Die Finanzkrise als Anlass - Fragen, die sich jeder einmal stellen sollte

Von Fred Lemrog
"Auf einem Dampfer, der in die falsche Richtung fährt, kann man nicht sehr weit in die richtige Richtung gehen."(Michael Ende)
Die aktuelle Krise sollte Anlass sein, darüber nachzudenken, ob nicht - frei nach Shakespeare - womöglich etwas faul ist im Staate Geldsystem. Diese Krise ist eine von vielen in den letzten Jahrzehnten (Asienkrise, Russlandkrise, Argentinienkrise, New Economy Krise, Immobilienkrise). Dabei werden die Krisen ständig größer und ihre Auswirkungen immer gewaltiger. Immer gigantischere Summen müssen in das System gepumpt werden, um einen totalen Kollaps zu verhindern.Vor diesem Hintergrund wird mehr und mehr auch für den Normalbürger sicht- und greifbar, dass etwas ganz Grundlegendes falsch läuft und ursächlich für die ständig wiederkehrenden Zusammenbrüche ist. Und immer mehr Menschen beginnen sich für die Gründe und Zusammenhänge zu interessieren und stellen dabei zunehmend solch berechtigte Fragen wie die folgenden:
1.) Warum sollen wir eigentlich in jedem neuen Jahr mehr produzieren und konsumieren als im vorangegangenen Jahr? Was macht das Wirtschaftswachstum so wichtig, ja geradezu zum neuen "goldenen Kalb" und warum müssen wir eigentlich immer weiter wachsen? Und kann ein unendliches, exponentielles Wachstum (z.B. jedes Jahr 2%) auf unserem endlichen Planeten wirklich funktionieren?
2.) Warum fehlt eigentlich ständig überall Geld (Unis, Kindergärten, Infrastruktur...) und warum muss überall gespart werden (von der Streichung von Arztleistungen im gesetzlichen Gesundheitswesen über den Abbau von Sozialleistungen bis zur Schließung von öffentlichen Kultureinrichtungen wie Zoos) wenn doch die Bundesrepublik so reich ist wie niemals zuvor (der Kuchen, der verteilt werden kann (das reale BIP) ist heute mehr als 6mal so groß wie noch 1950)?
3.) Warum gibt es so viele Arbeitslose, wo doch so viel zu tun wäre (Mangel an Lehrern, Kinder-gärtnern, Altenpflegern, Unterbesetzung bei Polizei und Behörden, immense Überstunden bei Angestellten… )?
4.) Warum werden die Vermögenden offensichtlich stetig und unbeirrbar immer reicher und die Armen immer ärmer (während 26% der deutschen Bevölkerung ohne staatliche Hilfe das Existenzminimum unterschreiten besitzen die reichsten 10% fast 50% aller Vermögen in Deutschland)?
5.) Wieso verschulden sich (weltweit) die Staaten immer stärker und immer schneller? Und warum schafft es seit vielen Dekaden kein Finanzminister - entgegen aller Versprechungen und Beteuerungen -, einen ausgeglichenen Haushalt zu etablieren?
Auf diese Fragen finden sich weder in der Politik noch in den Massenmedien noch in den herrschenden Meinungen an den Universitäten überzeugende Antworten. Sämtliche öffentliche und wissenschaftliche Diskussionen verstricken sich in Details und versäumen es, den Blick auf das große Ganze zu richten und echte Ursachenforschung zu betreiben.
Das System als Problem – Zusammenhänge, die jeder kennen sollte
"Mehr als bei allen anderen Zweigen der Wirtschaftswissenschaften haben wir es beim Geldwesen mit einer Disziplin zu tun, in der die Komplexität häufig dazu dient, die Wahrheit zu verschleiern, statt sie für jedermann verständlich darzustellen."(John Kenneth Galbraith, Ökonom und US-Präsidentenberater)
Wesentliche Ursache für die eingangs angerissenen Probleme ist das heutige Geldsystem. Dieses führt (ursächlich und verstärkend) zu• periodisch zwangsläufig wiederkehrenden Wirtschaftskriseneiner extrem ungleichen Verteilung von Geldvermögendem Verschuldungszwang der Volkswirtschaftgesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen FehlentwicklungenAus Platzgründen sollen im Folgenden nur einige Zusammenhänge etwas näher beleuchtet werden:• Jeder Bürger zahlt ZinsenUnternehmen müssen ihre Kapitalkosten auf die Preise umlegen - sonst gehen sie pleite. Auch der Staat muss Zinslasten für aufgenommene Kredite tragen (übrigens: die Bundesschuld entspricht ziemlich exakt dem Vermögen der 1% reichsten Bürger Deutschlands) und wälzt diese über Steuern auf den Bürger ab. Daher zahlt JEDER Bürger, auch wenn er selbst keinen Kredit aufgenommen hat, über Steuern und Endverbraucherpreise Zinsen an Kapitalgeber. Der Anteil ALLER (verdeckter) Zinsen und zinsverursachten Steuern in den Endverbraucherpreisen von Lebensmitteln über Luxusgüter bis zur Miete beträgt fundierten Schätzungen zufolge im Durchschnitt 40%!Diese enorme, verdeckte Belastung ist den meisten Menschen (noch) nicht bewußt.
Nur eine kleine Minderheit profitiert vom Zinssystem - die große Mehrheit verliertDa den (eventuell vorhandenen) Kapitaleinkünften (z.B. durch Spareinlagen) wie oben beschrieben immer auch zu leistende, in Preisen und Steuern enthaltene Zins-Zwangsabgaben gegenüber stehen, muss stets im Einzelfall betrachtet werden, ob die Einkünfte die Zinszahlungen überhaupt kompensieren können. Auch hierzu gibt es wissenschaftlich fundierte Berechnungen. Das erschreckende, wenn auch nicht ganz unerwartete Ergebnis: Für fast 90% der Bevölkerung ist die Zinsbelastung höher als die Zinseinkünfte. Lediglich die reichsten 10% haben so hohe Kapitaleinkünfte, dass diese die Zinsbelastung überwiegen. Dabei erhalten die Gewinner genau die Summe an Zins-Nettogewinnen, welche die restlichen 90% der Bevölkerung an Zins-Nettoverlusten erleiden. 
• Spaltung der GesellschaftVermögen und Schulden sind zwei Seiten derselben Medaille. Jeder Forderung steht eine Schuld in der selben Höhe gegenüber. Die Zinszahlungen des Einen sind somit die Zinseinkünfte des Anderen. Der gern gebrauchte Werbe-Slogan „Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten“ entpuppt sich daher bei näherem Hinsehen als blanker Zynismus. Aufgrund des Zinseszinseffektes wachsen die Vermögen zwangsläufig immer weiter an. Da nun jedem Guthaben jedoch auch immer eine Schuld in identischer Höhe gegenüber stehen muss, wachsen logischerweise auch die Schulden im selben Umfang an. Es kommt zu einer gigantischen, intransparenten Umverteilung: „Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer“. Wie in einem riesigen Monopoly Spiel konzentrieren sich die Vermögen scheinbar „ganz von allein“ in den Händen Einzelner. Bis heute hat sich durch diesen Effekt die Ungleichheit auf das folgende, absurd erscheinende Niveau verstärkt: Die oberen 1% (!) besitzen fast 25% (!) des Vermögens während die unteren 70% kein nennenswertes Vermögen aufweisen. Das Vermögen der reichsten 300 Deutschen übersteigt bei weitem den gesamten deutschen Staatshaushalt.Weltweit gesehen ist derselbe Effekt festzustellen: Das Vermögen der Dollar Milliardäre (1125) beträgt viermal so viel wie das Vermögen der unteren 50% der Weltbevölkerung (3,4 Milliarden Menschen). Davon besitzen die 225 reichsten Menschen der Welt 1.000.000.000.000 (= 1 Billion) Dollar an Vermögen (Stand 2008). Um das einmal ins Verhältnis zu setzen: Der notwendige Betrag für eine gesunde Ernährung sämtlicher Menschen dieses Planeten wäre nicht deutlich höher als die jährlichen Vermögenseinkünfte der besagten 225 Personen! Die Zahl von jährlich 30-50 Millionen Hungertoten wird vor diesem Hintergrund noch unbegreiflicher.Diese Ungleichheit ist weder gottgegeben noch durch harte Arbeit der Vermögenden entstanden (um beispielsweise das Vermögen eines Herrn Albrecht durch reine Arbeitsleistung zu erreichen wären bei einem Stundenlohn von 50 Euro (netto!) beinahe 200.000 Jahre Arbeit nötig!). Die Spaltung der Gesellschaft(en) ist systemimmanent und Resultat exponentiellen Wachstums durch Zinsen und Kapitalerträge.
• Wachstumszwang und schrumpfender Massen-Wohlstand Da der Zinsdienst unerbittlich geleistet werden muss (und "Nullrunden" in Form von unentgeltlicher Mehrarbeit und Gehaltskürzungen zwar für Arbeitseinkünfte zur Regel geworden, bei Kapitaleinkünften jedoch undenkbar sind), wächst der Anteil der Zinseinkommen am gesamten Bruttoinlandsprodukt, sofern dieses nicht genau so schnell wächst. Man stelle sich die Zinseinkünfte als Teil des Gesamtkuchens Bruttoinlandsprodukt vor. Da das Kuchenstück "Zinseinkünfte" aufgrund des Zinseszinseffektes jedes Jahr unerbittlich wächst, muss auch der Kuchen selbst stetig wachsen, damit für alle anderen anteilig noch genauso viel übrig bleibt wie im Vorjahr. Wächst der Kuchen langsamer, wird der Anteil des Tortenstücks "Zinsen" natürlich immer größer - zu Lasten der anderen Tortenstücke. Daraus resultiert ein Wachstumszwang: Sollen nicht die anderen Tortenstücke immer kleiner werden, muss ein größerer Kuchen (BIP) gebacken werden. Schafft es die Volkswirtschaft (verständlicherweise) nicht, jedes Jahr wieder einen nochmals 3% größeren Kuchen zu backen, beginnen Verteilungskämpfe: Löhne werden gesenkt, Sozialleistungen gekürzt und Investitionen in Infrastruktur und Bildung zurückfahren.
• Schrumpfender Handlungsspielraum des StaatesAuch der Staat ist buchstäblich und unmittelbar "abhängig" von Wachstum. Da die Ausgaben aufgrund des ständig wachsenden Zinsdienstes sowie der Inflation (welche Resultat der wachsenden Geldmenge ist) stetig steigen, ergeben sich bei ausbleibendem Wachstum akute Haushaltsprobleme, weil die Einnahmen sich nicht im gleichen Umfang erhöhen.
Der Staat behilft sich in diesem Fall notgedrungen mit einer oder mehrerer der folgenden Maßnahmen: o Er "spart", sprich: Die Politiker beschließen Leistungskürzungen, da ja - außer für die Gläubiger - nicht mehr genügend Geld zur Verfügung stehto Durch Neuverschuldung erkauft sich der Staat "Handlungsspielräume" auf Kosten einer Verschärfung des Problems (die Ausgaben für Zinszahlungen wachsen weiter an)o Durch Erhöhung der Steuern und Sozialabgaben erhöht der Staat seine Einnahmen
All dies ist längst zu beobachten und wird sich weiter verschärfen:
o Durch die ausufernde, systemimmanente Staatsverschuldung haben sich die Zinsausgaben des Bundeshaushalts von 1968 bis 2008 vervierzigfacht (!) und ihr Anteil am Haushalt stieg von 2,6% auf 14,9% an. o Andere Ausgabenanteile wurden zurückgefahren: Sozialleistungen wurden massiv gekürzt (z.B. Krankenversicherung, Hartz IV), staatliche Investitionen deutlich reduziert (Stichwort: "Einstürzende Schulgebäude")o Gleichzeitig stiegen Steuern (bspw. durch Erhöhung der Mehrwertsteuer) und Abgabenlast (steigende Sozialversicherungsbeiträge und Bemessungsgrenzen) für die Bürger massiv an
• Auswirkung der ungleichen Vermögen und Einkommen auf die GüternachfrageAufgrund der beschriebenen Effekte bleibt der Masse der Bevölkerung immer weniger zum Leben – während die oberen 10% durch ihre leistungslose Einkommen immer reicher werden.Mit fatalen Konsequenzen wie das folgende einfache Beispiel zeigt:
Gesellschaft A: 1 Millionen Menschen verfügen über jeweils 1.000 Euro frei verfügbares Monatseinkommen (Nettoeinkommen nach Fixkosten wie z.B. Miete)
Gesellschaft B: 999.000 Menschen verfügen über kein nennenswertes verfügbares Monatseinkommen, 1.000 Personen verfügen über jeweils 1.000.000 Euro frei verfügbares Monatseinkommen
Es ist unmittelbar einleuchtend, dass Gesellschaft B nicht nur ein soziales sondern auch ein ökonomisches Problem hat. Trotz insgesamt gleich hohen verfügbaren Einkommens in der Bevölkerung (beide Male 1 Milliarde Euro) wird logischerweise der Konsum und die Binnennachfrage in Gesellschaft B bedeutend niedriger sein als in Gesellschaft A. Die wenigen Reichen brauchen nun einmal keinen hundertsten Fernseher, den tausendsten Haarschnitt oder das zehntausendste Brötchen. Und damit beginnt ein Teufelskreis: Weniger Nachfrage führt zu einer geringeren Produktion in den Unternehmen, die hierfür wiederum weniger Arbeiter und Angestellte benötigen und somit Entlassungen durchführen. Eine weiter schwindende Massenkaufkraft ist die Folge.
Wegen der kontinuierlichen Umverteilung von unten nach oben nähern sich die Staaten weltweit immer mehr der skizzierten Gesellschaft B an.Vor diesem Hintergrund mutet es weltfremd an, dass sich Politiker und Medien immer wieder über die „Konsumzurückhaltung“ beklagen. Fakt ist, dass die Masse der Bevölkerung schlichtweg nicht mehr konsumieren kann!
• Diskriminierung von „Sozialschmarotzern“ Mittlerweile gehört es fast schon zum guten Ton, sich über die „Sozialschmarotzer“ der Gesellschaft zu beschweren. Menschen, die sich – so der gängige Tenor – auf Kosten anderer in der „sozialen Hängematte ein schönes Leben machen“. Die sich Einkommen erschleichen und deren typischen Attribute Leistungsverweigerung und Faulheit sind. Gemeint sind die knapp 7 Millionen Empfänger von Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe, denen etwa 1 Millionen offene Stellen gegenüber stehen. Aber hier trifft es aus vielerlei Gründen (in aller Regel) die Falschen. Zum einen ist die Bedürftigkeit in den seltensten Fällen selbst verschuldet oder gar selbst gewählt. Vielmehr wird aus den Zwängen des bestehenden Geld- und Finanzsystems Arbeit dermaßen verteuert (s. Grafik rechts), dass trotz hohen Bedarfs und hoher Nachfrage (z.B. nach sozialen Dienstleistungen wie in Krankenhäusern und Pflegeheimen) nicht ausreichend Arbeitsplätze geschaffen werden.Zum anderen wird vor dem Hintergrund des bereits Gesagten klar, dass die oberen 10% des Landes in erheblich größerem Maße leistungslose Einkommen beziehen. Beispiel: Während ein Hartz IV Empfänger 351 Euro Regelsatz erhält, erzielt ein Vermögender mit einem Geldvermögen von 10 Millionen Euro und einer Verzinsung von 6% monatlich ein leistungsloses Einkommen von 50.000 Euro! Ein Einkommen, dass Andere für „den Reichen“ erarbeiten müssen (s.o.). Es handelt sich also ebenfalls um eine Transferleistung: Von einem anonymen Schuldner zu einem anonymen Gläubiger. Eigene Arbeit wird somit überflüssig. Gibt es nun also doch „ein Recht auf Faulheit“ in unserem Land - aber nur für die Reichen?Da zudem in den meisten Fällen das Vermögen ererbt und nicht erarbeitet wurde, scheint die Definition des Sozialschmarotzers deutlich eher auf „Kapitalrentner“ zuzutreffen.Wesentlich wichtiger als die periodisch wiederkehrenden Diskussionen um „Florida-Rolf“ und Managergehälter ist daher die Auseinandersetzung mit den leistungslosen Einkommen der Reichen und Superreichen und einem System, dass diesen im wahrsten Sinne des Wortes asozialen Zustand überhaupt erst ermöglicht.
• Unvermeidliche Krisen zur Unterbrechung des exponentiellen GeldmengenwachstumsHätte Jesus zu seiner Geburt einen Cent von seinem Vater erhalten und wäre dieser zu 5% Zinsen angelegt worden wären heute daraus geworden:35.898.712.860.459.700.000.000.000.000.000.000.000.000 € oder viele Milliarden Mal der Planet Erde aus reinem Gold (Stand Ende April 2009)! Dieses extreme Beispiel mag konstruiert klingen. Aber genau diese Annahme – nämlich ewig währendes exponentielles Wachstum – ist eine Standardannahme für das Volkseinkommen (BIP) von Volkswirtschaften in den Modellen der Wirtschaftswissenschaften.Das exponentielle Wachstum und die daraus resultierende offensichtliche Sprengkraft des Zins-Systems lässt sich wohl am ehesten mit der einer Atombombe vergleichen.Diese Sprengkraft muss sich zwangsläufig immer wieder in Krisen entladen, in denen die wildwuchernde Geldmenge (in den letzten Jahren stieg sie um ca. 10% pro Jahr!) wieder auf ein "verträgliches" Maß zurückgestutzt und in Einklang mit der ihr gegenüberstehenden Menge an realen Gütern gebracht wird. Genau das erleben wir auch jetzt wieder.Im "besten" Fall handelt es sich dabei um Finanzkrisen (u.a. Hyperinflation 1923, Währungsreform 1948, Asienkrise, New Economy Blase, Immobilienblase), im schlimmsten Fall um Kriege (u.a. 1. Weltkrieg, 2. Weltkrieg, Golfkriege).
• Durchführung nur der rentabelsten InvestitionenPotentielle Investitionen werden immer mit der möglichen Alternative einer Anlage der erforderlichen Investitionsgelder am Kapitalmarkt verglichen. Liegt der sichere Zins höher als die Rendite des Projekts, so unterbleibt das Projekt.Ein nachhaltig abgesenktes Zinsniveau würde konsequenterweise viele Projekte ermöglichen, welche aktuell als nicht lukrativ genug wahrgenommen werden. Ein enormer Beschäftigungseffekt wäre die Folge - wie er auch seinerzeit in Wörgl (s. unten) zu beobachten war.
• Anreiz zu kurzfristigem DenkenIm bestehenden Zinssystem ist ein Euro heute mehr wert ist als morgen (Ein Euro könnte ja heute bspw. mit 5% angelegt werden und wäre dann „morgen“ 1,05 Euro wert). Um den heutigen Wert zukünftiger Euros zu bestimmen, werden diese daher „abgezinst“. Ein Euro, den man in einem Jahr erhält, ist bei einem Zinssatz von 5% p.a. also heute nur 0,952 Euro wert.Dieses Verfahren wird auch bei der Beurteilung von potentiellen Investitionen verwendet: Alle zukünftigen Zahlungsströme werden abgezinst. Durchgeführt werden nur diejenigen Projekte, deren Summe aller abgezinster Zahlungen (der sog. Kapitalwert) positiv ist. Da die (sofort anfallenden) Investitionskosten höher bewertet werden als die später zu erwartenden (und womöglich höheren) Zahlungseingänge unterbleiben viele Projekte.
Beispiel:Ein Unternehmen könnte bei heutigen, einmaligen Investitionskosten von 100 Euro in 20 Jahren einen Gewinn von 500 Euro erzielen. Auf den ersten Blick ein lohnendes Geschäft. Jedoch ergibt sich bei einem (üblichen) kalkulatorischen Zinssatz von 10%:Euro.
Das Projekt würde somit nicht durchgeführt werden, da der Barwert der Investition negativ ist. Der Gewinn fällt in dieser Systematik „zu spät“ an und ist aus heutiger Sicht zu wenig wert, um die Investitionen zu kompensieren.
Dieser Effekt gilt natürlich nicht nur für Erträge, sondern auch für Kosten. Daher sind beispielsweise 1.000.000.000 Euro Kosten (z.B. für die Entsorgung von Atommüll) in 150 Jahren bei einem kalkulatorischen Zinssatz von 10% heute lediglich 618 Euro wert! Solche verhältnismäßig geringe Summen werden von den Unternehmen, aber auch dem Staat, in allen Berechnungen vernachlässigt. Fehlentscheidungen sind die Folge. Langfristig lohnende Investitionen unterbleiben und heute eigentlich schon bekannte, gravierende, aber in erst in der Zukunft auftretende Probleme werden einfach ausgeblendet. Resultat ist eine "Nach mir die Sintflut"-Mentalität. Der schnelle Gewinn zählt, langfristige Konsequenzen (positive wie negative) sind irrelevant.
• Ausbeutung der DrittweltländerDurch die (von den Industrieländern nachweislich verursachte) Verschuldung der Drittweltländer sind diese regelrecht in einer "Schuldenfalle" gefangen. Die jährlich zu leistenden Zinszahlungen an die Industriestaaten betragen das fünffache (!!) der den Entwicklungsländern zufließenden Entwicklungshilfe. Da viele Staaten nicht in der Lage sind, diese immensen Summen für die Zinsen aufzubringen (350 Mrd. Euro pro Jahr!), müssen sie gezwungenermaßen den Industriestaaten das Eigentum an Rohstoffen wie z.B. Gold, Diamanten und Öl abtreten.
Bemerkenswerte Erkenntnisse - Lösungsansätze, die unbedingt diskutiert werden sollten
Unter Historikern besteht seit jeher ein Dissens, ob sich Geschichte wiederholt. Zumindest jedoch gelingt es viel zu selten, den Wissens- und Erfahrungsschatz vorheriger Generationen zu nutzen. Der Mensch verfällt leider zu allen Zeiten zu schnell dem Glauben, er besäße als "moderner Mensch" in einer noch moderneren Gesellschaft die ultima ratio.
Und so werden auch heute noch viele vorherrschende, jedoch Menschen gemachte Umstände und Strukturen als "gottgegeben" hingenommen und kaum jemand macht sich die Mühe, Bestehendes zu hinterfragen und dabei bereits gemachte Erfahrungen vorheriger Generationen hinreichend einfließen zu lassen.
Genauso verhält es sich bei unserem (Menschen gemachten) Geldsystem. Auch dieses wird in der Regel nicht hinterfragt. Es ist wie beim Strom aus der Steckdose. Hauptsache, er ist da. Wie er dort hinkommt und wie das alles funktioniert, interessiert die überwiegende Mehrheit nicht. (Aber wehe, er fällt aus...)
Neben anderen Mängeln (insbesondere die mittlerweile völlig deregulierte und exzessive Geldschöpfung durch Kreditvergabe ist ein Thema für sich) weist unser Geldsystem einen ganz entscheidenden Fehler auf, der die bereits erwähnten verheerenden Auswirkungen hat:Es ist zinsbasiert anstatt umlaufgesichert. Und das führt dazu, dass nunmehr das Geld nicht länger dem Menschen dient, sondern umgekehrt.
Diese Erkenntnis ist keineswegs neu. Schon seit jeher wurde der Zins kritisch gesehen, als unmoralisch verurteilt und sogar von allen großen Religionen verboten, da ihm enorm zerstörerische Kräfte innewohnen.
Einige Zitate aus Antike bis Neuzeit:
"Das Geld ist für den Tausch entstanden, der Zins aber weist ihm die Bestimmung an, sich durch sich selbst zu vermehren. Daher widerstreitet auch diese Erwerbsarbeit unter allen am weitesten dem Naturrecht."(Aristoteles)
"Wer auf Zinsen gibt und einen Aufschlag nimmt [..] soll nicht leben, sondern, weil er alle diese Greuel getan hat, soll er des Todes sterben; seine Blutschuld komme über ihn."(Hesekiel)
"Wer Geld gegen Zins verleiht, soll dastehen wie einer, der vom Satan erfasst ist."(Koran, 2. Sure)
"Was ist für ein Unterschied, durch Einbruch in Besitz fremden Gutes zu kommen auf heimliche Weise und durch Mord als Wegelagerer, indem man sich selbst zum Herrn des Besitzes jenes Menschen macht, oder ob man durch Zwang, der in den Zinsen liegt, das in Besitz nimmt, was einem nicht gehört?"(Gregor von Nyssa, griechischer Bischof und Theologe)
"Aber das größte Unglück deutscher Nation ist gewisslich der Zinskauf. Sollt er noch hundert Jahr stehn so wäre es nicht möglich, dass Deutschland einen Pfennig behielte, wir müssten uns gewisslich untereinander fressen.... Der Zins ist ein in der Wolle gefärbter Dieb und Mörder, wir Christen halten ihn aber so in Ehren, daß wir ihn ordentlich anbeten.."(Martin Luther)
"Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh."(Henry Ford)
Eine der beklemmendsten und visionärsten Äußerungen ist jedoch die folgende:
Im Jahre 1918 (also nach dem ersten Weltkrieg) sagte Silvio Gesell über das zinsbasierte Geldsystem:"Trotz der heiligen Versprechen der Völker, den Krieg für alle Zeiten zu ächten, trotz der Rufe der Millionen: 'Nie wieder Krieg!', entgegen all den Hoffnungen auf eine schönere Zukunft muß ich sagen: Wenn das heutige Geldsystem, die Zinswirtschaft, beibehalten wird, so wage ich es heute schon zu behaupten, daß es keine 25 Jahre dauern wird, bis wir vor einem neuen, noch furchtbareren Krieg stehen. Ich sehe die kommende Entwicklung klar vor mir. Der heutige Stand der Technik läßt die Wirtschaft rasch zu einer Höchstleistung steigern. Die Kapitalbildung wird trotz der großen Kriegsverluste rasch erfolgen und durch ein Überangebot den Zins drücken. Das Geld wird dann gehamstert werden. Der Wirtschaftsraum wird einschrumpfen und große Heere von Arbeitslosen werden auf der Straße stehen. [..] In den unzufriedenen Massen werden wilde, revolutionäre Strömungen wach werden... Kein Land wird das andere mehr verstehen, und das Ende kann nur wieder Krieg sein." (Silvio Gesell)
Jener Silvio Gesell war es auch, der sich intensiv mit einer möglichen Lösung beschäftigte und viele Ökonomen nachhaltig beeindruckte wie z.B. Maynard Keynes, der über Gesell sagte "die Welt werde von seinem Geiste mehr lernen als von jenem von Marx".
Wie aber sieht die Lösung aus?
Da der Zins hauptverantwortlich für soziale, ökonomische und ökologische Fehlentwicklungen ist, gilt es, diesen gegen Null abzusenken. Ein schlichtes Zinsverbot ist hierbei nutzlos, da es sich in aller Regel umgehen lässt.
Der Zins entsteht letztlich dadurch, dass Geld (in allen Formen) anderen Gütern überlegen ist, weil es zurückgehalten werden kann, ohne dass es verdirbt. Diese Eigenschaft führt zu einer von Keynes "Liquiditätspräferenz" genannten Form des Geldhortens. Damit ist ein potentieller Kreditnehmer gezwungen, dem Geldeigentümer eine Prämie in Form von Zinsen anzubieten, um diesen zu bewegen, das Geld zu verleihen.Ohne Zinsen ist also das gesamte System blockiert. Das Geld, das zu Recht oft das Blut der Wirtschaft genannt wird, zirkuliert nicht. Es wird solange blockiert, bis es mittels Zins in das System gepumpt wird. Dies jedoch mit den beschriebenen dramatischen Nebenwirkungen (Wachstumszwang, steigende Disparität der Vermögen etc.).
Denkt man darüber nach, so erscheint dies absurd:Derjenige, der das System blockiert (Geld zurückhält) bekommt eine Belohnung, wenn er dies unterlässt! Stellen Sie sich dies übertragen auf andere Bereiche, z.B. den Straßenverkehr vor: Jemand blockiert durch Falschparken die Straße und bekommt eine Belohnung dafür angeboten, dass er sein Auto wegfährt. Natürlich muss es umgekehrt funktionieren! Sofern jemand das System blockiert, muss er dafür zahlen.
Auch für das Geldsystem muss gelten "wer blockiert, zahlt". Damit wird das Anreizsystem grundlegend geändert. Anstatt dass es eine Belohnung dafür gibt, sein Geld bereitzustellen, gibt es eine Strafgebühr, wenn man dies nicht tut.Dies gelingt dadurch, dass man das Geld "rosten" lässt. Das heißt, das Geld verliert im Verlauf der Zeit - wie alle anderen Güter auch - an Wert durch "Verfall", bspw. 5% pro Jahr. Die Lösung liegt also darin, das Geld mit anderen Gütern auf die selbe Stufe zu stellen, es gleichwertig zu machen.
Dadurch sinkt der Zins gegen Null (näheres zur Herleitung findet sich in der einschlägigen Literatur zum Thema) und die oben erwähnten, dramatischen Negativeffekte des Zinses verschwinden. Schulden wie auch Vermögen bleiben bestehen, vermehren sich aber nicht mehr aus sich selbst heraus.
Hierzu gab es auch bereits Modellversuche, u.a. in Schwanenkirchen und in Wörgl.Ein Auszug aus Wikipedia:
"Im Jahr 1932 wurde in der Tiroler Gemeinde Wörgl aufgrund der Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise ein Modellversuch mit freiwirtschaftlichem Ansatz durchgeführt. Kernpunkt war die Einführung einer mit einer Umlaufsicherungsgebühr behafteten Währung mit einer 1%-Abwertung im Monat. In der Folgezeit wurde der Geldkreislauf und auch die Wirtschaftstätigkeit – entgegen dem allgemeinen Trend – wiederbelebt. Die positiven Auswirkungen führten dazu, dass man den Modellversuch in der Presse damals als das „Wunder von Wörgl“ bezeichnete und das Interesse daran derart stieg, dass über hundert weitere Gemeinden in Österreich dem Beispiel folgen wollten. Allerdings legte die Österreichische Nationalbank vor Gericht erfolgreich Widerspruch ein, woraufhin das Modell von Wörgl und alle weiteren Planungen verboten wurden."
Wie in dem Auszug bereits angedeutet, war die Resonanz auf den Erfolg gewaltig: 170 Gemeinden in Österreich wollten dem Beispiel Wörgls folgen und auch die USA wollten unter Federführung von Irving Fisher - flächendeckend - ein umlaufgesichertes Geld einführen. Leider wurde dies durch Besitzstandswahrungsinteressen verhindert. Im Rückblick der Geschichte ist es zumindest ein interessantes Gedankenspiel, ob bei einer Besserung der wirtschaftlichen Lage durch die geplante Einführung des umlaufgesicherten Geldes in Österreich, Deutschland und den USA möglicherweise der 2. Weltkrieg hätte verhindert werden können.
Auch heute gibt es noch bzw. wieder ein Menge Initiativen, die auf diesen Grundgedanken aufbauend komplementäre Geldsysteme entwickelt haben. Dazu zählen bspw. der Chiemgauer (Deutschland), das WIR-Geld (Schweiz) und zahlreiche Komplementärwährungen in Japan.Dennoch kann dies nur ein Anfang sein.
Die aufgezeigte Lösung ist simpel, die Umsetzung jedoch unglaublich schwierig. Zu wenig Menschen kennen die Problematik, zu wenig einflussreiche Persönlichkeiten machen sich für sie stark, zu groß ist die Lobby gegen diese Idee. Daher ist es wichtig, Aufklärung zu leisten und die Bereitschaft zu fördern, neue Wege zu gehen. Nach vielen Jahrzehnten des ewig Gleichen (und Erfolglosen) wird es dringend Zeit für etwas Neues! Zum Wohle aller.
"Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind."(Albert Einstein)
Zusammenfassung:
1.) Wir beobachten heutzutage vielfältige Negativentwicklungen, u.a.:- eine immer weiter ausufernde Staatsverschuldung,- eine immer größere Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich - immer stärkere soziale Spannungen,- einen Zwang zum Wirtschaftswachstum,- ökologische Verwerfungen (Treibhauseffekt, Umweltverschmutzung...)- Ausbeutung der Drittweltländer 2.) Die meisten dieser Probleme werden verursacht oder verstärkt durch einen systemischen Fehler: den stark positiven Zins im bestehenden Geldsystem 3.) Eine Reduktion des Zinses gegen Null ist daher erforderlich und im Interesse ALLER (sogar der Superreichen)4.) Dies kann durch umlaufgesichertes Geld ("Schwundgeld") erreicht werden
Anhang - Weiterführende Links:Wie funktioniert Geld? - Ein tolles, einfach zu verstehendes Videohttp://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ
Interview mit Prof. Bernhard Senf über Finanzkrise und Zinsproblematikhttp://www.berndsenf.de/pdf/Interview%20Humanwirtschaft.pdf
Umfangreiche Linksammlung zur Geldreformhttp://www.geldreform.de/
Silvio Gesell: Die natürliche Wirtschaftsordnunghttp://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/gesell/nwo/
INWOhttp://inwo.de
Erwiderung auf „klassische“ Einwändehttp://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/schleisiek/einwaende.pdf
Anhang – Quellenangaben: INWO Helmut Creutz Spiegel Wikipedia Böckler-Stiftung Humanwirtschaft Eigene Grafiken und Berechnungen
Anhang - Einige weitere interessante Zitate zum Thema:„Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum geht in einer begrenzten Welt immer weiter, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom."(Prof. Kenneth Boulding, Britischer Ökonom)
„Elimination des Zinswesens aus den Wirtschaftssystemen der Völker ist daher die Voraussetzung für eine haltbare, nicht auf völlige Desorganisation hinsteuernde Wirtschaftstätigkeit.“(Prof. Ernst Abbe, Physiker und Gründer der Zeiss Werke)
„99% der Menschen sehen das Geldproblem nicht. Die Wissenschaft sieht es nicht, die Ökonomie sieht es nicht, sie erklärt es sogar als ‚nicht existent’. Solange wir aber die Geldwirtschaft nicht als Problem erkennen, ist keine wirkliche ökologische Wende möglich.“(Prof. Hans Christoph Binswanger, Schweizer Ökonom)
„Wo nicht der Mensch, sondern das zinstragende Kapital der Gegenstand ist, dessen Erhaltung und Mehrung der Sinn und das Ziel der politischen Ordnung ist, da ist der Automatismus schon im Gang, der eines Tages die Menschen zum Töten und Getötetwerden auf die Jagd schicken wird.“(Prof. Karl Barth, Theologe)
"Jetzt endlich habe ich erkannt, dass nicht das Wirtschaftswachstum den Zinseswahnsinn erzeugt, sondern dass der Zins die einzige wahre und wirkliche Ursache dafür ist, dass die Welt dem Wahnsinn des ewigen Wachstums verfallen ist."(Prof. Konrad Lorenz, Verhaltensforscher)
„Der Staat hat mutwillig zugelassen, dass jährlich Geldvermögen in Höhe des gesamten Bundeshaushalts privat angehäuft wurden. Dieses Geld muss er sich nun von dort zu hohen Zinsen zurückleihen, um seine öffentlichen Aufgaben wahrnehmen zu können.“ „Wenn es der Politik nicht gelingt, sich im letzten Moment ins Räderwerk zu werfen, ist der monetäre und soziale Crash mathematisch unausweichlich. Fragt sich nur, wann und in welcher Form er eintritt.“(Prof. Moewes, Ökonom)
"Wir zweifeln nicht daran, daß eine Zeit kommen wird, in der sich eine christliche Bewegung gegen den Zins erhebt."(Friedrich Naumann, Theologe)
"Der Grund für dieses verzweifelte Sichblindstellen liegt in einem Wirtschafts- und Finanzsystem, das inzwischen alle Merkmale einer veritablen Karzinombildung angenommen hat: Es muß ständig wachsen, um zu existieren; (..) es hat keinen Zweck, an den erschreckenden Folgesymptomen herumzuflicken: Das ganze Wirtschaftssystem muß eben geändert werden. Aber das kann man nicht, oder man will es auch gar nicht.Die Tatsache, dass ein Fünftel der Menschheit immer reicher und vier Fünftel immer ärmer werden, das liegt natürlich an unserer Wirtschaftsform und ganz speziell an unserem Geldwesen. Ich glaube, dass an diesem Geldsystem etwas geändert werden muss, um zu irgendeiner Art von Gleichgewicht in der Welt zu kommen…Ich bin überzeugt, daß die großen Wirtschaftsleute und die verantwortlichen Politiker aller Lager dieses Problem längst sehen - aber sie schweigen. Sie wagen nicht darüber öffentlich zu sprechen. Denn eine Partei, die ernsthaft eine Alternative, das heißt nichtkapitalistische Wirtschaftsform auf ihr Programm setzen würde, wäre aus mancherlei Gründen sehr schnell weg vom Fenster. Sie würde wohl nicht einmal Wähler finden. Also werden es, wie ich fürchte, die Ereignisse sein, die uns belehren.(Michael Ende, Autor)
"Die stetig wiederkehrende Redewendung, das Geld müsse 'hart arbeiten', gibt einen Hinweis darauf, in welch falschen Vorstellungen wir befangen sind. Das Geld als solches arbeitet natürlich nicht; sondern weil es über die Bank gegen Zins weitergegeben wird, arbeiten andere Menschen, und zwar umso härter, je höher der Zins ist, den das Geld verdienen soll. Geld kann auf diese Weise Herrschaftsverhältnisse und Abhängigkeiten begründen. Mehr noch: Es kann Menschen und ganze Völker regelrecht versklaven, wenn diese für die Zinslasten, die ihnen über Kreditgewährungen auferlegt wurden, Frondienste leisten müssen."(Otto Schily, Politiker)
„Der dritte Weltkrieg hat bereits begonnen - ein geräuschloser, aber deshalb nicht weniger unheilvoller Krieg. Es ist ein Krieg gegen den lateinamerikanischen Kontinent und gegen die gesamte Dritte Welt, ein Krieg um die Auslandsschulden. Seine schärfste Waffe ist der Zinssatz, und sie ist tödlicher als die Atombombe.“(Luis Ignacio Silva)
"Ich erfreue mich an dem glänzenden Stil von Silvio Gesell. ... Die Schaffung eines Geldes, das sich nicht horten läßt, würde zur Bildung von Eigentum in anderer wesentlicherer Form führen."(Albert Einstein)
"Ich bin ein bescheidener Schüler des Kaufmanns Gesell."(Prof. Irving Fisher, US-Amerikanischer Ökonom)
"Die Ratlosigkeit der Politiker von heute macht die Arbeiten von Silvio Gesell immer moderner."(Heinz Nixdorf)
„Ich würde allen raten, sich mit der Wirtschaftslehre von Silvio Gesell zu befassen."(Luise Rinser, Schriftstellerin)
„Unser Geld bedingt den Kapitalismus, den Zins, die Massenarmut, die Revolte und schließlich den Bürgerkrieg, der zur Barbarei zurückführt. … Wer es vorzieht, seinen eigenen Kopf etwas anzustrengen statt fremde Köpfe einzuschlagen, der studiere das Geldwesen.“(Silvio Gesell)

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