Die dunkle Seite des immer maßloseren Fleischkonsums

Von Chris79

Bratwurst, Döner, Hamburger, Schnitzel oder Steak – für viele Menschen in Deutschland und anderen Industrienationen aus der Speisekarte kaum wegzudenken. Egal ob im Sommer auf dem Grill, in der Weihnachtszeit auf dem festlich gedeckten Tisch oder einfach auf einem belegten Brötchen, Fleisch und Wurst sind allgegenwärtig und die Industrie hat in den letzten Jahren alles daran gesetzt, den Fleischkonsum weiter anzukurbeln. In den wöchentlichen Prospekten der Supermärkte sind die ersten Seiten meist voller fleischlicher Angebote und billige Preise sowie XXL-Packungen erledigen den Rest. Laut dem vor kurzem herausgekommenen Fleischatlas isst jeder Deutsche mittlerweile ganze 1.094 Tiere in seinem Leben.


Grafik: CC-BY-SA Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, Le Monde diplomatique

Massentierhaltung und Tierquälerei als direkte Folge des wachsenden Fleischkonsums

Während mittlerweile nur noch 5 Prozent der verkauften Eier aus Käifghaltung stammen (von ehemals rund 60 Prozent), machen sich die meisten Verbraucher bei Einkauf von Hähnchenbrust, -schenkeln oder -wurst kaum Gedanken darüber, wie die Tiere in ihrem extrem kurzen Leben von rund einem Monat gehalten werden. Da es in Deutschland vor allem um den Preis geht, versuchen viele Produzenten möglichst viele Hühner von mehr als 25 Tieren pro Quadratmeter zu halten und möglichst auf eine schnelle und starke Gewichtszunahme hin zu züchten.

Hühner haben daher auch am meisten unter dem wachsenden Fleischkonsum zu leiden, denn durchschnittlich ist jeder Deutsche in seinem Leben ganze 945 Hähnchen und Hühner. Weiterhin wurde der durchschnittliche Fleischverzehr für den Fleischatlas auf vier Rinder, vier Schafe, 12 Gänse, 37 Enten, 46 Schweine und 46 Puten heruntergerechnet. Mit einem jährlichen Fleischverzehr von rund 60 Kilogramm essen die Deutschen doppelt so viel Fleisch wie die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern. In den ärmsten Ländern der Welt liegt der Fleischkonsum bei weniger als 10 Kilogramm pro Person und Jahr.

Umweltzerstörung und Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten durch die Massenproduktion

Um all die Menschen satt zu bekommen und darüber hinaus immer mehr Fleisch zu verkaufen, muss es vor allem möglichst billig und in gigantischen Mengen produziert werden. Anstelle traditioneller Tierrassen wird von der Industrie daher auf industrielle Zuchtlinien, die allerdings zu genetischer Verarmung führen.

Darüber hinaus benötigt man für die Aufzucht der Tiere überproportional viel Futter: Für ein Kilogramm Hähnchenfleich muss das Huhn rund 1,6 Kilogramm Futter fressen, ein Schwein sogar mehr als drei Kilogramm und ein Rind mehr als acht Kilogramm. Um die Unmengen Futter anzubauen, werden riesige landwirtschaftliche Flächen benötigt, die zudem in vielen Teilen der Welt stark überdüngt werden, was wiederum die Lebensbedingungen von Tieren und Pflanzen in den verschiedendsten Ökosystemen gefährdet. Nitrate im Grundwasser können zudem Krebs auslösen und in Küstengewässern führen sie zur Bildung von Todeszonen ohne Sauerstoff, in denen keine Fische und andere Meereslebewesen leben können.

Weitere Auswirkungen der weltweit steigenden Nachfrage nach Fleisch sind abgeholzte Regenwälder im Amazonas-Becken, auf denen dann Rinder grasen Rinder, weil auf den alten Weiden Brasiliens immer mehr Soja und Zuckerrohr gepflanzt wird – was ebenfalls oft wieder als Viefutter genutzt wird.

Wie die massenhafte Tierzucht den Klimawandel anheizt

Die Die Kuh an sich ist zwar trotz des verursachten Methans nicht per se Klima-Killer, die massenhafte Aufzucht von Milliarden Tieren trägt aber sehr wohl merklich zum Klimawandel bei. Je nach Rechnung trägt die Viehzucht zwischen knapp 7 und 35 Prozent zum Ausstoß von Klimagasen bei. Selbst bei einer unvollständigen Betrachtung wie durch das Bundesumweltamt (schätzt den Agrarsektor mit 6 bis 7 Prozent ein), liegt er direkt hinter der Industrie mit 10 Prozent und der Energieerzeugung mit 80 Prozent.

Weitere Nachteile wie Übergewicht und die regelmäßige Verfütterung von Antibiotika

Die Reihe der Nachteile, die ein häufiger Fleischkonsum für die Tiere als Lebewesen, die Umwelt oder unser Klima mit sich bringt ist bereits lang, doch damit nicht genug. Der häufige Verzehr von tierischen fetten in Kombination der einer heute oft vorkommenden Bewegungsarmut sorgt zudem für Übergewicht, verstopfte Arterien und andere Krankheiten der reichen Länder. Weiterhin werden viele Tiere quasi dauerhaft über ihr kurzes Leben mit Tiermedikamenten gefüttert, die der Mensch dann z.T. über den Verzehr des Fleischs auch aufnimmt. Außerdem besteht durch den flächendeckenden Einsatz von Antibiotika die Gefahr, dass Bakterien immer resistenter werden könnten.


Grafik: CC-BY-SA Heinrich-Böll-Stiftung, BUND, Le Monde diplomatique

Immer mehr Veganer, Vegetarier und Menschen, die bewusst weniger fleisch essen

Während vor allem in den Schwellenländern immer mehr Fleisch gegessen wird, ist er in einigen Industriestaaten mittlerweile sogar rückläufig. Allen voran in den USA – dem Land der immer noch größten Fleischkonsumenten – in dem er im letzten Jahr um ganze 12 Prozent zurück ging. Neben der Wirtschaftskrise sorgen dafür vor allem auch immer mehr junge Amerikaner, die meist höher gebildet sind und bewusst auf Fleisch verzichten oder den Konsum zumindest reduzieren.

Auch in Deutschland wächst die zahl der Fleischverweigerer und im Gegenzug zum immer billiger und immer größere Portionen Trend hat sich in den letzten Jahren auch eine andere Haltung zu Fleisch und Lebensmitteln herausgebildet. Immer mehr Menschen essen weniger Fleisch und achten dafür darauf, dass das gekaufte dann dafür aus biologischer Erzeugung stammt oder besonders hochwertig ist. Wer nicht komplett zum Vegetarier werden will kann so etwas für seine gesundheit und unsere Umwelt tun.

Im englischsprachigen gibt es dafür z.B. den Begriff “Weekday Vegetarian”, womt jemand beschrieben wird, der etwa in der Woche auf Fleisch verzichtet, am Wochenende aber schon auch mal ein Steak genießt. Schließlich ist die Welt nicht Weiss oder Schwarz, sondern es gibt auch viele Stufen dazwischen. Wem es also zu schwer fällt, komplett zu verzichten, der kann es ja einmal mit einer Reduzierung versuchen.

Der Fleischatlas – kostenlos erhältlich

Der Fleischatlas wird gemeinsam von Le Monde diplomatique, dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegeben. In ihm erhält man Einblicke in globale Zusammenhänge, die mit unserem Fleischkonsum verbunden sind. Dinge, die man in den Werbespots für Wurst oder auf den Verpackung von Wurst und Fleisch im Supermarkt nicht findet. Denn nur informierte und kritische Konsumentinnen und Konsumenten können richtige Entscheidungen treffen.

Weitere Informationen und zum kostenlosen Download: www.fleischatlas.de