Die Intentionen der Figuren zeigen

Die Intentionen der Figuren zeigen

Gerade läuft eine Leserunde zu »Tote Models nerven nur«. Dies ist eine gute Gelegenheit zu sehen, wie die Leser meine Geschichte und die Figuren erleben. Wenn ich die Kommentare der Teilnehmer zu den einzelnen Abschnitten lese und erkennen kann, dass sie die Figuren und deren Handeln genauso sehen, wie es meine Idee beim Schreiben war, dann macht mein Herz Purzelbäume. Denn beim Schreiben ist es für mich die größte Herausforderung, die tieferen Beweggründe und die Intentionen der Personen sichtbar zu machen.

Wir handeln aus unserem Gefühl


Die wenigsten Dinge, die wir tun, überlegen wir vorher ausgiebigst. Wir handeln aus unserem Gefühl heraus. Dadurch ist unser Tun individuell und geprägt von den eigenen Erfahrungen. Eine Figur in einem Roman hat ebenso Erfahrungen, die sie zu dem Menschen gemacht hat, der sie ist. Als Autorin muss ich diese Wurzeln ihres Handelns kennen und mir bei jedem Wort, das ich schreibe, bewusst machen. Doch im Gegensatz zum normalen Leben gibt es beim Schreiben eine zusätzliche Herausforderung. Die Leser meiner Geschichte müssen die Handlungen der Figuren nachvollziehen können.

Im Leben kann ich tun, was ich will


Wenn ich im Leben etwas tue, dann überlege ich nur selten, wie dies von anderen Leuten empfunden werden könnte. Erst recht mache ich mir keine Gedanken, ob sie mein Handeln nachvollziehen können. Den größten Teil des Tages mache ich einfach, was ich will. In einem Roman ist dies nicht so einfach, denn ich möchte, dass die Leserin und der Leser der Geschichte weiter folgen. Dies machen sie nur, wenn sie die Handlungen der Personen in irgendeiner Weise nachvollziehen können. Sie müssen sie nicht gut finden. Sie können sie sogar hassen. Aber sie müssen das Gefühl haben, dass dies für diese Person in diesem Moment eine passende Handlung ist.

Ich kann keine Smileys malen


Im E-Mailverkehr haben wir uns Symbole ausgedacht, um die Emotionen, die hinter den Sätzen liegen, auszudrücken. In einem Roman geht dies nicht, auch wenn ich in letzter Zeit immer wieder Versuche von Autorinnen und Autoren sehe, die Emotionen der Figuren durch Satzzeichen oder besondere Schreibweisen deutlich zu machen. Ich hasse das. Man kann die Problematik mit der eines Schauspielers vergleichen. Ein Schauspieler hat die Aufgabe, auf die Bühne zu gehen und uns den Zuschauern die Handlungen einer völlig fremden Person so zu zeigen, dass wir in diesem Moment nur diese Person sehen und ihrem Handeln folgen. Er kann keine Ausrufezeichen andeuten und es werden auch keine traurigen Smileys eingeblendet, wenn die Person traurig ist. Wir spüren die Emotionen und Beweggründe einzig und alleine aus den Handlungen und Worten.

Es gibt Hilfsmittel


Dennoch gibt es Mittel, die Intention der Figuren deutlicher zu machen. Auf der Bühne ist dies vielleicht die Maske oder die Kleidung. Im Roman können dies ebenso körperliche Aspekte sein, wie der Mörder, der ein Bein nachzieht, oder dem Gauner, dem ein Finger fehlt. Aber auch kleine Macken können die Persönlichkeit einer Figur unterstreichen. Aber wie bei einer Maske darf man es nicht übertreiben, da es sonst schnell zu einer Karikatur wird. Es muss aber keine Macke sein. Auch als normal empfundene Dinge können Ausdruck von Beweggründen sein. In »Tote Models nerven nur« hat beispielsweise die Latte macchiato im Becher, die Biene so gerne trinkt, eine besondere Bedeutung. Denn sie ist für Biene ein Sinnbild für die große weite Welt, in die sie so gerne möchte.
Eine Autorin ist Schauspielerin in vielen Rollen
Es sind viele Kleinigkeiten, die letztlich die Figur zu dem machen, was sie ist. Als Autorin muss ich in dem Moment, wenn ich eine Figur handeln lasse, in dieser Rolle sein. Ich muss auf der Bühne in meinem Kopf stehen und dem Publikum vor meinem inneren Auge die Figur glaubhaft darstellen. Wenn ich beim Schreiben in der Rolle der Figur bin, dann bekommen jede kleine Geste, jedes Zucken, jedes noch so unscheinbare Wort eine Bedeutung und ziehen den Betrachter in die Gefühlswelt der Figur. Nur so kann er wirklich miterleben, mitfiebern und mitleiden. Und das ist es, was ich mir als Erzählerin wünsche. Für einen kurzen Moment sollen die Leserinnen und Leser statt meiner in die Rolle der Figur schlüpfen und das Leben mit ihren Augen sehen. Wenn mir dies gelingt, ist mein Glück perfekt.
Wenn also bei der Leserunde Teilnehmer schreiben, dass das Ende der Geschichte vielleicht nicht ihr Wunschende ist, sie aber verstehen, warum Biene Hagen so handelt, dann weiß ich, es ist mir gelungen, Bienes Beweggründe darzustellen und ich bin glücklich.

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