Die Nibelungentreue des BDB

Ich frage mich, ob Klaus-Peter Kohl irgendwo auf dem Sonnedeck seiner Jacht sitzt und denkt: „Die braven …“ und Thomas Pütz im Chefsessel des Büros seiner Sicherheitsfirma: „War doch ein netter Versuch. So gehe ich in die Geschichte ein als der letzte Präsident“ und Dietmar Poszwa zufrieden: „Wir sind gut aufgestellt“ und Dr. Bodo Eckmann in seinem Bürostuhl: „Mit mir ging es erst richtig los“ und Stefan Braune: „Waren das geile Abstimmungen bei den Vollversammlungen.“
Der Grund für meine sehr bösen Phantasien sind die letzten Meldungen der dpa über den Bund Deutscher Berufsboxer:

„Vor dem Amtsgericht Norderstedt ist die am 10. Juni abgehaltene Wahl von Thomas Pütz (Kaltenkirchen) zum Präsidenten des „Bund Deutscher Berufsboxer“ und Michael Facklam zum BDB-Vizepräsidenten für ungültig erklärt worden.
Damit entsprach der Amtsrichter Burghard Schwarz den anklagenden BDB Mitgliedern Ebby Thust (Frankfurt), Enno Werle (Kaiserslautern) und Hagen Sevecke (Hattersheim). Die Kläger sehen nach dpa Informationen bei beiden Funktionären nicht satzungskonforme Vermengungen von ehrenamtlichen Tätigkeiten mit ihren beruflichen Existenzen.
Pütz ist Inhaber von Pütz Security. Das Bewachungs- und Sicherheitsunternehmen steht als Ordnungsdienst für die Events von Universum-Boxpromotion des Promoters Klaus-Peter Kohl mit diesem ebenso in enger geschäftlicher Beziehung wie Facklam, der Steuerberater von Kohl ist.
BDB-Präsident Pütz zu dpa: „Der BDB sanktioniert leider nur noch ganz wenige Boxveranstaltungen in Deutschland. Damit dürfte sich die Verbandstätigkeit und somit die von mir geleistete Vorstandsarbeit bald von selbst erledigen.“ Über das Überleben des Verbandes soll eine Generalversammlung in diesem Jahr entscheiden. Bis dahin steht der BDB ohne rechtsgültige Führung da.
Pütz war im Juni 2010 im zweiten Anlauf gewählt worden, nachdem die Erstauflage zwei Monate zuvor wegen Verstößen gegen die Satzung annulliert worden war. Schon da wurden Zweifel an der Rechtmäßigkeit wegen der Verquickung von Amt und Geschäft laut. Ein Mitglied kündigte an, die Wahl erneut anfechten zu wollen. Der BDB hat nur noch ca. 400 Mitglieder.“

Erinnern wir uns noch mal daran, wie Universum Box-Promotion seinen Kandidaten Thomas Pütz ohne Rücksicht auf Satzung und Wahlordnung, aber mit der geballten Macht der ihnen übertragenen, man könnte auch sagen gekauften, Stimmen durchsetzte. Nunmehr ist wohl endgültig juristisch geklärt, dass Pütz Security und das Steuerberaterbüro von Facklam in geschäftlichen Beziehungen zu Universum Box-Promotion steht. Die sehr lahme Argumentation von Pütz, diese Geschäftsbeziehungen seien ja so unwichtig – die ich im Übrigen auch zu keinem Zeitpunkt glaubhaft fand -, war vor Gericht nicht erfolgreich.
In einem letzten Kraftakt hat Klaus-Peter Kohl seinen Kandidaten Pütz, der sich im Profiboxen dadurch besonders hervorgetan hat, dass er Boxer zum Ring begleitete, durchgesetzt. Er hat dadurch nicht nur die Wahl von Jean-Marcel Nartz verhindert, der einer der Boxkenner Deutschlands ist, sondern er hat damit wohl auch noch dem BDB den Todesstoss versetzt.
Geradezu empörend finde ich aber, mit welchem Gleichmut der Nicht- oder Immer-Noch-Präsident Pütz das vermutliche Dahinscheiden des BDB kommentiert. Er sagt nicht etwa, dass er das Gespräch und den Rat von Nartz suchen will. Er sagt auch nicht, dass er auf Sauerland Event und Arena Box-Promotion zugehen will, die mit österreichischer bzw. mit lettischer Lizenz veranstalten. Und er sagt nicht, wir erarbeiten ein neues Konzept, das es kleineren Veranstaltern ermöglichen soll mit uns zu arbeiten. Nein, das sagt er alles nicht. Das Einzige, was er dazu zu sagen hat, ist: „Der BDB sanktioniert leider nur noch ganz wenige Boxveranstaltungen in Deutschland. Damit dürfte sich die Verbandstätigkeit und somit die von mir geleistete Vorstandsarbeit bald von selbst erledigen.“ Das soll wohl übersetzt heißen: Der BDB bleibt ausschließlich das, was er die letzten Jahre war – ein Vollstreckungsorgan von Klaus-Peter Kohl und Universum Box-Promotion. Wenn Universum untergeht, dann soll auch der BDB untergehen.
Das nenne ich Nibelungentreue – Treue bis in den Untergang: Der Treue zu einer Person und einem Veranstalter soll nun die Arbeit von vielen Funktionären, Punkt- und Ringrichtern und nicht zuletzt von Tausenden von Boxern geopfert werden, die sich in mehr als sechs Jahrzehnten bemüht haben.
Ich kann gar nicht so viel trinken wie ich … möchte.
© Uwe Betker



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