Die erste Woche mit zwei Töchtern

Heute vor einer Woche ist unsere zweite Tochter auf die Welt gekommen.

Die Große ist schon vor der Geburt sehr vorbildlich mit der Situation, dass Mama ein Baby im Bauch hat, umgegangen:

– Sie hat selbst den Mutterpass geholt und gesagt “Baby angucken”

– Als wir zum Gynäkologen gefahren sind, hat sie gesagt “Herztöne anhören”, als ich ihr erzählte, dass heute auch CTG gemacht wird. Beim Ultraschall kommentierte sie und sagte “Bauch, Kopf, Nase, Fuß,” – je nachdem, was gerade zu sehen war.

– Morgens beim Eincremen sagte sie “Baby auch eincremen” und cremte dann meinen Bauch ein.

All diese Situationen haben mich optimistisch gestimmt, aber eine kleine Unsicherheit blieb doch, ob sie wirklich auch nach der Geburt so gut damit umgeht. Ich habe von anderen Eltern mit Kindern im gleichen Altersabstand gehört, dass Eifersucht eine Rolle spielt, dass die großen Kinder eventuell auch wieder gestillt werden möchten oder anderweitig total an der Mama klammern. Außerdem hab’ ich mich gefragt, ob es weiterhin so sein wird, dass sich die Große wenigstens ein paar Minuten allein beschäftigt, während ich die Kleine stille und ob umgekehrt die Kleine ruhig schläft, während die Große spielt (was natürlich nicht immer leise vonstatten geht).

Als die Geburt mitten in der Nacht losging, war die Große zunächst mit im Kreißsaal, um auf dem CTG zu erkennen, ob das Baby nun wirklich in dieser Nacht zur Welt kommt. Als das von der Hebamme bestätigt wurde, ließ sie sich ohne Weinen zur Tagesmutter bringen und schlief dort seelenruhig bis zum nächsten Morgen. Der Papa holte sie dann ab und beide zusammen kamen mich besuchen. Schon am 2. Tag im Krankenhaus hat die Große einige Stunden des Tages allein bei uns verbracht, wir haben gemeinsam Mittagsschlaf gemacht und sie durfte das Baby auf den Arm nehmen, natürlich hielt ich es auch mit fest, aber sie fühlte sich ganz stolz. Sie bekam einen Anstecker “Ich bin eine große Schwester”, den sie sehr stolz trug.

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“© Mamis Blog”

Abends gab es beim Abschied jedes Mal Tränen, weil sie wollte, dass Mama und die kleine Schwester mit nach Hause gehen. Ich sagte ihr, dass wir bald auch mit nach Hause kommen, aber jetzt noch hier bleiben müssen. Vom Papa ließ sie sich dann schnell beruhigen und sie schlief sehr gut bei ihm ein – natürlich auch, weil die Tage für sie anstrengend und voller neuer Erlebnisse waren.

Als wir dann am Montag wirklich entlassen wurden, freute sie sich, dass wir nun die Sachen packten und alle zusammen ins Auto stiegen. Nachdem wir alles ausgepackt hatten und unsere Kater das neue Familienmitglied beschnuppert hatten, haben wir ihr eine Puppe und einen Puppenwagen geschenkt, denn ich hatte ihr schon vorher erzählt, dass Mama dann das Baby schiebt und die Große den Puppenwagen. Das probierten wir am Nachmittag aus, es gestaltete sich aber noch schwierig, denn gleichzeitig den Puppenwagen schieben und in der Weltgeschichte herumschauen funktionierte nicht so gut. Also entschieden wir, dass sie erstmal noch etwas zu Hause in der Wohnung mit dem Puppenwagen übt, damit auch das Lenken klappt. Für den ersten Versuch klappte es aber schon ganz gut, hätte schlimmer sein können.

Am Dienstag waren wir nachmittags zu viert beim Musikgarten, wo sich die Große schon den ganzen Vormittag drauf gefreut hatte. Die Kleine hat die ganze Zeit geschlafen und wurde erst zu Hause wieder wach für die nächste Stillmahlzeit.

Mittwochmorgen war die Hebamme zum ersten Mal bei uns. Von ihr bekam die Große einen Löwen geschenkt, worüber sie sich sehr freute. Beim Gespräch spielte sie in ihrem Zimmer und als sie meinen Bauch nach der Gebärmutter abtastete, stand sie daneben und wollte auch abtasten. Der Papa war in der Zeit bei der Stadt, um die Geburtsurkunden abzuholen, die wir für alle vorbereiteten Anträge benötigten. Glücklicherweise hatte ich alles schon vorbereitet, dass wir nur noch Name und Geburtsdatum eintragen mussten. Nachmittags haben wir ein paar Sachen zum Garten gebracht – die Große hat beim Tragen geholfen und hörte sehr gut auf uns. Nachdem wir zum dritten Mal zum Auto gingen, fand sie den Weg vom Auto zu unserem Garten auch schon allein.

Am Donnerstag waren wir zu viert beim Eltern-Kind-Turnen, wobei ich größtenteils damit beschäftigt war, das Baby zu stillen bzw. auf dem Arm zu halten, während Papa mit der Großen turnte. Nachmittags bin ich mit der Kleinen zur Elterngeldstelle gefahren, um unsere Anträge abzugeben, während der Papa mit der Großen zu Hause blieb. Anschließend waren wir noch auf dem Spielplatz

Spielplatz

“© Mamis Blog”

und als wir zurückkamen, ging es für die Große noch in die Badewanne. Danach schlief sie sehr gut ein, weil es ein ausgiebiger und anstrengender Tag für sie war.

Heute, eine Woche nach der Geburt, war die Hebamme wieder bei uns. Auch heute tastete sie wieder meinen Bauch mit ab und zeigte sich von ihrer besten Seite. Anschließend war sie mit Papa Auto waschen und aussaugen. “Auto duschen”, sagte sie. Nachmittags hat sie dann zum ersten Mal ihr Laufrad ausprobiert und es klappte schon ganz gut. Beim Lenken muss sie noch etwas üben. Wir werden sicherlich noch einige Male auf dem Garagenhof fahren, bevor wir uns trauen, sie neben uns auf dem Bürgersteig fahren zu lassen.

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“© Mamis Blog”

Ihr wundert Euch jetzt bestimmt, denn ich habe bis jetzt nur von der Großen geschrieben. Wie läuft´s denn mit dem Baby? Die Kleine ist wirklich pflegeleicht und macht es uns sehr einfach, die neuen Herausforderungen zu meistern. Es sind eigentlich gar keine Herausforderungen, denn während ich stille, beschäftigt die Große sich eigenständig und nach dem Stillen schläft die Kleine seelenruhig, sodass ich Zeit habe, das Essen vorzubereiten bzw. mich mit der Großen zu beschäftigen. Ich hätte es mir viel schwieriger vorgestellt, die Interessen der Beiden zu vereinbaren und dachte vorher, dass ich nach der Geburt zu nichts kommen werde. Manchmal habe ich schon ein schlechtes Gewissen und frage mich, ob ich die Bedürfnisse der Kleinen ausreichend beachte und erfülle, eben weil sie so zufrieden scheint und kaum weint. Bevor sie weint, merke ich (oder der Papa) schon ihre Signale, dass sie gestellt werden möchte. Nach dem Stillen kann ich sie ganz problemlos (auch mit offenen Augen) wieder in ihr Bettchen legen und nach kurzer Zeit schläft sie ganz ruhig wieder ein.

Nachts meldet sich die Kleine, wenn sie gestillt werden möchte. Auch hier merke ich ihre Anzeichen, bevor sie weint. Leider klappt es nicht, dass ich sie im Liegen stille. Ich muss mich dafür also hinsetzen, damit ich sie in der Wiegehaltung vor meinem Körper halten kann. So klappt es für uns beide am Besten. Die Große kommt (wie vorher auch) ab und zu zu uns ins Bett. Ich liege dann also auf meiner Betthälfte mit 2 Kindern. Es ist für meinen Mann und mich ok, die Kinder mit bei uns im Bett zu haben, wenn sie dies brauchen.

Ich weiß, dass es nicht selbstverständlich ist, zwei pflegeleichte Kinder zu haben und bin sehr dankbar, dass es so ist. Manchmal habe ich sogar ein schlechtes Gewissen denen gegenüber, bei denen ich weiß, dass sie es mit ihren Kindern nicht leicht haben, weil sie mehr fordern oder sich kaum ablegen lassen. Ich habe natürlich auch damit gerechnet, dass es so kommen kann und wusste, dass ich dann viel weniger bis gar nichts nebenher schaffen werde. Und es ist noch nicht vorbei – ich bin mir auch bewusst, dass sowohl die Kleine fordernder werden kann als auch dass die Große Eifersucht zeigen könnte. Gerade deshalb bin ich gespannt, wie es sich weiter entwickelt und hoffe, dass sich beide Mädels weiterhin so gut miteinander vereinbaren lassen.

Unsere erste Woche war jedenfalls wunderschön und ich freue mich auf die kommende Zeit, die vor uns liegt. 3 Wochen dürfen wir noch komplett als Familie verbringen, weil der Papa Elternzeit hat. Auch dafür bin ich sehr dankbar, dass er diese Möglichkeit in Anspruch nimmt und die Organisation und Abstimmung mit seinem Arbeitgeber so problemlos geklappt hat.

Eure Mami Renate 

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