Die besten Newcomer aus Belgien, den Niederlanden und Deutschland kuratiert zusammen mit The Daily Indie und Dansende Beren

Über den Tellerrand ist oftmals leichter gesagt, als getan. Aus diesem Grund haben wir für euch jeweils fünf Newcomer aus den Niederlanden und Belgien von Musikblogs des jeweiligen Landes kuratieren lassen. Europa lebt!

Selbst in Zeiten der Digitalisierung und einem ständigen Wechselfluss von Informationen gehen doch oftmals viele, spannenden Acts unter. Aus dieser Tatsache heraus ist die Idee entstanden sich die heißesten Newcomer gegenseitig über die Landesgrenzen hinweg zuzuspielen. In Zusammenarbeit mit dem niederländischen Print und Online-Magazin The Daily Indie und dem belgischen Musikmag Dansende Beren ist eine Hotlist für das Jahr 2018 entstanden, die den europäischen Gedanken auf die Musik überträgt.

Den Beginn macht Dirk Baart für The Daily Indie und stellt uns fünf sehr unterschiedliche Acts vor, die momentan in den Niederlanden allesamt einen gewissen Hype haben. Weitergeführt wird die Liste von Niels Bruwier, dem Gründer von Dansende Beren, der sogar einen deutschsprachigen Act aus dem Hut zaubert. Abgeschlossen wird die Liste von unseren Tipps, den wir den beiden Magazinen zukommen haben lassen.

Eine Zusammenarbeit von The Daily Indie, Dansende Beren & The Postie.

Korfbal (NL)

Aus irgendeinem unerklärlichen Grund gibt es momentan in den Niederlanden einen Haufen Bands, die weniger hippe Instrumente wieder aufleben lassen. Wer jetzt jedoch denkt, dass es dabei nur um Fun geht, liegt falsch: die neue Welle nimmt ihre Gitarrenmusik sehr ernst. Ein gutes Beispiel dafür ist Pip Blom, die mit ihrem Laid Back Slacker-Song aus Amsterdam bekannt geworden ist, dabei gibt es außerhalb der Hauptstadt noch viel spannendere Musik. Irgendwo in der Umgebung von der nördlichen Stadt Dokkum zum Beispiel. Korfbal sind Jaap van de Velde (Yuko Yuko, The Homesick), Leon Harms (Vox von Braun), Marnix Visscher und Jesper Vos (Creey Karpis). Letztes Jahr haben sie ihre Debüt-EP “Hitkrant” veröffentlicht, die vier ziemlich rough klingende aber clever geschriebene Songs beinhaltet, die sehr schnell süchtig machen. Man kann sich also getrost schon mal auf Material vorbereiten, das irgendwo zwischen den besten Arctic Monkeys B-Sides und dem energiegeladenen Post-Punk von The Oh Sees liegt.

Pitou (NL)

Auf die Frage, wer momentan die niederländische Musikszene beherrscht, darf es keine zwei Meinungen geben: Frauen. Und das immer stärker. Letztes Jahr haben mit der Minimalistin Luwten und dem zukünftigen Pop Star Naaz gleich zwei Künstlerinnen den Durchbruch geschafft. Ähnliches könnte dieses Jahr Pitou Nicolaes gelingen. Pitou ist eine 23-jährige Folk-Sängerin, die einen Abschluss in klassischer Musik hat. Dies schimmert auch immer wieder in ihren himmlischen Songs durch, die aber genau so Spuren von Laura Marlings mysteriösesten Momenten aufblicken lassen. Der Song “Problems” besticht durch aufwendig arrangierte Elemente, die das Thema der (verlorenen) Liebe aufgreifen. Der heimliche Star ihrer Musik ist womöglich aber ihre Stimme. Verwunderlich ist das nicht, wenn man bedenkt, dass sie in ihrer Kindheit im nationalen Chor gesungen hat und mal eben so die Matthäus-Passion von Bach vorgetragen hat. Der Versuch sich den extrem persönlichen Komposition Pitous nicht zu verfallen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit scheitern. Dieses Jahr soll auch noch mehr Band-lastige Musik von der Musikerin erscheinen.

EUT (NL)

Nineties-Nostalgia ist zugegeben kein neues Phänomen und doch klingt die fünfköpfige Band EUT so fresh wie Damon Albarn’s Face noch ausgesehen hat, als Blur gerade so ein neues Ding in der britischen Musikszene geworden sind. Das war vor zwanzig Jahren. Mit dem Erfolg ihrer Debüt-Single “Supplies”, in der es um das Verstecken von deinen Drogen an den dunkelsten Ecken geht, wurden Eut sehr schnell die neuen Darlings auf dem Popronde Festival, das eine Art reisendes Festival für Newcomer ist. Angeführt wird die Band von der charismatischen Frontfrau Megan de Klerk. Derart catchy Musik wie die von den Schulfreunden EUT, haben die Bühnen der Niederlanden lange nicht mehr auf die Ohren bekommen. Ihr verschrobener Genre-Mix spuckt einen Post-Alles-Mix aus, der perfekt in die weirde Pop-Zeit der St. Vincents, Lordes und so weiter passt. Es scheint, als würde der Hype um EUT mit jeder Single größer und größer werden und Superstardom steht bereits vor der Tür.

Arp Frique (NL)

Es mag weird klingen, vielleicht ist es auch weird, aber es scheint so, als wären die feuchten, niederländischen Polders die perfekte Geburtsstätte für exotische Banger, die einem so richtig einheizen. Das niederländisch-türkische Psych-Rock-Kollektiv Altın Gün und die Mauskovic Dance Band (sehr passender Name) zählen sicherlich zu den der prominenteren Vertretern des Genres aber der vielversprechendste Acts sind zweifellos Arp Frique. Das Projekt des in Rotterdam lebenden Niels Nieubord bringt eine bunte Mischung an Musikern zusammen, die die Musik aus Surinam und Kap Verde huldigen. In einem Boogie Wonderland aus Synthesizern und treibenden Afro Beats hat Arp Frique eine kreative Niche gefunden, die sämtliche musikalische Grenzen auslöschen lässt. Letztes Jahr hat das Projekt eine erste EP namens “Nos Magia” veröffentlicht, die beim Label Rush Hour erschienen ist. Nieuborg geht regelmäßig mit Musikern aus dem Rush Hour Roster auf Tour und hat sich eine 100% Party-Garantie bei seinen Live-Shows hat erarbeitet. 

Charlie & The Lesbians (NL)

Dafür, dass die Niederlanden doch ein recht kleines Land sind, ist die Musik überraschend vielfältig und kommt in vielen Arten und Styles daher. Spiel und Spaß? Nein, viele Bands hierzulande sprechen lieber die schwierigen Themen des Lebens an. Die roughste und aggressivste Band, die momentan ihr Unwesen treibt sind Eindhovens Antwort auf The Stooges und die Sex Pistols – Charlie & The Lesbians. Charlie Hoeben, der Kopf dieser brachialen Punk-Band ist tagsüber der nette Schuhverkäufer und wird bei Dämmerung zum wahnsinnigem Mad Man. Der auf eine weirde Art und Weise charismatische Caveman führt ein nihilistisches Kabinett der Kuriositäten an und ist bewaffnet mit mephistophelischen Songs, die über den Tod und das Verderben handeln. So ist es schon fast der natürliche Lauf der Dinge, dass das bizarre Quartett so ziemlich jede Venue ein bisschen weniger hübsch verlassen als vor dem Konzert.

Gestapo Knallmuzik (B)

Wie der Name verrät, handelt es sich bei Gestapo Knallmusik tatsächlich um drei deutsche Freunde, die aus unbekannten Gründen in Belgien gelandet sind. Dort machen sie die Bewohner mit ihrer Musik, die es schafft jedem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, happy. Die Band schreibt lustige pop songs in einer Mischung aus Deutsch und Niederländisch und bei ihren Live-Auftritten schaffen sie es immer eine riesige Party loszutreten. Gestapo Knallmusik spielt so gekonnt mit Clichés, dass sie jeden Zuhörer mit Leichtigkeit in den Bann ihrer umfassenden Bandgeschichte ziehen. Ihre Musik ist dabei so einprägsam, wie einfach. Hits wie “Angela Merkel”, “Schüren mit ein Schürpapier” und “Wir Gehen von Grond” haben sich bereits tief ins kollektive Gedächtnis der Fans eingeprägt. Es ist auf jeden Fall Zeit, dass Gestapo Knallmusik auch außerhalb der Belgischen Grenzen gehört wird, wie zum Beispiel in ihrem Heimatland.

Shht (B)

Es gibt eine ganze belgische Szene, die sich mit absurder Musik befasst. Der neuste Spitzenreiter der lauteren Seite des Spektrums ist Shht. Die Gruppe ist zu gleichen Teilen von Kanye West, den Beatles und Jesus Christus persönlich beeinflusst. Dank ihres quirligen Frontmanns gleichen ihre Liveshows in Sachen Wahnsinn ihrem Studiomaterial. Er scheint immer eine Decke zu finden, von der er hängen kann, ganz zur freunde seines ravenden Publikums. Einige würden vielleicht sagen, dass die verzerrten Vocals anstrengend zu hören sind, aber sie sind genau das, was Shht besonders macht: sie haben das Comeback der Autotune sicher gemacht. Besonders ist allerdings ein Understatement wenn es um Shht geht: Diese Band ist das Neue Absurde.

Danny Blue & The Old Socks (B)

“Nur, weil es keine Wellen gibt, heißt das nicht, dass in Antwerpen nicht gesurft wird.” Das müssen sich Danny Blue & The Old Socks gedacht haben. Dank ihrer sonnigen Songs, surfen die Einwohner der Stadt, die der Schelde kreuzt jetzt immer Richtung Sommer. Der lebhafte Garage Rock der Gruppe ist positiv und aufregend, weil er nicht übermäßig kompliziert ist. Genau das ist die Stärke der Gruppe, in der Mac DeMarco The Drums und eine Prise Kurt Vile aufeinandertreffen. Einerseits ist das Musik für den Sommer mit einem kalten Bier in der Hand. Andererseits soll dich diese Musik immer in eine sommerliche Stimmung bringen, egal welche Jahreszeit.

Whispering Sons (B)

Whispering Sons ist eine der besten belgischen Post-Punk-Bands die es gibt. Das Quintett besteht aus vier Männern und einer Frau, die sich sehr gut um die Vocals kümmert. Whispering SOns gründeten sich 2013 und veröffentlichten ihre erste EP “Endless Party” 2015. EIn Jahr später gewann die Band die prestigeträchtige Humo’s Rock Rally, was sie in die Ränge von belgischen Legenden wie dEus, Goose und Milow stellte. Im Sommer 2016 spielten Whispering Sons eine herausragende Performanve auf dem Pukkelpop-Festival und seither verbessert sich die Band. Heute spielt die Gruppe mehr im Ausland als in Belgien und so gewinnen sie jeden Tag neue Fans. Whispering Sons ist eine Band für Leute die dem Mondänen entkommen wollen und auch gerne mal das Dunkle in ihnen selbst erkunden. Nie zuvor gab es eine Band die gleichzeitig so düster und so groovy war. Wir flüstern: behaltet sie im Auge.

dirk. (B)

Nachdem er zwei Platten mit der Vampire Weekend beeinflussten Band Protection Patrol Pinkerton herausgebracht hatte, wollte Jelle Denturck (aus dem westflämischen Teil von Tielt) etwas neues starten. Der Frontmann begab sich also in rauere Wasser. In Zusammenarbeit mit schnell versammelten Freunden gründete er dirk, was ursprünglich eher als Spaß gemeint war, als als ernsthafter Karrierewechsel. Drei Jahre und ein dritter Platz bei der Humo’s Rock Rally später ist dirk eine der aufregendsten Rockbands in Belgien. Ihr passendes betiteltes Debüt-Album wurde kürzlich veröffentlicht und wird auf jeden Fall Löcher in deine Fenster, Türen und Wände pusten. So hart kann es werden, wenn diese Jungspunde sich gehen lassen. Ihnen ist es herzlich egal, was man über ihren heavy non-sense Rock und ihre kurzen, klugen Songs mit einem gerissenen Humor denkt. Kurz gesagt: Sies in dirk.

LIA LIA (D)

Die in Berlin lebende Künstlerin LIA LIA ist cool, entspannt und bringt alles mit, was man für Urban Pop Music braucht. Die Tatsache, dass sie bereits rund um den Globus in Metropolen wie Shanghai, Buenos Aires, Santiago und Köln verweilt hat, hört man ihrem Sound deutlich an. Die Vocals sind ziemlich laid back und erinnern in Singles wie “Olymp” oder “Kids” manchmal schon auch an K-Pop, dabei sind ihre Themen durchaus ernster. Es geht um Probleme, die eine ganze Generation betreffen und handeln beispielsweise über Videospielsucht oder soziale Phobien. LIA LIA macht genau dies zu ihrer Musik und versucht dabei aber auch immer eine persönliche Ebene mit einzubringen. Man fühlt sich sehr direkt angesprochen und trotzdem kann man sich auch einfach zurücklehnen und den Vibe des Songs genießen.

Search Yiu (D)

Man findet sie in jedem Musikmagazin und jedem Blog – 80’s und 90’s angehauchte Musik. Aber, dass sich ein Musiker ein Vorbild an den 00er Jahren nimmt ist doch verdammt neu. Der in Berlin lebende Search Yiu aka Sören Hochberg macht düsteren RnB, die auf eine Singer/-Songwriter Attitüde trifft. Dieser einzigartige Sound ist irgendwann in der WG zusammen mit Drangsal entstanden, war aber gleich zu höherem berufen. Ein introvertiertes Ding sollte es nie werden. Deswegen arbeitet er mit Dudes wie BLVTH oder Silkersoft zusammen, die mal so Probs von keinem geringeren als Ryan Hemsworth bekommen. Obwohl der Sound von Search Yiu relativ groß klingt, ist die neue Single des Pfälzers recht tricky. In “God Complex” geht es um Selbstzweifel und den Versuch Antworten zu finden. Trotz allem verliert der düstere Sound von Search Yiu nie seine Catchiness. Gott sei Dank.

FIBEL (D)

Die Band mag zwar FIBEL heißt, klingen tut sie jedoch völlig anders. Sie klingen, als wären sie bereits Jahrzehnte im Business und den Sound der Band aus Mannheim könnte man als von den 80’s inspirierten Post-Wave nennen. Man wird mitgenommen auf eine Reise in das Land Melancholia. Ein Ort an dem es für Oberflächlichkeit, Selbstbetrug und Missmut keinen Platz mehr geben soll. Die Lyrics sind schnörkellos und werden von einem roughen Gitarrensound geleitet. Die Tatsache, dass sämtliche ihrer Texte in Deutsch sind, macht das Gesamtkonstrukt noch direkter. Letztes Jahr haben sie eine explosive Show vor ausverkaufter Venue beim Reeperbahn Festival gespielt, das als hervorragendes Newcomer-Festival über die Grenzen weg bekannt ist. Für den kommenden Sommer konnten sie sich außerdem einen Slot beim Maifeld Derby in der Homebase Mannheim sichern. Wir dürfen gespannt auf neue Musik von FIBEL warten.

Der Ringer (D)

Der Ringer sind Future. Warum? Naja, habt ihr irgendwo mal davor Indie Pop mit einer Autotune Infusion gehört? Denn genau so klingt die DNA der jungen Band aus Hamburg. Die fünfköpfige Band bestehend aus Jonas Schachtschneider, Jakob Hersch and Jannik Schneider, David Schachtschneider und Benito Pflüger haben es zwar auf viele Hotlists des vergangenen Jahres geschafft. Ihr Sound ist aber so einzigartig und spannend, dass man ihn nicht genug würdigen kann und deswegen gehören sie auch 2018 auf die Liste. Das Songwriting ist so sehr introvertiert und selbstzerstörerisch, dass selbst ein Ian Curtis Gefallen daran finden würde. Selbst, wenn man die deutschen Lyrics nicht verstehen sollte, kann man einfach den experimentellen Mix aus Cloud Rap, Trap, New Wave und Indie auf sich wirken lassen. Der Autotune hebt dieses Konstrukt dann noch in andere Sphären. Sie benutzen es als Tool und schaffen dadurch quasi ein neues Instrument für ihre Art der Musik. Der Ringer werden höchstwahrscheinlich sämtliche Genre-Klischees, die du bis dato hattest, zerstören.

RIKAS (D)

RIKAS sind junge Dudes aus Stuttgart. Für tropische Stimmung ist die Schwabenstadt jetzt nicht besonders bekannt. Dies hindert RIKAS aber nicht daran sonnigen Indie Pop Hymnen zu schreiben, die allesamt das Potenzial für den nächsten Sommerhit haben. Die Band ist mit ihrem Jangle Pop bereits durch eine Vielzahl europäischer Städte getourt. Doch es gibt nicht nur Sonnenschein bei RIKAS. Ihr Songwriting hat überraschend deepe Momente. Es gibt um das Alleinsein, das Vergessenwerden und trotzdem bekommt man immer den Eindruck vermittelt einfach das Beste daraus zu machen. Schnapp dir also das funkyste Hemd, das der Kleiderschrank so hergibt und kauf dir gefälligst den sommerlichsten Cocktail an der Bar. Dann bist du bestens auf die nächste RIKAS-Reise vorbereitet. Sie sind erst kürzlich in Amsterdam aufgetreten und wurden von einer der größten Booking-Agenturen Deutschlands gesignt. Die Zukunft ist fast so strahlend, wie die Musik der Band.

Die Links zu den jeweiligen Websites findet ihr hier:

The Daily Indie (Texte von: Dirk Baart)

Dansende Beren (Texte von: Niels Bru


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