Die Gedanken eines Läufers zu Covid-19

Von Walter Kraus

Wer hätte das vor wenigen Tagen noch gedacht, dass in diesem Frühjahr niemand mehr an einem Wettkampf teilnehmen kann, an keinem und das beinahe auf der gesamten Welt. Teilweise ist es gar nicht mehr möglich, überhaupt noch zu laufen. Ein Virus kam plötzlich und unerwartet und hinterlässt dermaßen große Spuren, dass unser ganzes Leben nicht mehr so sein kann, wie es vor kurzem noch war. Wie gehen wir Läufer mit dieser Krise um und wie kommen wir danach wieder ins Laufen?
Ich brauche an dieser Stelle wohl nicht noch einmal die allgemeinen Verhaltensregeln zur Vermeidung einer Ansteckung mit dem Coronavirus erwähnen. Social Distance ist in aller Munde und soll auch praktiziert werden. Wird es größtenteils auch, wie ich es in meinem Umfeld beobachten kann. Nur wenn wir uns alle gemeinsam bemühen, die Verbreitung einzudämmen, wird die Normalität in unserem Alltag früher zurückkehren. Es wird so oder so schon sehr lange dauern, bis die größte Gefahr vorüber ist, sehen wir zu, dass wir diese Zeit nicht noch weiter unnötig verlängern. Vermeide Kontakt mit andern und wasch dir die Hände!

Bewegung allgemein

Social Distance bedeutet aber nicht, dass wir in eine Starre verfallen und uns einsperren müssen. Bewegung ist in dieser Lage oft der einzige mögliche Weg, den aufgestauten Frust und Stress etwas abbauen zu können. Im normalen Alltag ist es uns nicht ganz so bewusst, welche Bedeutung die Bewegung hat, weil man sie ja ständig hat. Sobald dieses Ventil geschlossen ist, läuft es zusätzlich zur angespannten Situation nicht mehr rund, man ist gereizt und macht sich vielleicht noch mehr Sorgen.
Ich würde jedem in dieser Situation zu Bewegung raten. Bewegung ist gut für die Psyche und hilft gegen den Lagerkoller. Sei es zu Hause mit ein paar Indoor-Workouts (manche Privilegierte haben auch ein Laufband oder Ergometer zu Hause) oder auch bei einem Spaziergang. Es ist aber ein schmaler Grat, auf dem wir uns bewegen, wenn wir das Haus verlassen. Einerseits sollst du Kontakte vermeiden und zu Hause bleiben, andererseits spricht nichts dagegen, allein im Wald spazieren oder laufen zu gehen. Allein! Doch der Weg dorthin (ich hoffe natürlich, dass niemand auf die Idee kommt, mit den öffentlichen Verkehrsmittel in den Park zu fahren) birgt bereits Gefahren: Türklinken oder andere Flächen, die du auf dem Weg dorthin anfassen musst oder Leute, die dir entgegenkommen können, und so die Verbreitung der Viren begünstigen. Deshalb ist es so extrem wichtig, dass du dir vor dem Verlassen und beim Zurückkehren die Hände gründlich wäscht und desinfizierst. Damit du, solltest du bereits angesteckt sein, das Virus nicht verbreitest und andererseits natürlich, damit du dich selbst nicht ansteckst.
Wenn du tatsächlich im Freien laufen solltest, dann halte Abstand zu anderen Läufern. Viel Abstand! Ich hoffe, du hast einen Wald in deiner unmittelbaren Umgebung, in dem du für dich allein bist. In der Stadt ist es meist schwerer. Momentan sehe ich noch immer relativ viele LäuferInnen auf der Prater Hauptallee, was prinzipiell nicht negativ ist, aber ein gemeinsames Laufen in der Gruppe ist ein absolutes No-Go! Außerdem sind dort auch noch viele Radfahrer, was einerseits den Raum einschränkt, aber auch durch die unterschiedliche Geschwindigkeit ein ständiges Abstandhalten erschwert. Denn Abstand halten heißt wirklich Abstand halten! 

Bewegung in Zeiten von Corona
muss anders aussehen

Da reichen nicht mehr die empfohlenen zwei Meter aus, sondern 10 Meter oder mehr! Nehmen wir an, du läufst fünf Meter hinter jemanden, der das Covid-19, ohne es zu wissen, bereits in sich trägt. Durch die Anstrengung atmet er natürlich sehr stark, vielleicht keucht er regelrecht und treibt so eine Virenwolke vor sich her. Sollte er auch noch niesen müssen, dann ist die Wolke umso größer. Die Tröpfchen fallen zwar in kurzer Zeit zu Boden, doch wenn du zu dicht hinter ihm bist, läufst du direkt in diese Wolke hinein. Mach um jeden Läufer einen großen Bogen, wenn du schon im Freien läufst. Du wirst auch im Prater Wege finden, die nicht so überlaufen sind wie die Hauptallee! Das Foto von letztem Mittwoch zeigt, dass es einfach zu viele auf einem Fleck sind, auch wenn der vorgeschriebene Abstand prinzipiell eingehalten wird. Die Wege neben der Allee waren deutlich weniger frequentiert.
Und wenn die Ansteckungsgefahr beim Laufen allein im Wald sehr niedrig ist, bitte pass auf, dass dir im Wald nichts passiert. Stell dir nur vor, du stürzt und muss ins Krankenhaus…

Wie sieht es mit dem Training aus?

Wir alle sind momentan sehr frustriert, da wir monatelang hart trainiert haben und uns auf einen großen Abschlusswettkampf gefreut hätten. Viele liefen zu ihrer Bestform auf und warteten nur, es offiziell zu beweisen. Nun sind uns alle Möglichkeiten verwehrt, an einem Wettkampf teilzunehmen. Die ganze harte Arbeit war also um sonst? Nicht unbedingt. Die gelaufenen Kilometer sind und bleiben in den Beinen. Diese Bestform kannst du zwar nicht auf Dauer halten, doch für den nächsten Anlauf startest du von einem höheren Niveau. Vorausgesetzt, du resignierst jetzt nicht und bleibst im Laufen.
Nütze die Zeit, um die Form zu erhalten, und vielleicht findest du auch einen Weg, die Saison doch noch gebührend abzuschließen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass vor Herbst noch eine größere Laufveranstaltung durchgeführt werden darf, aber man kann doch selbst einen eigenen Saisonabschluss veranstalten. Eine sehr motivierende Idee hatte zum Beispiel das Laufmagazin Runner‘s World Deutschland mit dem Coronathlon. Runners Word stellt für alle eine Urkunde zur Verfügung, die ihren Wettkampf für sich allein antreten. Mach mit, auch wenn es nicht dasselbe wie beim Wienmarathon ist. Es fehlen die Massen, die Motivation der Startnummer und das ganze Drumherum, aber es geht um das Ritual des Saisonabschlusses. Danach startet die neue Saison mit neuen, vielleicht sogar noch größeren Zielen. Nach dem Wettkampf ist bekanntlich vor dem Wettkampf. Das gilt auch in diesen Zeiten.

Was wird mit den Laufveranstaltungen?

Arm dran sind diejenigen, die ihr gesamtes Herzblut in die Laufveranstaltungen gesteckt haben und teilweise sehr kurzfristig absagen musst. Es geht dabei nicht nur um Großveranstaltungen, sondern vor allem um die kleinen Bezirksläufe, die sowieso auf keinen Gewinn aus sind und abhängig von ehrenamtlicher Mitwirkung sind. Manche Veranstalter werden ihre Läufe wahrscheinlich gar nicht mehr anbieten und der eine oder andere Fixpunkt im Laufkalender wird ab nächstem Jahr fehlen.
Ich bedauere das natürlich sehr, dass durch die Absagen ein sehr großer wirtschaftlicher Schaden entsteht. Denn es hängen da nicht nur die Startgelder dran, sondern wichtige Werbe- und Sponsorenverträge, von denen die Veranstaltungen eigentlich leben. Dennoch mach ich mir über die Veranstaltungen keine Gedanken, da jeder kleine Unternehmer momentan dasselbe Problem hat, nur dass es bei ihnen um deutlich mehr geht, nämlich um ihre Existenz. Bei den wenigsten Veranstaltungen hängt die Existenz von Menschen ab.
Also zahlt die Startgebühr zurück, schreibt sie für die nächste Veranstaltung gut oder zahlt sie auch gerne nicht zurück, aber bitte macht eines nicht: verschiebt den Lauf nicht nach hinten und schon gar nicht in den Herbst. Es ist zwar eine logische Möglichkeit, die Veranstaltung dennoch durchzuführen und den wirtschaftlichen Schaden etwas zu reduzieren, doch was meint ihr wohl, was im Herbst los sein wird, wenn die schon generell viel zu dichte Wettkampfsaison zusätzlich mit den verschobenen Frühjahrswettkämpfen überschwemmt wird? Wir kommen wieder zu euren Veranstaltungen, aber nicht alle zur gleichen Zeit! Und wer weiß, ob es im Herbst überhaupt schon erlaubt sein wird, größere Veranstaltungen durchzuführen.

Laufszene und Laufbusiness

Wie oben erwähnt, wissen gerade kleine Unternehmen und Berater, deren Umsatz teilweise zu 100% weggefallen sind, nicht, wie lange sie noch durchhalten können. Glaube nicht, dass unsere Betriebe so viel Reserven haben, und das Zusperren für mehrere Wochen durchalten. Und wenn sie die ersten Monate durchalten, ist das langfristige gesamtwirtschaftliche Entwicklung sehr ungewiss. Die Laufszene hat ihre umsatzstärkste Zeit in den Monaten März und April. Und in dieser Zeit werden wir durch das Coronavirus geschlossen halten müssen. Der Wienmarathon ist ein regelrechtes Zugpferd für die Laufszene. Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Herrn Blutsch von Laufsport Blutsch, der meinte, dass er im Frühjahr Personal aufstocken und die Öffnungszeit verlängern muss, um den Andrang Herr zu werden. Gut so, aber dieser Umsatz bleibt für heuer aus. Man kann nur hoffen, dass sich ein Teil des Umsatzes in den Sommer verschiebt. Ich bin mit meiner Firma dabei genauso betroffen wie der gesamte Sport- und Freizeitbereich.
Es ist momentan einfach eine sehr schwierige Zeit. Für jeden von uns. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, dass wir diese Krise so schnell es geht überwinden und dass wir bald wieder zur Normalität zurückkehren können. Wie diese neue Normalität aussehen wird, das kann man zurzeit noch nicht abschätzen, sie wird jedenfalls vollkommen anders aussehen, als wir sie bisher kannten. Je mehr sich jeder einzelne bemüht und zu Hause bleibt, umso früher wird dieser Spuk vorbei sein. Egoisten, Corona skeptikern und Krisenleugnern soll gesagt sein, dass es nicht um den einzelnen geht, sondern um unsere gesamte Gesellschaft! Der Staat pumpt nicht zig Milliarden in die Wirtschaft, nur damit einzelne Idioten aus Langeweile noch immer ihre Picknicks mit Freunden im Park abhalten. Bleibt zu Hause und verhaltet euch verantwortungsvoll!
Uns geht es auch in dieser schwierigen Zeit noch immer relativ gut, und uns wird es auch nach überstandenem Coronavirus noch immer einigermaßen gut gehen, da bin ich mir sicher. Und nach überstandener Krise sollte auch jeder von uns weiterhin seinen Beitrag leisten: bleib zu Hause! Dann aber mit einem anderen Ziel: Kauf zu Hause bei deinen Laufgeschäften, Trainern und anderen wichtigen Dienstleistern.

Was du jetzt tun kannst

Auch wenn ich selbst aus Bequemlichkeit gerne online bestelle, in der nächsten Zeit wird es besonders wichtig, unsere laufende Infrastruktur zu erhalten, damit wir den Status quo nicht verlieren. In Wien können wir uns wirklich glücklich schätzen, dass wir so zahlreiche und vor allem gute Laufgeschäfte haben. Jeder Einkauf in unseren Lieblingsgeschäften wird zum Erlebnis und trägt dazu bei, dass unser Hobby noch mehr Spaß macht. Unterstützen wir sie, indem wir unser Geld im Ort lassen.
  • Verschenke Gutscheine für Läufer
  • die gehen später in die Geschäfte, wenn der ganze Trubel wieder vorüber ist
  • Verschiebe deine (dringenden) Neuanschaffungen und schau dann
  • zum Blutsch und lass dir dort deinen richtigen Laufschuh verschreiben,
  • oder zum RunInc-Store und teste dort die neuen ON-Schuhe,
  • oder zum Wemove, der neben seinem Geschäft auch weiterhin seine Weekly Long Runs anbieten wird,
  • oder zum Traildog Running und rüste dort dein Trailequipment auf,
  • oder zum wmns Running Store und lass dich dort als Frau von Frauen laufend versorgen,
  • oder zum Tony‘s Laufshop, der sicher noch einen Kayano für dich im Lager hat.
  • …und das waren nur die wichtigsten Laufgeschäfte!

Klar ist, dass wir gerade im Frühjahr neue Laufschuhe und nebenbei auch etwas für die Laufgarderobe benötigen. Warte noch etwas und mach dir nach der Krise eine besondere Freude und kauf dir gleich mehrere Schuhe bzw. Shirts, einen Laufrucksack, neue Socken (hast du eh immer zu wenig), gönne dir eine neue Pulsuhr (eh wissen, eine Polar),…du machst dir und unserer Zukunft einen großen Gefallen. Natürlich muss ich erwähnen, dass es auch Profis wie wir von Runtasia gibt, die dich bei deinen nächsten laufenden und bewegten Zielen unterstützen können oder die nötige Motivation fürs Dranbleiben geben. Buche einen Einzeltrainer, mach einen Lauftechnikkurs, schließ dich Laufgruppen an, verbreite es an deine laufenden Kollegen und Freundinnen. Die gesamte Laufszene ist für dich da…
…dann, wenn wieder alles so ist, wie es wir gewohnt sind und niemand mehr über Corona spricht. Und wenn, dann nur mehr lachend aus der Erinnerung. Wir schaffen das!