Die Helden der Anderen

Werner Bredebusch war unbelehrbar. Statt wie sein späterer Wiedergänger Gerd Wiesler, den der große Ulrich Mühe spielte, ehe er starb, knieweich zu werden und den universalen sozialistischen Werten von Gleichheit, Freiheit aller nicht Andersdenkenden und Brüderlichkeit abzuschwören, hielt Bredebusch unter dem Decknamen "Achim Detjen" im Namen von Frieden und Völkerverständigung Augen und Ohren offen. Nicht er selbst natürlich, sondern Armin Mueller-Stahl, seinerzeit ein hellwacher Verteidiger des Fortschritts gegen seine zahllosen Feinde im Reich des Imperialismus.
"Das unsichtbare Visier" fegte in der notorisch wenig abenteuerlichen DDR die Straßen leer. Bredebusch, im Fernsehen punktgenau gestartet, als Friedenskundschafter Günter Guillaume in der echten Welt daran ging, SPD-Kanzler Willy Brandt zu stürzen, schleicht sich als vermeintlich gefallener Jagdflieger ins Leben der Anderen in der BRD ein und versucht dort mit ganzem Einsatz, das fürchterliche Treiben von alten SS-Seilschaften und neuen Kapitalistenschweinen und Kriegsgewinnlern zu unterbinden.
Beinahe so engagiert, wie heute der sachsen-anhaltinische Innenminister, der Chef des BKA oder fördermittelgetriebene Berufswarner vor einem unmittelbar vor der Errichtung stehenden 4. oder 5. Reich kommt Müller-Stahl, anfangs ein williger Ost-Bond, laufend faschistischen Organisationen auf die Spur. Er enthüllt, wie sie deutschen Naziverbrechern Unterschlupf gewähren, er deckt Atomkriegspläne auf und verhindert durch sein beherztes Eingreifen unter Lebensgefahr den Ausbruch diverser Konflikte, die Millionen Menschenleben gekostet hätten.
Ein Jack Bauer in gefühltem Schwarzweiß, der keine Maschinengewehre braucht, um die Schlachten des Kalten Krieges für sich und die Seinen zu entscheiden. Ein Held, wenn auch aus heutiger, demokratischer Sicht ein Held der Anderen. Bredebusch spitzelt und verrät, aber im Unterschied zu allen Stasi-Filmen, die später gedreht wurden, ist er ein grundsympathischer Kämpfer für das Gute, dessen Heimat die in den 16 Episoden weitgehend unsichtbar bleibt. "Das Böse ist ein System aus Faschisten, Rüstungsfanatikern und CIA-Spitzeln", schreiben Filmkritiker ihm heute hinterher, wo der Kapitalist, der am Ende siegreich geblieben ist, die große DVD-Box mit allen Abenteuern des Weltfriedenskundschafters anbietet. Es handele sich hier, "trotz Anti-West-Ideologie", heißt es, um "eine brillante Spionageserie mitten im Kalten Krieg".


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