Die ÖBB saniert sich

Wenn man in Österreich mit der Bahn unterwegs sein will, ist vorausschauendes Verhalten schon beim Fahrkartenerwerb angesagt. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Sie beschließen, ihren ehemaligen Banknachbarn aus der fünften Klasse in Wien zu besuchen. Weil die Reise von, sagen wir, Salzburg für Sie eine Ihrer längsten Ihres bisherigen Lebens sein wird, planen Sie einen Aufenthalt nicht unter zehn Tagen. Vielleicht sogar mehr, je nach dem, wie lange es Ihr Schulspezi mit Ihnen aushält. Möglicherweise aber auch weniger, denn vielleicht ist er ja noch immer diese gnadenlose Nervensäge?

Sie kaufen also eine Fahrkarte bei der ÖBB. Hin und wieder zurück, denn das ist einfach praktischer, denken Sie. Was man hat, hat man. Sie wissen, dass Sie die Rückreise innerhalb von vier Wochen antreten müssen, wann, ist egal. Tja, falsch gewusst! Zumindest ist Ihr Wissen veraltet. Gesagt hat Ihnen und allen anderen ÖBB-Nutzern das allerdings niemand. Seit dem Winterfahrplan gilt nämlich, dass Sie Ihr Rückfahrdatum auf zwei Tage genau eingrenzen müssen, das sei zumutbar, glaubt die ÖBB. Für Sie weniger, denn wie ist Ihr Kumpel nach zwanzig Jahren wohl drauf? Planen Sie zehn Tage und ertragen den Kotzbrocken schon nach fünf Tagen nicht mehr, haben Sie ein Problem: Sie müssen ein neues Ticket kaufen. Das bereits bezahlte wird übrigens nicht erstattet. Das hält die Bahn für eine legitime Sanierungs Erziehungsmethode und verweist ihre Kunden darauf, dass man ja schließlich Fahrkartenautomaten aufstelle, die genutzt werden wollen. Aha. Das, was jetzt kommt, kennen wir Deutschen auch…

Am Automaten stehen entweder lange Schlangen, die sich erst nach Abfahrt Ihres Zuges auflösen. Oder alle Geräte sind defekt, was Ihnen der Kontrolleur auf der Fahrt natürlich nicht glaubt und Sie erst lautstark als Schwarzfahrer bloß stellt und dann zu einer saftigen Zahlung verknackt, was einen Rattenschwanz an Ein- und Widersprüchen bei der ÖBB (oder auch DB) nach sich zieht, um Ihre Kosten zu verringern. Die Mühen bleiben ungesühnt. Wie auch immer, Sie haben Ärger. Ach, Sie glauben, Fahrkarten gäb´s schließlich bequem am Schalter? Träumen Sie weiter! Schalter gibt´s schon lange nicht mehr. Und wenn, dann kostet das Ticket einen saftigen „Serviceaufschlag“.

Und nun? Müssen Sie sich wohl festlegen. Oder sich mit dem alten Abschreiber gut stellen. Schließlich haben Sie eine gemeinsame Vergangenheit: die eine oder andere 6 wegen Spickens…