Die Liste der 5 häufigsten Fehler an Photovoltaik-Anlagen

Von Energystar @energynet

Partner-Beitrag der Envaris GmbH, Service-Dienstleisters für Photovoltaik-Anlagen

Nach dem Beitrag über die fünf häufigsten Fehler an Photovoltaik-Modulen im Januar, kommen wir jetzt zu den kompletten Anlagen. Auch hier hat die Envaris GmbH eine Liste aufgestellt mit den fünf häufigsten Fehlern. Das sind alles Fehler, die bei der Montage der Photovoltaik-Anlage auftreten und teilweise auch vom Auftraggeber bei der Abnahme geprüft werden können.

In den unten stehenden Punkten sind die von ENVARIS erfassten 5 häufigsten Probleme an Photovoltaikanlagen aufgelistet:

1.)   Keine oder unvollständige Anlagendokumentation

DIN-Vorschrift, Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:DIN-Logo.svg

Viele Photovoltaikanlagen, besonders kleinere Anlagen, werden anhand der Dachfläche, der verfügbaren Module und der Wechselrichtervorgaben ausgelegt und grob geplant. Anschließend wird die Anlage auf das Dach geschraubt und angeschlossen. Nach der erfolgreichen Inbetriebnahmemessung wird sie durch den Elektriker in Betrieb genommen. Wenn diese Messung keine Fehler aufweist und die Anlage läuft, wird sie in der Regel von dem Betreiber abgenommen und vollständig bezahlt.

Leider achten die wenigsten darauf, dass zu einer mangelfreien Photovoltaikanlage auch eine vollständige Anlagendokumentation gehört. In der DIN 62446 ist neben der Inbetriebnahmemessung ausführlich geregelt, welche Informationen zu einer Anlagendokumentation gehören.

Darin müssen enthalten sein:

  • String- und Schaltpläne
  • Seriennummern der verbauten Anlagenteile
  • Datenblätter und Garantiezertifikate der Komponenten
  • Adressen der Anlagenplaner und auszuführenden Unternehmen
  • Messprotokolle

Auch wenn die Zusammenstellung dieser Unterlagen zunächst nach unnötigem Aufwand aussieht, werden sich diese Dokumente spätestens im Fehlerfall als äußerst nützlich erweisen. Doch nicht nur im Schadensfall sind sie wichtig. Auch bei der späteren Wartung und Inspektion der Anlage werden sie gebraucht. Fehlen diese Dokumente, müssen sie erst mühsam  zusammengestellt werden. Besonders schwierig wird es, wenn die ausgewählte Produkte nach ein paar Jahren nicht mehr am Markt sind. Dann ist es schwierig und sogar teilweise unmöglich die benötigten Informationen zu erhalten.

Eine fehlende oder unvollständige Anlagendokumentation ist demzufolge ein Mangel.

2.)   Fehler bei der Leitungsführung

Fehlerhafte Leitungsführung; Quelle: ENVARIS-Servicepartner DEKRA Automobil

DC-Leitungen, die ohne Schutz quer über das Dach verlegt wurden; Leitungen, die durch die Regenrinne führen; dicke Leitungsbündel, die im engen Radius um das scharfe Ende eine Blechdachs führen – diese Bilder sind bei Bestandsanlagen leider keine Seltenheit. Obwohl selbst der Laie hier leicht erahnen kann, dass es sich nicht um eine fachgerechte Leitungsführung handelt.

  • Dicke Leitungsbündel reduzieren die Stromtragfähigkeit der Leitungen, das muss in der Planung beachtet werden.
  • Plus – und Minusleitungen sollten in getrennten Kanälen geführt werden.
  • Besonders bei landwirtschaftlichen Anlagen sollten offene Kanäle verwendet werden, um Nagern keinen Unterschlupf gewähren zu können.
  • Auch UV – beständige Photovoltaik – Leitungen  sollten vor direkter Einstrahlung geschützt verlegt werden.
  • Bei dem Überbauen oder Durchqueren von Brandschutzwänden sind besondere Anforderungen an die Abdichtung und verwendete Materialien zu beachten.
  • Bei langen vertikalen Kabelführungen müssen die Leitungen in regelmäßigen Abständen befestigt werden, da das Eigengewicht der Leitungen zu starken Belastungen und Schäden führen kann.

3.)   Nichtbeachtung der Herstellervorgaben bei der Befestigung der Unterkonstruktion und der Module

Nichtbeachtung der Herstellervorgaben bei der Befestigung der Unterkonstruktion; Quelle: ENVARIS-Servicepartner DEKRA Automobil GmbH

Die Unterkonstruktionen für Photovoltaikanlagen sind in der Regel vom Hersteller statisch geprüft worden. Diese Statik kann jedoch nur zutreffen, wenn alle angenommenen Voraussetzungen auch eingehalten werden. Dazu zählen die Umgebungsbedingungen wie mögliche Wind- und Schneelasten, aber auch die Statik des Gebäudes und die Einhaltung der Herstellervorgaben zur Befestigung der Unterkonstruktion. Die Anzahl der Dachhaken sowie vorgegebene Randabstände müssen dabei unbedingt eingehalten werden.

Die Beachtung der Herstellervorgaben ist nicht nur für die Unterkonstruktion, sondern auch bei der Befestigung der Module auf der Unterkonstruktion zwingen erforderlich. In der Regel werden hier bestimmte Klemmbereiche vorgegeben bzw. gelten unterschiedliche Belastbarkeiten bei unterschiedlichen Befestigungspunkten. Die Nichtbeachtung der Herstellervorgaben kann zum Garantieverlust führen.

4.)   Ungeeigneter Standort für Wechselrichter (z.B. Montage in feuergefährdeten Bereichen)

Ungeeigneter Standort für Wechselrichter; Quelle: ENVARIS-Servicepartner Harden Schaden-support GmbH

Wechselrichter sollten immer zugänglich und vor starken Witterungseinflüssen geschützt montiert werden. Bei geeigneter IP – Schutzklasse können die Wechselrichter auch draußen montiert werden, sollten jedoch durch ein Vordach oder Ähnliches vor direkter Sonneneinstrahlung und starkem Regen geschützt sein.

Insbesondere bei landwirtschaftlichen Anlagen sollte man darauf achten, dass die Geräte für Tiere unzugänglich installiert werden. Zudem sollten die erforderlichen Schutzklassen für den jeweiligen Montageort (Feuchtraum, feuergefährdete Betriebsstätte etc.) eingehalten werden. Das gilt auch für alle anderen elektrischen Komponenten (Verteilerkästen etc.) in diesem Bereich.

Auch wenn die notwendige Schutzklasse eingehalten wird, sollte die Installation in staubigen und sehr schmutzigen Umgebungen trotzdem vermieden werden. Schmutzablagerungen auf den Geräten können zu schlechterer Wärmeabfuhr führen. Bei aktiv gekühlten Geräten können Lüfter und Lüftungsgitter so stark verschmutzen, dass diese nicht mehr funktionieren. Die daraus resultierende Überhitzung der Geräte führt zu einer Abregelung der Leistung und verkürzt deren Lebensdauer. Das Gleiche tritt ein, wenn Wechselrichter zwar an sauberen, aber gleichzeitig sehr warmen Orten (Spitzböden etc.) montiert werden.

In größeren Hallen kann man oft beobachten, dass die Wechselrichter direkt unter dem Dach bzw. sogar an den Sparren montiert wurden. Jedoch ist diese Art der Montage denkbar ungeeignet, da die Geräte für die Wartung, die Reinigung, die Reparatur sowie das Abschalten nur mit hohem Aufwand zu erreichen sind.

5.)   Nichtbeachtung des installierten Blitzschutzes

Blitzschutz, die 2. Klemme wurde von einem Sachverständigen gesetzt. Die Anlage war nicht elektrisch verbunden, Quelle: ENVARIS-Servicepartner Harden Schaden-support GmbH

Die Installation einer Photovoltaikanlage erhöht nicht die Gefahr eines Blitzeinschlages für das Gebäude. Wenn jedoch bereits ein äußerer Blitzschutz auf einem Gebäude installiert ist, muss die Anlage in das bestehende Blitzschutzkonzept eingebunden werden. Theoretisch ist auch die Einhaltung von Mindestabständen zu der Blitzschutzanlage möglich.

Häufig ist in der Praxis die Einbindung in eine Blitzschutzanlage einfacher. Hier  müssen die Mindestabstände zwischen Photovoltaik– und Blitzschutzanlage mit allen Komponenten, also auch den Leitungen, eingehalten werden.

In beiden Fällen muss ein innerer Blitzschutz in Form von Überspannungsschutzgeräten installiert werden. Dabei ist die Trennung zwischen geschützten und ungeschützten Leitungen zu beachten. Die Einbeziehung einer Blitzschutzfachkraft ist in jedem Fall zu empfehlen.

Ein häufiger und leicht erkennbarer Fehler ist die Überbauung des Blitzschutzes durch die Photovoltaikanlage. Dabei wird die Anlage überhaupt nicht in den Blitzschutz eingebunden. Falls jedoch durch die Errichtung der Photovoltaikanlage die Wirksamkeit der Blitzschutzanlage beeinträchtigt wird, können im Schadensfall Regressforderungen auf den Errichter zukommen.

Weitere Informationen zum Thema Service rund um die Photovoltaikanlage finden Sie auch unter: www.envaris.de