter Elternteil dem Kind ja auch nicht, dass es sofort damit aufhören soll oder dass es böse oder unfähig ist.  Stattdessen nähert man sich dem Kind ruhig, nimmt es in den Arm, versucht es, zu trösten, nimmt also seine Gefühle ernst und versucht, sie zu verstehen.

Eckhart Tolle spricht über den „Schmerzkörper“. Darunter versteht er die Summe unseres biographischen Leidens, das sich zu einem negativen Energiefeld verdichtet hat.

Man kann sich den Schmerzkörper wie einen Speicher vorstellen, in dem alles Leiden gesammelt wird. Dieser Speicher wird vom Ego genutzt, um sich die eigene Existenz zu sichern. Er hilft, die eigene Identität zu spüren und zu festigen. Hier lesen sie mehr dazu …

Nicht umsonst stellt Byron Katie öfters die wichtige Frage: „Wer wärst du ohne deine Geschichte?“

Hier die Anleitung zur Sedona-Technik mit den vier Fragen.

Dies sind die vier einfachen Fragen:

1. Können Sie dieses Gefühl in diesem Moment akzeptieren?

2. Könnten Sie dieses Gefühl jetzt loslassen – nur für diesen Moment?

3. Würden Sie dieses Gefühl loslassen?

4. Wann?

Am besten, Sie probieren es einmal selbst aus! Denn nichts überzeugt mehr als die eigene Erfahrung. Wenn Sie sich gerade jetzt über etwas ärgern oder Sorgen machen oder zwanghaft nachgrübeln – schließen Sie die Augen, gehen Sie nach innen und denken Sie an diese konkrete Sache, an die Person oder Situation, die Sie frustriert. Fühlen Sie, was Sie gerade fühlen.

1. Frage: Können Sie dieses Gefühl in diesem Moment akzeptieren?

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Gegen eigene Gefühle kann man nicht gewinnen. Sie zu unterdrücken, zu bekämpfen, sich auszureden – all das funktioniert nicht, meist wird das unangenehme Gefühl nur stärker. Wie bei der bekannten Aufforderung, jetzt bloß nicht an einen blauen Elefanten zu denken.

Das Interessante an dieser Frage ist, dass egal ist, was Sie antworten.
Ob Sie als Reaktion denken „Nein, kann ich nicht akzeptieren“ oder „Ja, kann ich akzeptieren“ – beides ist in Ordnung.
Wichtig ist jedoch, dass Sie ehrlich sind – zu sich selbst. Und dass Sie spontan antworten, also nicht lange nach der richtigen  Antwort suchen.

Vielleicht ist das Gefühl so stark, dass Sie gar nicht anders können als es zu akzeptieren. Oder es handelt sich um eine körperlichen Schmerz, und Sie wissen, dass Sie ihn ertragen müssen. Aber: Sie dürfen sich auch weigern, Ihr Gefühl zu akzeptieren. Es gibt kein Muss.

2. Frage: Und könnten Sie dieses Gefühl jetzt loslassen – nur für diesen Moment?

luftballons, pixabay

Auch diese Frage ist raffiniert. Sie werden ja nicht aufgefordert, das Gefühl loszulassen. Die Frage zielt vielmehr auf Ihre Wahlfreiheit, die Sie in diesem Moment haben – aber meistens nicht so erleben.

Wieder spielt es keine Rolle, wie Sie antworten.Mit „ja“ oder „nein“. Nur spontan ohne langes Nachdenken sollte es sein.

Hierbei ist es wichtig, das wahrgenommene Gefühl wirklich zu spüren. Oft geben  wir uns mit Symbolisierungen oder Konstrukten zufrieden. „Ich habe Stress.“ „Ich ärgere mich.“ Doch ist es leichter, wenn wir zu dem Gefühl die passenden Körperempfindungen dazu spüren. Hitze im Gesicht, Enge im Hals, Druck auf den Schultern usw. Denn diese Körperempfindungen können Sie auch leichter loslassen als die diffusen Begriffe Stress, Ärger oder Angst.

Loslassen können Sie übrigens immer. Sie streiten mit Ihrem Partner.  Das Telefon klingelt. Sie gehen dran und reden mit völlig normaler Stimme reden Sie mit dem Anrufer. In diesem Moment haben Sie Ihren Ärger losgelassen, um ihn, wenn das Telefongespräch beendet ist, wieder aufzugreifen und weiter zu streiten.

Loslassen geschieht jedoch nicht auf direkten Befehl. Es macht wenig Sinn, zu einem anderen oder zu sich selbst zu sagen: „Lass endlich los!“ Deshalb ist hier der indirekte Weg so wertvoll. Das sanfte Andeuten, dass es einen anderen Weg gibt, das in der Frage „Könntest Du loslassen?“ liegt, macht eher den Weg frei zu jener Fähigkeit, die jeder von uns besitzt.

3. Frage: Würden Sie dieses Gefühl loslassen?

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Wieder ehrlich und spontan antworten. Sie können die Frage bejahen oder verneinen. Ihre Gefühle zu akzeptieren ist ein Teil des Loslassens. Ablehnung und Negierung halten die Gefühle fest.

Diese Frage zielt darauf, was Sie wollen. Nicht darauf, was Sie können. Denn oft erlebt man ja quälende Gefühle und denkt: „Ich will sie los sein, kann aber nicht.“

Loslassen hat meist seinen eigenen Rhythmus. Manchmal geht es sehr schnell, manchmal braucht es mehrere Sitzungen mit mehreren Durchläufen an aufeinander folgenden Tagen. Haben Sie deshalb Geduld. Schon das Beschäftigen mit dem Gefühl und den vier Fragen verändert etwas in Ihnen.

Und  dann kommt die letzte Frage.

4. Frage: Wann? Wann würden Sie das Gefühl loslassen?

Veränderung geschieht nicht, indem Sie sich etwas vormachen. Seien Sie also ehrlich zu sich selbst und antworten Sie spontan auf diese Frage. Wieder spielt es keine Rolle, was Sie antworten: Jetzt! Gestern! Morgen vielleicht? Nie!!!

Die Frage  bringt Sie ins Hier und Jetzt. Sie lässt ahnen, dass Veränderung möglich ist.  Sie können auch anders. Sie können auch loslassen. Wann würden Sie gerne loslassen?

Antwortet man darauf mit „Übermorgen“ oder „Wenn ich mal Zeit dazu habe“, hat man damit schon zugestimmt, dass man loslassen möchte – und loslassen kann.

Wenn Sie jetzt den Prozess der vier Fragen durchlaufen haben, spüren Sie vielleicht jetzt schon eine kleine Veränderung. Aber am besten ist es, diese vier Fragen immer wieder sich zu stellen.

Die Sedona-Methode ist nicht auf Gefühle beschränkt.

Sie können genauso gut unangenehme Gedanken, limitierende Überzeugungen oder bedrängende Phantasien damit loslassen. Vermutlich wirkt die Methode auch dann, weil natürlich Gedanken, Einstellungen oder Phantasien auch mit Gefühlen verbunden sind.

mann traurig, pixabayWarum funktioniert die Methode, wo sie doch so simpel klingt? Ich denke, Sie ermöglicht genau das, was einem, wenn man ein Problem hat, schwer zugänglich ist.

  • Sie bringt Sie in Kontakt mit sich selbst.
    Charakteristisch für problematische Situationen ist ja, dass man nicht in seiner Mitte ist, sondern in Grübeleien oder Katastrophenszenarien gefangen ist. Die Gefühlslage ist mitunter auch unklar.
    Anders ausgedrückt, dass ein Teil vom „Inneren Team“ gerade auf Ihrem Regiestuhl sitzt. Anstatt Sie selbst.
    Die vier Fragen der Sedona-Methode stärken das Ich. Und das Ich kann erkennen, dass es ein Teil ist, der gerade dieses unangenehme Gefühl hat. Und dass es Teile in Ihnen gibt, die die betreffende Situation anders interpretieren.
  • Sie schafft eine Distanz zum Problem oder dem Gefühl.
    Erstaunlicherweise können wir ja unserem Partner oder einem Freund bei seinen  Problemen oft gut helfen. Wir hören uns das in Ruhe an, fragen vielleicht nach, machen uns ein Bild von der Gesamtsituation. All das ist möglich, weil es nicht unser Problem ist. Weil wir einen großen Abstand dazu haben und aus dieser Distanz klarer sehen. Die vier Fragen der Sedona-Methode können dasselbe bewirken.
  • Sie schafft inneren Raum.
    Haben wir ein Problem, meldet sich meist auch eine strenge Stimme in uns, die erklärt, dass wir selbst schuld sind. Und dass wir das locker hätten vermeiden können, wenn wir nur anders gehandelt hätten. Und was wir jetzt unbedingt tun müssen, damit es nicht noch schlimmer wird.
    Dieser innere Druck, der sich dadurch aufbaut, ist zusätzlich unangenehm. Aber vor allem: er motiviert uns selten zum Handeln. Statt dessen suchen wir eine Ausrede, warum das schon alles richtig sei, wir aber im Moment nun gerade nicht so handeln können.
    Die Fragen erzeugen keinen Druck. Sie fragen nach. Sie deuten eine mögliche Richtung an aber lassen uns völlige Freiheit, ob und wann wir in diese Richtung gehen wollen.
  • Sie führt uns in den gegenwärtigen Moment.
    Alle Entspannungsmethoden und Meditationsformen funktionieren so. Etwas ändern können Sie nur in diesem Moment, also jetzt. Denn das negative Gefühl, den quälenden Gedanken haben Sie auch jetzt. Auch wenn er sich auf die Vergangenheit oder die Zukunft bezieht: Das Gefühl spüren Sie jetzt.

Hier noch einmal die vier Fragen der Sedona-Methode:

1. Können Sie dieses Gefühl in diesem Moment akzeptieren?

2. Könnten Sie dieses Gefühl jetzt loslassen – nur für diesen Moment?

3. Würden Sie dieses Gefühl loslassen?

4. Wann?

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Lesen Sie hier, was Sie in 3 Stunden erreichen können.

kommentar Mit welchem Problem könnten Sie die Methode ausprobieren?

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Foto: © pixabay,  © www.photocase.com

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