Die Königinanwärterin – Taffe Mädels

Erstellt am 18. Juli 2013 von Königinnenwelten

Achtung, Spoiler!

Ich habe lange darüber nachgedacht. Soll ich oder soll ich nicht…? Schreibe ich hier nur über die allertollsten Frauenfiguren oder auch über die anderen…? Und wo fängt man da an und wo hört man auf…? Hm. Es geht um “Taffe Mädels”(The Heat), der gerade im Kino läuft. Ein Buddymovie für Frauen. Und Männer. Eine Komödie mit Frauen UND derbem Humor. Wow. Wie “Brautalarm” – ist ja auch ein Film vom selben Regisseur Paul Feig. Wow. Und was für ein spitzen Titel (auch im Original).

Ihr seht schon, sooooo begeistert bin ich nicht – aber bei allen Schwächen, die “Taffe Mädels” hat, die Besetzung ist richtig gut und vor allem möchte ich hier eine Lanze für Melissa McCarthy brechen, die meines Erachtens zu Unrecht so häufig als “die derbe Dicke” besetzt wird. Und hier seht Ihr schon mein nächstes Problem: Kann ich eine Schauspielerin zur Königin machen, aber ihre Rolle in dem Film nur so lala finden…?

Ach was, ich kann. Die Story von “Taffe Mädels” ist kurz zusammengefasst: Eine verklemmte Streber-FBI-Agentin (gespielt von Sandra Bullock) muss wider Willen mit einer derben und dicken Polizistin (McCarthy) zusammenarbeiten und gemeinsam müssen sie einen schrecklichen (und noch nie gesehen) Drogenboss schnappen, der seine Konkurrenten auf äußerst brutale Weise zu Tode foltern lässt. Der geneigte Filmzuschauer weiß an dieser Stelle schon, dass der ominöse Drogenboss wohl ein Vertrauter der beiden Frauen sein muss… Mehr verrate ich auch nicht über die Handlung, die leider sehr vorausschaubar abschnurrt, keine Variationen, keine Überraschungen und keine außergewöhnlichen Figuren bereithält – wenn man mal von der Unverfrorenheit von Mullins (Melissa McCarthy) absieht. Aber die Gags sind durchaus ganz nett und die Freundschaftsszene zwischen den beiden Frauen hat mich Tränen lachen lassen, so niedlich fand ich sie. Trotzdem: In allem leider zu einfallslos.

Aber Melissa McCarthy! Ich will an dieser Stelle nicht auf ihre anderen Rollen (beispielsweise in “Identity Thief”, “Mike and Molly”, “Samantha Who?”, “Gilmore Girls” oder eben “Bridesmaids”) eingehen – es sei nur gesagt, dass sie häufig Figuren spielt, die Mullins in “Taffe Mädels” sehr ähnlich sind. Und das heißt: dick, derb, unverschämt. Und es macht großen Spaß, sie als Shannon Mullins zu sehen: Ihre Leibesfülle wird zur Lebenseinstellung – ganz ohne jegliche Angst, sexuell nicht attraktiv zu sein. Im Gegenteil hat sie diverse Ex-Liebhaber, die förmlich um eine Fortsetzung der vergangenen Liebschaft betteln, doch Mullins hat keine Lust auf emotionale Verstrickungen. Leider wird sofort mit dem Holzpfahl gewunken und klar gemacht, dass ihre Abgebrühtheit nur Angst vor Bindung ist. Sie wurde von ihrer prolligen Familie verstoßen und lebt fortan verwahrlost in einem Sozialbau. Ihre einzige Leidenschaft sind große Waffen, vor allem ihr Granatwerfer. Nachdem das Waffenarsenal schnell verfeuert ist, gibt es eine Leere in Mullins Leben, die nur durch eine Freundschaft mit ihrer arroganten Kollegin Ashburn (Bullock) aufgefüllt werden kann. Am Ende wollen wir doch alle nur liebgehabt werden.

Und das ist schade. Mullins bekommt am Ende einen Verdienstorden, ihre Familie nimmt sie wieder auf und Ashburn nimmt die angebotene Schwesternschaft an. Alle haben Mullins lieb. Warum muss eine Figur, die so schön lebensfroh und sperrig eingeführt wird, am Ende nur lieb gehabt werden wollen? Mullins macht ihren Chef zur Mücke, sie jagt psychopatischen Mördern eine Heidenangst ein und kleine Missetäter rennen schreiend vor ihr und ihren unkonventionellen Methoden davon. Aber das darf die Figur nicht mit ins Happy End nehmen, stattdessen stiftet sie noch schnell eine Romanze für ihre Freundin und – wie gesagt, sie wird endlich lieb gehabt. Auf der anderen Seite ist es auch schade, dass hier “dick” mit “prollig” und “verwahrlost” gleichgesetzt wird – das erinnert an Mutter Flodder oder Berta aus “Two and a half men” und wäre für eine so unkonventionelle Figur nicht nötig gewesen. Auch dass Frau Bullock eine “dünne”, “streberhafte” und “arrogante” Frau ohne Familie spielt, die ebenfalls nur liebgehabt werden will, ist schade. Das sind echte Klischees, die ich überflüssig finde.

Vielleicht sollte man mal anregen, dass es ja auch dicke, sperrige und aggressive Frauenfiguren geben darf, die kein Bindungsproblem, aber Geld haben. Und dass dünne, verwahrloste Frauen mit prolligem Hintergrund ihre Sidekicks sein könnten… Also, ich glaube, Frau McCarthy ist eine hervorragende Schauspielerin mit großem Potential und ich hoffe, dass ich sie zukünftig in vielen überraschenden und selbstbewussten Rollen sehen kann.

Was denkt Ihr? Findet Ihr Asburn und Mullins auch zu klischeehaft? Mögt Ihr Melissa McCarthy?

Filmstill aus The Heat