Die Buchmesse von Helsinki

Von Rmsarah15

In manchen Ländern des Mittelmeerraumes, besonders in Spanien, finden Buchmessen normalerweise im Frühling oder Sommer statt. Als Veranstaltungen unter freiem Himmel verändern sie für einige Wochen das Erscheinungsbild von repräsentativen Stadtteilen und strahlen einen festlichen Charakter aus, der auf eine gewisse Art den rein kommerziellen Aspekt der Messe in den Hintergrund zu stellen scheint, wobei es im Grunde natürlich genau darum geht.

Obwohl es stets reichlich Konferenzen und runde Tische in den dafür vorgesehenen Pavillons gibt, so befinden sich die Publikumsmagneten doch im äußeren Bereich: vor den Tischen der Lieblingsschriftsteller des Publikums, wo sich Menschenschlangen bilden, damit diese sich ihre eben erworbenen Bücher signieren lassen und die Gelegenheit nutzen, kurz mit ihren Idolen zu plaudern und ein persönliches Erinnerungsstück mitzunehmen, welches manch einer für den Rest seines Lebens wie einen Schatz hütet. Ebenso auf den Terrassen, wo ein kühles Bier gegen die Hitze und die Erschöpfung Wunder wirkt, die uns nach den Rundgängen durch die verschiedenen Stände überkommen, und dem Durchblättern von dutzenden, vielleicht hunderten Büchern, die unsere Aufmerksamkeit schon alleine dadurch erregen, dass sie an den Ständen jedes Verlages und jeder präsenten Buchhandlung zu sehen sind (angefangen bei Kopien von mittelalterlichen Stundenbüchern sowie den jüngsten polemischen Werken von Houllebecq oder Amélie Nothomb – die beide eventuell auf der Messe für Autogrammstunden anwesend sein werden – über delikate und außergewöhnliche Botanikabhandlungen aus dem 19. Jahrhundert, bis hin zu den Anatomiebüchern von Vesalio, die Stiche der Embleme aus „Atlanta Fugiens“, sowie solch banale Objekte wie das jüngste unsinnige Buch, welches uns dazu einlädt, und die Formel gleich parat hat um, viel Geld ohne Skrupel und jedwede Gewissensbisse zu machen, so dass unser Gewissen, im Gegenteil, sogar bereichert und gereinigt daraus hervor geht, dass wir die augenscheinlich grundlegendsten Prinzipien der Quantenmechanik befolgen, über die wir ganz nebenbei einen Schnellkurs bekommen, der diese außerdem mit vier schlecht erklärten Klischees über die prestigeträchtigsten orientalischen Religionen verbindet und somit erlaubt, dass wir uns für den gleichen Preis auch noch erleuchtet fühlen), das immer wiederkehrende zufällige Aufeinandertreffen, das uns in Verbindung mit der Sinnlichkeit der bevorstehenden Jahreszeit einen Horizont voller ritterlicher Geschichten und geisterhafter Reisen in die Vergangenheit eröffnet.

Die Buchmesse von Helsinki, die vom 27. bis 30. Oktober im futuristischen und glänzenden Exhibition and Convention Centre der finnischen Hauptstadt stattfindet (http://web.finnexpo.fi/Sites1/HelsinginKirjamessut/en/Pages/default.aspx), präsentiert sich unter etwas anderen, jedoch nicht minder interessanten Charakterzügen. Im kristallinen Innern der bewundernswerten funktionellen Architektur des Kongresszentrums (welches ganze sieben Messeparks und mehr als 40 Konferenzsäle unterschiedlicher Größe beherbergt, sowie rund ein Dutzend Cafeterias und Restaurants und eines der modernsten und namhaftesten Hotels Finnlands) lassen der soziale Aspekt und spontane zwischenmenschliche Meinungsaustausch den minuziös organisierten, mehr als 700 Festakten zu Themen rund um die Verlagswelt den Vortritt, die auf verschiedenen Bühnen und Sälen des Zentrums, sowie an den Ständen der über 300 teilnehmenden Ausstellern stattfinden (darunter Verlagshäuser, Buchhandlungen und verschiedene kulturelle Gesellschaften).