Die Bücherdiebin

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awesomatik auf Buchfühlung 
Die Bücherdiebin – Markus Zusak

Da war es wieder. Eines dieser Bücher, an dem scheinbar kein Weg vorbei führte. Ein Roman, der einem von allen Seiten empfohlen wurde und der stets über den grünen Klee gelobt wurde.
Und wie so oft, verspürte ich nicht die geringste Lust ihn lesen. Doch woran lag es? Vielleicht an dem billig wirkenden Young-Adult Cover? Oder war es vielleicht doch die Empfehlung der Zeitschrift Freundin (!) auf dem Buchrücken:
Lakonisch und anrührend, witzig und traurig – ein ganz besonderes Buch. 

Wahrscheinlich hätte ich es nie gelesen. Doch wie es das Schicksal wollte, habe ich das Buch im Rahmen der Aktion Blogger schenken Lesefreude gewonnen. Und so schaute ich eines Tages dem geschenkten Gaul ins Maul, nur um das Buch wutentbrannt nach dreißig gelesenen Seiten in die Ecke zu feuern.

Was für ein Scheiß! Die Geschichte wird vom Tod erzählt? Und dann auch noch auf so unerträglich rührselige Weise, dass man nur im Strahl kotzen möchte. Die Perspektive von diesem Mist noch 500 weitere Seiten zu lesen, ließ mich erschauern.
Doch zwei Romane später lag Die Bücherdiebin immer noch in Reichweite auf meinem Nachttisch und ich sagte mir, dass die Handlung unmöglich so schlecht weitergehen konnte, da sie sonst nie im Leben so viele Anhänger hätte finden können.

Also beschloss ich der beliebten Diebin noch eine letzte Chance zu geben….

Und tatsächlich! Was für eine freudige Überraschung! Ab Seite 40 fing die Geschichte an wirklich interessant zu werden. Und auch der nervige Erzähler trat zu Gunsten der Protagonisten in den Hintergrund.

Doch worum geht es eigentlich?
Deutschland 1939 –  im Alter von neun Jahren wird Liesel Meminger zu einer Pflegefamilie in einen Vorort von München geschickt.  Ihr akkordeonspielender Pflegevater bringt ihr das Lesen bei und entfacht damit ihre Liebe für Worte und Literatur. So führt sie ein relativ normales Leben zwischen  Schule und Fußballspielen mit den Nachbarskindern bis eines Tages ein jüdischer Junge die Familie um Asyl bittet und fortan von ihnen im Keller versteckt wird. 

Dem jungen Australier Zusak gelingt es vor allem auf den ersten dreihundert Seiten eine mitreißende Geschichte mit liebenswerten Charakteren zu erzählen. Alltag in Kriegszeiten – wegbleibende Arbeit, Rationierung der Lebensmittel, Propaganda.
Die Familie versucht trotz widriger Umstände ein normales Leben zu führen ohne sich dem NS-Regime direkt zu widersetzen. Doch als sie den jungen Juden Max bei sich aufnehmen, begeben sie sich in Lebensgefahr.

So weit so interessant. Leider merkt man an vielen Stellen, das hier keine wahre Geschichte erzählt wird. Zahlreiche Wendungen wirken inszeniert und dramatisiert. 
Die eigentliche Geschichte um den wiederholten und titelgebenden Bücherklau der Protagonistin fand ich wenig glaubhaft und vor allem uninteressant (Die Magie der Bücher zu beschreiben ist  Zafón mit “Im Schatten des Windes” deutlich besser gelungen).

Unglaublich ärgerlich sind die ständigen Vorwegnahmen des Erzählers. So weiß der Leser schon weit vorher, wann und wie, welcher Protagonist sterben wird. Als dann schlussendlich die Helden von ihrem Schicksal eingeholt werden, kann man fast nur noch mit den Schultern zucken. Das Experiment den Tod als Erzähler einzusetzen scheitert auf allen Ebenen. 

Dabei ist es schon verwunderlich wie gut und temporeich einige Passagen geschrieben sind während andere nur haarsträubend und kitschig sind (z.B. das wiederkehrende Thema der Farben).

Dennoch hat der Roman starke Momente und vor allem die liebevolle Zeichnung der Hauptcharaktere ist Zusak gut gelungen. 

Und obwohl man schon so viel über die der NS-Zeit gelesen hat, schockt einen die Grausamkeit und Absurdität der Judenverfolgung immer wieder aufs Neue.

Fazit 
Heiß, Kalt. Liebe, Hass. Die Lektüre war für mich eine wahre Achterbahn der Gefühle. Mal angewidert, mal mitgerissen, mal schulterzuckend, mal mitfiebernd.  
Für Jugendliche bietet die märchenhaft erzählte Bücherdiebin eine gute emotionale Basis für die Auseinandersetzung mit dem Thema NS-Diktatur. Und auch nachsichtige Erwachsen können zwischen Schmalz, Klischees und Pathos eine gute Geschichte finden. 

Wertung 3/5

1. Geht gar nicht   2. Is OK     3. Gut   4. Richtig gut     5. awesomatik!

awesomatik Kuriosum
Natürlich bleibt ein solcher Bestseller nicht lange unverfilmt. Ab Februar gibt es Die Bücherdiebin bei uns im Kino.

Prepare for Schmalz!

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