Die Holzverwendung für energetische Zwecke ist an ihre Grenzen gestoßen?

Zur internationalen Leitmesse der Forst- und Holzwirtschaft LIGNA kamen in diesem Jahr 90.000 Besucher und 1.765 Aussteller aus 52 Ländern. Auf der Messe wurde auch über die Zukunft der Holznutzung diskutiert. Zu einer der bestbesuchten Forum-Veranstaltungen lud der Verband der deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) für die Initiative „HOLZ verantwortungsvoll NUTZEN“ ein. Renommierte Experten aus Politik, Forschung und Praxis diskutierten am 2. Juni unter dem Titel „Bioenergie aus Holz – wo liegen die Grenzen?“, ob Holz im Zeitalter der Erneuerbaren Energien eine noch größere Rolle spielen kann. Das Fazit der engagierten Debatte zum „Internationalen Jahr des Waldes“: Die Grenzen sind bereits erreicht, denn das Verbrennen von Holz geht schon heute zulasten von Wertschöpfung, Arbeitsplätzen, Waldökologie und Klima. Politische Kurskorrekturen und intelligente Lösungen wie die Kaskadennutzung und das Recycling wurden angemahnt.

Hannover. Welche Perspektiven hat die Holzwirtschaft in Deutschland? Was sind die Risiken der energetischen Holznutzung durch Großkraftwerke? Welche Anreize oder Sanktionen sind politisch richtig oder falsch, um das Versorgungsdilemma zu beenden? 90 Gäste verfolgten mit Spannung die Beiträge und die anschließende intensive Diskussion führender Experten. Nach drei Stunden dann das Fazit, gezogen von Prof. Arno Frühwald, Universität Hamburg: „Die Grenzen einer ökonomisch und ökologisch verträglichen Energieholznutzung sind bereits erreicht. Zusätzliche Holzpotentiale als Beitrag zur Bewältigung der Energiewende stehen nicht zur Verfügung.” Frühwald forderte die Entscheidungsträger auf, nicht nur die Schornsteine, sondern die Köpfe zu einer Ressourcenschonenden und verantwortungsvollen Nutzung von Holz rauchen zu lassen, um nicht unbedacht die Zukunft zu verheizen.

Die vom Publizisten Horst J. Schumacher moderierte Tagung gab aus ganz verschiedenen fachlichen Blickwinkeln zu bedenken, warum Holz als Problemlöser der Energiefrage im großen Stil ausscheidet. Entsprechend wurden die eingebundenen Bundestagsabgeordneten Dorothea Steiner, Umweltpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, und Georg Schirmbeck, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates und für die CDU im Haushaltsausschuss, bestärkt, sich in anstehenden Gesetzesverfahren, wie dem Abfallrecht und der Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), für die Kaskadennutzung (Mehrfachnutzung, Recycling und Aufbereitung des Holzes bevor es schlussendlich für Energiezwecke verbrannt wird) und eine regulierte Kreislaufwirtschaft von Holz einzusetzen. Dazu müssen vorhandene politische Restriktionen abgebaut werden.

Albrecht Bemmann von der TU Dresden wies darauf hin, dass mit der andauernden Steigerung der stofflichen und energetischen Nutzung von Holz in Deutschland die Versorgung von Holz verarbeitenden Unternehmen auf Grund natürlicher, naturschutzfachlicher und administrativer Beschränkungen zunehmend schwieriger werde. Eine Entlastung durch den Rohstoff-Giganten Russland sei nicht möglich, weil die Infrastruktur dort fehle. Während Importe ausschieden, stellten Kurzumtriebsplantagen (KUP) eine gewisse Perspektive dar. Allerdings dauere die Diskussion dazu schon zu lange, so dass keine nennenswerten Mengen zu erwarten sind. Die Fakten zur Flächennutzung würden derweil andernorts – in der Landwirtschaft (Maisanbau) – geschaffen.

Dr. Wendelin Weis, Fachgebiet Waldernährung und Wasserhaushalt der TU München, wies auf die zahlenmäßige Verfünffachung der Biomasse (heiz)kraftwerke zwischen 2000 und 2010 hin und auf die spürbaren Folgen für den Wald . Eine intensivere Nutzung, die auch Rinde und Kronenmaterial einschließt, führe an vielen nährstoffarmen Standorten zu Degradation und Zuwachsrückgang. Dr. Justus von Geibler vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie kam zu dem Schluss, dass die politische Förderung falsche Impulse gibt: „Es werden starke Anreize zur direkten energetischen Umsetzung gegeben, die einer kaskadischen Nutzung entgegen stehen.“ Dipl. Forstwirt (TU) Bernhard Wern stellte ein regionales Konzept zum Ausbau Quelle: www.zimmererforum.de">
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der Bioenergieerzeugung aus Holz vor. Am Beispiel des Saarlands untersuchte sein Institut für Zukunftsenergiesysteme (IZES, Saarbrücken), wie Hemmnisse für die Holzkaskadennutzung ausgeräumt werden könnten, von der mangelnden Mobilisierung und KUP-Umsetzung über den ungezügelten Brennholzverkauf bis hin zu Kommunikation und Information.

Die Podiumsdiskussion lief auf das Ergebnis zu, dass die stärkere Nutzung von Agrarrohstoffen und Holz eine Neuausrichtung der Förderpolitik dringend erforderlich mache. Michael Carus vom Nova-Institut (Hürth) konnte hierzu eine entsprechende Studie anführen. Das Podium sprach sich einhellig für mehr Ressourceneffizienz, Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Beschäftigung aus. Der steigende Holzbedarf dürfe nicht zulasten des Waldes gehen, forderten Dorothea Steiner, Bündnis 90/Die Grünen, und Johannes Enssle vom NABU. Enssle prognostizierte, dass KUP, Landschaftspflegeholz und eine moderate Waldrestholznutzung zwar dazu beitragen könnten, mehr Holz bereit zu stellen. Notwendig seien aber konsequente Wärmedämmung, effiziente Heiztechniken, mehr solarthermische Anlagen sowie Holzrecycling, um Energieholz einzusparen: „Die Energie, die wir nicht verbrauchen, ist die beste!“

Hans Freiherr von der Goltz, Leiter des Regionalforstamts Oberes Sauerland (NRW), warnte ebenfalls vor einer Plünderung und Umstrukturierung der Wälder. Er zeigte sich aber überzeugt, dass das Modell der nachhaltigen multifunktionalen Forstwirtschaft „möglichst naturnah verwirklicht“ die Fülle der Ansprüche am besten befriedigen könne, auch bezüglich des Artenschutzes. Insellösungen und Flächenstilllegungen schloss er für den deutschen Wald aus. Umwelthistoriker Prof. Joachim Radkau (Universität Bielefeld), der mit einem historischen Rückblick in die Tagung eingeführt hatte, ergänzte, dass die Artenvielfalt in den Wirtschaftswäldern schon in früheren Zeiten stets höher gewesen sei als in ungenutzten Wäldern.
Georg Schirmbeck (CDU) unterstützte als MdB und als Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates den Gedanken der Kaskadennutzung. Er forderte vom Forst- und Holz-Clusters mehr Entschlossenheit, sich politisch Gehör zu verschaffen. MdB Dorothea Steiner leitete aus den fachlichen Darstellungen des Tages die Notwendigkeit ab, den NaWaRo-Bonus und die Holzenergie-Förderung, die „anfangs eine richtige Idee“ gewesen sei, zu korrigieren: „Effizienz und stoffliche Nutzung stehen immer am Anfang, energetische am Ende.“ Dem fügte Hubertus Flötotto, Vorstandsvorsitzender des VHI und Vizepräsident des Deutschen Holzwirtschaftsrates, hinzu: „Bei der Ressourcen-Einschätzung sind wir uns alle einig. Holz liefert bereits 2 % des Strom- und 6 % des Wärmebedarfs, was sich nicht mehr nennenswert steigern lässt. Jetzt heißt es, die Lehren umzusetzen und das EEG und das Kreislaufwirtschaftsgesetz entsprechend anzupassen.“


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