Die Kichererbsen: Wer ist eigentlich Leo?


Wie imaginäre Freunde das Familienleben bereichern


Das Unheil ließ sich von weitem schon erahnen, als ich meine frisch gewischte Küche betrat. Unzählige matschige Fußabdrücke zierten meine beigefarbenden Fliesen. „Gut – wer war es?“, fragte ich die Meute erbost, als ich sie zusammentrommelte und auf der Terrasse stramm stehen ließ. Betreten sahen sie auf den Boden. „Ich nicht“, flötete die Große und war im Begriff meinen Gericht zu entfliehen. „Halt! Ich will nicht wissen, wer es nicht war, sondern, wie die Fußabdrücke auf meinen Fußboden kommen!“ Ich war wirklich sauer. Putzen gehörte neben Bügeln zu meinen unliebsamsten Aufgaben, aber wenn ich es schon tue, dann soll es bitte auch mindestens eine Stunde sauber aussehen! „Leo war’s“, meinte mein Kleinster und blickte mich mit seinen hellblauen Unschuldsaugen an. „Leo? Wer ist dass denn nun schon wieder?“ „Ja, Leo war’s“, stimmten die anderen beiden dem Jüngsten zu und nickten eifrig. „Den kenne ich nicht, aber wenn ich ihn erwische, dann kriegt er mächtig Ärger!“ Die drei kicherten und rannten zurück in den Garten. Da stand ich nun – in meiner frisch geputzten Küche mit matschigen Fußabdrücken, die LEO hinterlassen hatte.
Was war ich froh, als „Wupsi“, „Bella“ und „Hinkipinki“ endlich das Haus verlassen hatten. Die drei Freunde waren ziemlich anstrengend, aber nichts im Vergleich zu diesem frechen Kerl, den mein Jüngster angeschleppt hatte. Leo hatte es faustdick hinter den Ohren. Nachdem er meine Küche verunstaltete, baute er tags darauf einen Apfelsaftsee im Wohnzimmer und ließ kleine Lego-Männchen darin ertrinken. Kaum stand ich in der Tür, war Leo natürlich verschwunden und nur der Jüngste saß betreten neben der Pfütze. „Lass mich raten: Leo war’s?“ „Ja“, meinte der Kurze und wollte sich aus dem Staub machen. „Und wer macht das sauber?“ „Du?“ „Nein, ganz bestimmt niemals nicht. Leo ist dein Freund, dann kannst du ihm ja beim saubermachen helfen. Und vielleicht kannst du ihm beim nächsten Mal draußen spielen lassen.“ Unter lautem Protest wischte der Jüngste die Pfütze auf. Von Leo keine Spur.
Ich mag die Fantasie meiner Minimonster und auch die Tatsache, dass sie sich der größtmöglichen „künstlerischen“ Freiheit bedienen. Glücklicherweise ist das nur ‚ne Phase und diese mit spätestens sieben Jahren auch vorbei. Dann bleiben mir noch drei Jahre, um diesen Leo zu erziehen! Bevor ich es vergesse: Er ist heute zum Abendessen eingeladen. Mal sehen, wie seine Tischmanieren so sind. Ich befürchte das Schlimmste …
Bis nächsten Mittwoch
Eure Chaos-Mama Sandra-Maria  

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