Die Schulanmeldung einer Zweitgeborenen

Ich kann mich noch genau an die Schulanmeldung des Großen vor 2 Jahren erinnern. Wir haben das damals wie eine feierliche Zeremonie vollzogen. Wir waren sehr aufgeregt und etwas nervös. Zum ersten Mal haben wir an diesem Tag das Schulhaus betreten, das unsere beiden Kinder insgesamt 8 Jahre beherbergen sollte. Ich war sehr skeptisch und noch nicht im Reinen mit unserer Entscheidung, ihn auf der regulären Einzugsgrundschule anzumelden, statt auf einer freien oder privaten Schule. Und überhaupt war ja gar nicht sicher, ob er einen Platz bekommen würde, da die Zahl der Anmeldungen die der Plätze weit überstieg.
Viele gemischte Emotionen charakterisierten also diesen Nachmittag im Oktober vor 2 Jahren. Ich hatte die Kinder von der Kita abgeholt und wir trafen uns mit dem Papa vor der Schule. Natürlich sollte der Papa mit dabei sein! Wir nahmen uns Zeit, schauten uns alles an, füllten andächtig die Formulare aus, ließen das Schulhaus auf uns wirken und die Kinder malten eine Zuckertüte aus. Das Schulhaus war schon total leer. Wir schrieben jede Menge Namen von Wunschkindern auf, die möglichst mit dem Großen in eine Klasse kommen sollten. Wir fragten die Sekretärin nach dem Prozedere aus und waren geschockt, dass wir erst im Mai Bescheid bekommen sollten, ob es klappt mit dem Platz an dieser Grundschule. Ich fotografierte, um Erinnerungen an den Tag zu haben, und wir spielten hinterher noch etwas auf dem Schulhof. Ingesamt war die Schulanmeldung des Großen schon ein einschneidendes und bewegendes Ereignis für uns gewesen.
Die Schulanmeldung einer ZweitgeborenenNun, 2 Jahre später, sollte auch die Kleine angemeldet werden. Sie kommt nächstes Jahr in die Schule und es war klar, dass sie auf die gleiche Schule gehen soll wie der Große. Erstens sind wir insgesamt zufrieden und zweitens freue ich mich schon auf die logistische Erleichterung, wenn beide Kinder an einem Ort abzuholen sind. Ganz andere Voraussetzungen also im Vergleich zur Situation vor 2 Jahren, keine Skepsis, keine Angst, kein Gefühl, eine falsche Entscheidung zu treffen, einfach nur Normalität, Vertrautheit und Rationalismus. Und so waren nicht nur die Voraussetzungen diesmal andere, sondern auch die Schulanmeldung an sich fühlte sich total anders an.
Von den vier möglichen Nachmittagsterminen kamen schon zwei nicht infrage, wegen anderweitiger Verpflichtungen. Ich dachte nun, es wäre eine gute Idee, einen Termin beim Bürgeramt mit der Schulanmeldung zu verbinden, da ich die Kleine an diesem Tag sowieso zuerst von der Kita abholen musste und danach den Großen von der Schule. Sonst mache ich das ja immer anders herum. So könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und vor dem Bürgeramt noch "schnell" die Schulanmeldung der Kleinen absolvieren. Ich sollte eigentlich erfahren genug sein, um zu wissen, dass zwei Termine am Nachmittag zuviel sind.
Nun ja, es artete in Stress aus und wurde dem für die Kleine doch wichtigen Tag nicht wirklich gerecht. Und der Papa war auch nicht dabei, anders als beim Großen. Ich hatte extra früh Schluss auf der Arbeit gemacht und die Kleine früher als sonst abgeholt. Wir kamen in der Schule an und fragten den Großen, ob er mitkommen möchte oder noch weiter Fußball spielen wollte. Natürlich wollte er Letzteres. Also meldete ich ihn noch nicht im Hort ab, sondern ging mit der Kleinen zum Sekretariat. 40 Minuten sollten doch eigentlich für die Schulanmeldung ausreichen. Bis 16 Uhr geht der Hortplatz des Großen, dann muss er abgeholt sein.
Die Schulanmeldung einer Zweitgeborenen
Zuerst mussten wir 10 Minuten warten, weil noch jemand vor uns war. Dann durften wir reinkommen, mussten aber nochmal warten, weil die Sekretärin mit einem sehr penetranten Elternteil telefonierte. Dann ging sie mit uns lang und breit die Formulare durch, die wir draußen ausfüllen sollten. Also wieder hinaus. Ich füllte total in Eile die Bögen aus, die Kleine malte ihre Zuckertüte ebenso schnell aus. Ich wollte sie eigentlich dabei fotografieren, als Erinnerung, hatte aber keinen Nerv dafür. Der Uhrzeiger tickte, der Große war noch nicht abgeholt und unser Termin beim Bürgeramt saß uns im Nacken. Und wir mussten ja noch einmal hinein zur Sekretärin. Die Familie, die eigentlich vor uns war, sagte, dass sie uns vorlassen würden. Das war total nett. Trotzdem war es schon kurz vor 16 Uhr. 
Ich schickte also die Kleine allein hinunter auf den Schulhof, um der Horterzieherin des Großen Bescheid zu geben, dass wir gleich kommen würden. Sie sollte dann gleich wieder hoch kommen. Ich beobachtete sie durchs Fenster des Schulhauses, wie sie vor ihr stand und mit ihr redete. Dann musste ich hinein zur Sekretärin. Ich bat diese noch zweimal, aus dem Fenster zu schauen, aber die Kleine kam nicht wieder hoch. Zum Glück ging der Rest auch ohne sie und die Sekretärin nahm die Unterlagen entgegen. Ich hatte Angst, dass die Kleine mich suchen würde, wenn sie wieder hochkommt, und verabschiedete mich schnell. Als ich die Treppe hinunterlief, kam sie mir entgegen. Um 15:59 Uhr holten wir den Großen auf dem Schulhof ab. Puh! Dass eine Sache von 10 Minuten nun 40 Minuten in Anspruch nahm, hätte ich doch nicht für möglich gehalten.
Es tat mir total leid, dass die Kleine nicht noch einmal mit hinein zur Sekretärin kommen konnte und somit bei der Abgabe der Unterlagen nicht zugegen war. Es tat mir leid, dass alles so hektisch war und ich sie allein runter auf den Schulhof schicken musste. Es tat mir leid, dass es keine Fotos von ihrer Anmeldung geben würde. Es tat mir leid, dass nur zwei statt vier Familienmitglieder zugegen waren. Es tat mir leid, dass sie wegen ihres Schulkind-Bruders jeden Morgen so früh aufstehen musste, obwohl sie einen längeren Schlaf brauchen würde. Es tat mir leid, dass bei ihr als Zweitgeborener immer alles so nüchtern und unaufregend abläuft. Es tat mir leid, dass wir uns bei ihr nicht monatelang den Kopf über die richtige Schule zerbrochen hatten, sondern sie ganz selbstverständlich in die Schule des Großen steckten. Ach, es tat mir leid, dass ihre Schulanmeldung so "nebenbei" erledigt wurde.
Das war so symbolisch für all das, was bei Zweitgeborenen "nebenbei" abgehandelt wird oder aus logistischen oder sonstigen Notwendigkeiten erwächst. Sie müssen sich quasi dem Rhythmus, den Gegebenheiten, die durch das ältere Geschwisterkind schon da sind, anpassen. Und da man alles schon ein Mal durch hat, ist man einfach abgeklärter; der Zauber des Neuen oder die Angst vor dem Unbekannten fehlt. Das tut mir leid für die Kleine, denn sie soll natürlich auch die Erfahrung machen, dass ihre ersten Male aufregend und toll sind!
Die Schulanmeldung einer Zweitgeborenen
Wenigstens schoss ich auf dem Schulhof noch zwei Fotos, als Erinnerung an diesen Tag. Dann gingen wir kurz Eis essen und eilten weiter zum Bürgeramt, wo wir trotz Termins weitere 40 Minuten warten durften. Die Kinder waren unruhig und es war sehr stressig für mich. Als wir endlich zuhause ankamen, fühlte ich mich wie nach einem Marathonlauf. Die Schulanmeldung war schon völlig in den Hintergrund getreten. Die Kleine war natürlich trotzdem stolz. Aber ich hätte mir deutlich mehr Aufmerksamkeit für diesen großen Schritt gewünscht. Zumindest werde ich keine zweier solcher Termine hintereinander mehr anvisieren. Man braucht ja auch eine gewisse Zeit zum Runterkommen und Verarbeiten. Und die Zweitgeborenen haben es genauso verdient, dass man so ein Ereignis würdigt. Die Kleine freut sich jedenfalls schon sehr auf die Schule. Und ich hoffe einfach mal inständig, dass wir aufgrund des Geschwisterbonusses einen Platz bekommen. Trotz 150 Anmeldungen auf ca. 80 Plätze. Wahnsinn! Und krass, dass meine Kleine nächstes Jahr ein Schulkind wird!

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