Derwische protestieren im Nordosten Irans

Von Mehriran

27.04.2011Artikel zu Iran Politik & Gesellschaft erstellt von Helmut N. Gabel

In der nordostiranischen Stadt Beydokht soll es diese Woche Proteste von Gonabadi-Derwischen gegen die Vorladung ihres Führers vor Gericht gegeben haben. Dies berichtet Radio Farda von RFE/RL.

Dr. Nour Ali Tabandeh Majzob Alishah, ehemaliger Richter, Oberhaupt des Nematollah Gonabadi Sufi Ordens, Befürworter von selbständigem Denken, bürgerlichen Rechten und Demokratie

Mostafa Azmayesh, Vertreter der Sufi-Gemeinschaft Nematollahi Gonabadi Sufi Muslim Community außerhalt Irans, erklärte gegenüber Radio Farda, ca. 5000 Derwische aus verschiedenen iranischen Städten hätten sich am 25. April in Beydokht versammelt, wo Führer des Ordens begraben sind.

Nour Ali Tabandeh, Führer des Derwisch-Ordens Nematollahi Gonabadi, war wegen des Vorwurfs „der Gefährdung der öffentlichen Gesundheit durch Beisetzung von Toten im Soltani-Schrein in Beydokht“ von einem Teheraner Revolutionsgericht  vorgeladen worden.

Azmayesh zufolge verbieten die Behörden den Derwischen, ihre Toten in diesem Schrein zu bestatten, da dies „unhygienisch“ und daher illegal sei.

Trotz des Verbots versuchen die Derwische Azmayesh zufolge weiterhin, ihre Toten traditionsgemäß in dem Schrein zu bestatten. Dafür seien mehrere Derwische verhaftet und eingesperrt worden.

Acht Gonabadi-Derwische, die gegen das Bestattungsverbot in Beydokht protestiert hatten, waren am 13. April verhaftet worden.

Azmayesh zufolge werden die Derwische ihren Protest so lange fortsetzen, bis ihre Forderungen erfüllt werden.

Das US-Außenministerium sprach in seinem letzten Bericht zur Religionsfreiheit von „wachsenden Repressionen der Regierung“ gegen Sufi-Gemeinschaften und religiöse Praktiken in Iran.

Quellen: Julia's Blog

Veröffentlicht bei Radio Free Europe/Radio Liberty am 27. April 2011  Quelle (Englisch): http://www.rferl.org/content/dervishes_protest_in_northeastern_iran/16795717.html

Mein Kommentar dazu:
Mittlerweile hat der Staatsanwalt von Gonabad die Vorladung fallen gelassen. Es erschreckt das Regime immer wieder, wie schnell die Derwische auf solche Attacken reagieren. Sie wollen Ruhe auf den Straßen, um nach Außen zu zeigen, dass die Protestbewegung erloschen ist. Nachdem man Karoubi und Mousavi ruhig gestellt hat, hofften bestimmte Teile der Machtelite im Iran auch die Derwische zum Schweigen bringen zu können, indem ihr Führer durch fadenscheinige Gründe „gekidnappt“ würde. Dies ist wieder nicht gelungen und Dank der Öffentlichkeit – leider bisher nur in persischsprachigen Medien – wird es auch in Zukunft nicht gelingen.

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