DIE PERLEN DER CLEOPATRA von Oscar Straus an der Komischen Oper – Alles außer ägyptisch

DIE PERLEN DER CLEOPATRA von Oscar Straus an der Komischen Oper – Alles außer ägyptisch

Pyramiden, Kamele, Oasen. So stell' ich mir Ägypten vor, den Spielort der Operette Die Perlen der Cleopatra von Oscar Straus. Das Problem ist nur: Inszeniert hat an der Komischen Oper der Chef persönlich, daher kann man als Zuschauer vieles erwarten - nur ganz sicher keine historische Korrektheit. Damit geht Barrie Kosky tatsächlich ganz traditionell an die Darstellung von exotischen Stoffen heran, denn zu Zeiten der Uraufführung von Stücken dieser Art ging es ebenfalls in erster Linie darum, eine ferne und andersartige Welt so zu zeigen, wie wir - der Zuschauer, der in der westlichen Kultur zuhause ist - sie sich vorstellt. Der Unterschied ist allerdings, dass diese Fiktion früher mit dem fragwürdigen Aushängeschild versehen war, absolut authentisch zu sein. Diesen Anspruch hat Kosky offensichtlich nicht.

Icke bin Cleopatra

Seine Cleo-, Cleo-, Cleopatra (mir wird dieser Ohrwurm lange nicht aus dem Kopf gehen) ist nicht die elegante, langhälsige, unnahbare und geheimnisvolle Königin von Alexandria, die sich ein mancher vielleicht vorstellen mag. Stattdessen kommt da eine Berlinerin auf die Bühne, die einem nicht nur alle Erwartungen auf platte Exotik mit dem ersten "Icke" wegwischt, sondern auch noch mit einer so reizenden Rotzigkeit daherkommt, dass man vor Lachen kaum Luft holen kann. Dagmar Manzel herrscht hier über das dargestellte Königreich und über die Bühne. Ihre Cleopatra ist nicht nur die emanzipierte männerfressende Frau, sondern auch wahnsinnig unberechenbar. Mit Betonung auf wahnsinnig. Denn als Sidekick hat sie Ingeborg, eine kleine süße weiße Katze, die nicht viel mehr als eine Handpuppe ist, die sich die Königin vermutlich aus einer ihrer abgelegten Satinsocken gebastelt hat. Wie es sich gehört, gibt Inge in den unpassendsten Momenten ihren Senf dazu und offenbart damit die irre schizophrene Spielfreude einer exzentrischen Königin.

Die Kerle von Cleopatra

Und spielen tut dieses Mordsweib allemal sehr gerne. Mit Betonung auf Mord. Sie hat zwar alles, kann aber von Männern nicht genug bekommen ("Mir fehlt nichts, als ein kleiner ägyptischer Flirt") und droht den abgelegten Liebhabern gerne mal damit, sie den Nilkrokodilen zum Fraß vorzuwerfen. (Wenn doch nur alle Beziehungsprobleme auf so bestechend simple Art zu lösen wären!) Wenn aber der nächste passende Kandidat kommt, wird dieser zunächst mit Charme, Gesang und einer in Rotwein aufgelösten Perle zum Gehorsam verführt. Zum Opfer dieser Taktik werden hier der römische Soldat Victorian Silvius ("Du bist stark und wohl gebaut"), der persische Prinz Beladonis ("Meine kleine Liebesflöte") und zum Schluss auch Marcus Antonius höchstpersönlich ("Ach Anton steck' den Degen ein"). Zweideutigkeitsalarm! Und dabei sind dies nur die originalen Gesangsnummern von Oscar Straus. Was dann noch flott dazwischen geplaudert wird, steht diesen feschen Texten in kluger Anzüglichkeit in nichts nach.

Es glitzert. Es ist sinnlos. Ich will es!

Um mindestens ein klein wenig Lokalkolorit zu vermitteln, hat sich Kostümbildnerin Victoria Behr ganz schön ins Zeug gelegt. Ins Glitzerzeug vorzugsweise. Denn diese Ägypter und Römer sind sowas von stilsicher überzeichnet, dass man bei dem Tempo der Darsteller, dem bunten Gefunkel und dem rosa Konfetti, mit dem man beworfen wird, manchmal die Augen zukneifen muss, um keinen epileptischen Anfall zu erleiden.

In Kombination mit dem wiederum stilvoll schlichten Bühnenbild von Rufus Didwiszus in schwarz-weiß ist dieser Abend aber genau das, was ich persönlich mir von einer Operette à la Barrie Kosky vorgestellt habe: Eine rasante, zeitgemäße Revue. Zu dieser Rasanz trägt allen voran der operettenerfahrene musikalische Leiter Adam Benzwi bei. Mit seinem humorvollen und schlanken Arrangement führt und begleitet er die Darsteller mit einer Selbstverständlichkeit, hinter der viel viel Arbeit und ein sensibles Gespür steckt. Da stimmt jeder Anschluss, jeder Tempowechsel, jeder Glockenschlag, der die wiederholte eitle Geste des schönen Silvius begleitet. Und wer das musikalische Ägypten bei der ganzen revuehaften Operettenseligkeit doch vermisst, darf sich über Zitate aus dem wohl bekanntesten Musiktheaterwerk über das alte Ägypten freuen: Verdis Aida. Mit Drumset arrangiert, versteht sich.

Revue to go

Das alles, gewürzt mit einem sensationellen Tanzensemble, das von Otto Pichler wunderbar karikiert, humorvoll und kurzweilig choreographiert wurde, kann nur eins bedeuten: Wer Operette in aktuell und grandios erleben möchte, sollte sich Die Perlen der Cleopatra an der Komischen Oper Berlin nicht entgehen lassen. Wer dafür keine Karten mehr bekommt, darf sich nicht grämen, sondern muss lediglich online gehen. Dort kann man sich auf www.theoperaplatform.eu die gesamte Inszenierung kostenlos noch bis zum 2. Juni 2017 anschauen.

Die Perlen der Cleopatra. Operette in zwei Akten von Oscar Straus (UA 1923 Wien)

Komische Oper Berlin
Musikalische Leitung: Adam Benzwi
Regie: Barrie Kosky
Choreographie: Otto Pichler
Bühnenbild: Rufus Didwiszus
Kostüme: Victoria Behr
Dramaturgie: Simon Berger

Besuchte Vorstellung: 3. Dezember 2016 (Premiere)


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