Die Autoren-WG

Kühnes Fernsehformat. Kaum beachtet. Kaum Einschaltquoten. Die sind alles. Für die würde ein Programmchef den linken Arm seiner Mama hergeben. Die Quoten sind das Maß aller Dinge.
Sieben Autoren. Ein Loft in Berlin. Sie müssen ihre Texte an einen Verleger bekommen. Sonst fliegen sie aus der WG. Nur wer verkauft, kann sich an der Miete beteiligen.
Peer, 37 Jahre, schreibt Lyrik. Seine müden Augen werden von der Kamera erfasst.
Peer erzählt: Meine Mama … Ich kann immer noch nicht darüber sprechen. Meine Mama ist an Krebs gestorben.
Peer wischt sich eine Träne aus dem Auge. Den Programmchef freut das. Endlich wieder mal eine persönliche Tragödie. Peer will anschließend eines seiner Gedichte vorlesen.
Der Programmchef sagt: Lass das. Du machst sonst den ganzen Eindruck kaputt.
Robert, 58 Jahre, war früher eine große Nummer. Zugegeben: Er war eher eine halbgroße bis viertelgroße Nummer im Literaturbetrieb. Inzwischen will ihn keiner der großen Verlage mehr in seinem Programm haben. Robert streicht sich über den Kopf und lächelt charmant in die Kamera.
Robert sagt: Die Leute haben nicht mehr den Mut über den eigenen Tellerrand zu blicken. Ich wage mich noch an den großen Wurf.
Robert blickt einen Augenblick verzückt zur Zimmerdecke.
Schnitt.
In der Autoren-WG ist stets was los. Frauen und Männer kommen und gehen. Es wird diskutiert. Jeder möchte über seine Arbeitsweise reden. Über das eigene Werk. Über die Kritiker schimpfen.
Robert: Ich steh auf einer schwarzen Liste. Was soll ich machen? Die wollen keine Genies in diesem Land.
Peer: Ich habe meine Situation in einem Gedicht verarbeitet. Ode an meine linke Socke. Will es jemand hören? Nein? Dann könnte ich noch über die letzten Minuten meiner Mutter erzählen.
Kai hat einen Fantasy-Roman geschrieben. Robert will mit Kai nicht reden.
Robert: Das ist doch keine Literatur.
Kai ist das einerlei, weil er eh die meiste Zeit vor seinem Computer sitzt und schreibt.
Kai: Ich habe schon wieder einen Roman verkauft.
Peer: Wahnsinn.
Robert: Aber man wird seine Werke niemals an den Universitäten untersuchen.
Stimme aus dem Off: Sag mal, Robert, du hast doch bestimmt eine tragische Geschichte auf Lager.
Robert: Was wollen Sie denn jetzt hören.
Stimme aus dem Off: Etwas über den Herzinfarkt deines Vaters.
Robert: Nein. Darüber möchte ich nicht reden.
Peer fliegt aus der Autoren-WG. Lyriker haben es einfach schwer. Robert hat einen kleinen Verlag gefunden. Immerhin. Und Kai hat gerade die Idee zu einer ganzen Serie über eine Ork-WG an einen großen Verlag verkauft.
So ist es in der Autoren-WG. Das Leben geht weiter.
Schalten Sie also auch nächste Woche wieder ein.



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