Die Schwierigkeiten der Studentenbewegung am 15. Mai

Von Nima Chehreh @IranBlogger

Am vergangenen Sonntag haben die Studenten mehrerer Universitäten landesweit gestreikt und protestiert.

Die Anzahl der Demonstranten war nicht besonders hoch, aber kleine Proteste haben statt gefunden. Kann man trotzdem vom Erfolg sprechen? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir was passiert ist: 


Eine Gruppe hatte vor zwei Wochen per Internet einen Statement veröffentlicht, in dem sie die Studenten zu landesweiten Protesten aufrief; Unterschrift: "Eine Gruppe von grünen Studenten im Iran". Dabei gab es aber mehrere Probleme:
1. Woher sollte man wissen, dass der Statement überhaupt von Studenten geschrieben wurde? Studentische Aktivisten im Iran mit denen ich direkt oder indirekt im Kontakt bin, wussten bis einigen Tagen vor dem Sonntag gar nichts über diese Aktion. Es ist natürlich wichtig, dass Studenten im Iran selbst die Entscheidung treffen, ob Proteste statt finden sollen oder nicht, weil sie die Lage im Land am besten einschätzen können. Sie müssen in erster Linie den Preis einer solchen Aktion zahlen.
2. In dem Statement wurde geschrieben, dass Studenten die Hilfe vom Koordinationsrat des Grünen Pfades der Hoffnung, dessen Mitglieder von Moussavi und Karroubi vor Beginn ihres Hausarrests gewählt wurden, benötigen. Wenn der Rat sie nicht unterstützen würde, "würde die Aktion scheitern, weil es momentan Kommunikationsschwierigkeiten zwischen den studentischen Aktivisten gibt", hieß es in dem Statement! In schwierigen Zeiten kann man um Hilfe bitten, könnte man meinen. Eine erfahrene Gruppe wurde aber nicht von vorne rein sagen "ohne eure Hilfe würden unsere Aktion scheitern", sie wurde gar nicht vom Scheitern sprechen. Sie wurde zur Not vorher mit dem Rat Kontakt aufnehmen.
Wenn wir annehmen, dass der Statement wirklich von einer Gruppe von Studenten im Iran geschrieben wurde, müssten wir zugeben, dass diese Gruppe sehr unerfahren ist und in keinem Kontakt mit den erfahrenen Aktivisten steht. Ein Grund dafür könnte das Verbot aller studentischen Organisationen -Bassij ausgenommen- in den letzten Jahren sein. Die Kommunikation zwischen den Aktivisten ist in den letzten Jahren sehr schwierig geworden.
3. Der Koordinationsrat hat die Aktion nur auf einer ihrer Webseiten indirekt unterstützt, indem er geschrieben hat, "man müsse Studenten unterstützen". Der Koordinationsrat hat Zugang zu zahlreichen Webseiten. Er ist aber sehr vorsichtig und kooperiert außerdem nur mit sehr wenigen Gruppen. Kennt er eine Gruppe nicht, gibt es wahrscheinlich keine Chance zur Kooperation. 
 

Ghasemi-Nejad, Sprecher von "liberalen Studenten und Absolventen vom Iran"
4. Die Aktion wurde nur von 30 im Ausland lebenden studentischen Aktivisten unterstützt. Voice of America (VoA) lud am Montag zwei studentische Aktivisten ein, die im Ausland leben: Said Ghasemi-Nejad, Sprecher von "liberalen Studenten und Absolventen vom Iran"  und Mostafa Khosravi, Mitglied von Tahkim-e-Vahdat (Videos unten). Der erste unterstützte die Aktion aus obigen Gründen nicht, der zweite unterstütze die Aktion um mögliche Proteste zu stärken. Beide sind sich einig, dass die unbekannte studentische Aktivisten im Iran Kontaktpersonen im Ausland brauchen.  Diese könnten zukünftig bestätigen, dass eine Aktion wirklich vom Iran und von der Universität vorgeschlagen wurde. Jeder weiß, dass dies möglich ist, weil viele iranische Studenten im Ausland leben. In der Regel hat jeder Student Freunde im Ausland.

Khosravi,Mitglied von der Studentenorganisation Tahkim-e-Vahdat
Khosravi sieht die Aktion vom Sonntag als eine Übung für die zukünftigen Proteste. Ein wichtiger Schritt, die neuen Strukturen von studentischen Organisation zu stärken.
Man darf auch nicht vergessen, dass auch wenn die Demonstrationen vom Sonntag nicht sehr erfolgreich waren, es wurde trotzdem erfolgreich gestreikt.