"Der Zwerg reinigt den Kittel" von Anita Augustin

Ullsteinverlag

336 Seiten
ISBN 9783550080050
Ullstein-Verlag
Preis: 14,99€
Taschenbuch
Eigentlich wollten die 4 alten Damen mal ein bisschen Urlaub machen. Und da sie nicht mehr so rüstig und reich sind, um in einem flotten Wellness-Hotel abzusteigen, hauen sie den medizinischen Dienst der Krankenversicherung, kurz MDK, übers Ohr und nisten sich in einem Altenheim, besser gesagt in einer Residenz ein. Da bekommt ja so einiges geboten, zum Beispiel Ganzwaschung, Einläufe, gesellige Mahlzeiten, gemeinschaftliche Kreativworkshops, flotte Zivis und und und. Genau das Richtige, um das Alter zu geniessen . . . oder nicht?
Blöd ist nur, dass die Damen jetzt wegen schwerer Körperverletzung im Knast sitzen. Ihre letzte Chance sind Gespräche mit dem Psychologen Dr. Klupp, um aus der Nummer wieder irgendwie heraus zu kommen.
Wie sie dahin gekommen sind, wollen Sie wissen? Tja, da müssen Sie die Geschichte wohl selbst lesen. Die Geschichte von der Rentnerin Almut Block, und ihren 3 Freundinnen Karlotta, Marlen und Suzanna, die sich schon seit ihrer Jugend kennen.
Meine Meinung
Oh weh, was für eine durchgedrehte Truppe hat sich denn da gefunden? Vier alte Damen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Jede von ihnen hat einen ganz besonderen Charakter, die eine fett und faul, kichert den ganzen Tag vor sich hin, die andere aufgebretzelt bis zum geht nicht mehr, eine alte, ewig besserwisserische Lehrerin und Almut, die den ganzen Tag raucht wie eine Esse, massive Schlafstörungen und ein massives Aggressionspotenzial hat. Die Hauptperson ist Almut, über ihre Gespräche mit Dr. Klupp werden ausführlich berichtet.
Abwechselnd befindet sich der Leser dabei im Altenheim und im Gefängnis, manchmal auch im abgelaufenen Berufsleben.
Jeder dieser Bereiche hat seinen Reiz, man erfährt viel über Almut, ihre Befindlichkeiten, ihr Berufsleben, ihre Vergangenheit, ihr Dasein als Rentnerin. Das ist einerseits so ironisch, dass es zeitweise schon sehr übertrieben wirkt, andererseits aber auch erschreckend realitätsnah. Es gibt Szenen im Altenheim, die mich sehr an Szenen aus meinem Berufsleben erinnern, und obwohl sie oftmals einen traurigen Hintergrund haben, konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen.
Stellen Sie sich einfach eine kleine, runzelige alte Dame vor, die mit flatterndem Nachthemdchen und halb herabgerutschem Inkontinenzhöschen durchs Zimmer tänzelt und vor sich hersingt, dazu einen frischen Zivi, der das erste Mal in seinem Leben einen alten Menschen waschen soll, und eine hektische Altenpflegerin, die überall gleichzeitig ihre Augen haben muss und völlig dekompensiert. das Ganze wird begleitet von alles übertönender Blasmusik, um die Bewohner zu wecken. Sorry, da hatten meine Lachmuskeln allerhand zu tun. Andere nennen es Hysterie.
Und auch der auf dem Cover abgebildete Müllsack hat durchaus seine Berechtigung, passen doch oftmals sämtliches Hab und Gut eines Menschen in genau solch einen Sack, traurig, ich weiß!
Im Verlauf der Geschichte wird langsam klar, was es mit dem Gefängnisaufenthalt wirklich auf sich hat und wie die Situation eigentlich wirklich aussieht. Mehr mag ich hier nicht verraten, aber es ist nicht alles so, wie es scheint.
Die Idee, die aber letztendlich dahinter steckt, ist abstoßend, das hat mich am Ende echt sprachlos gemacht, aber lest einfach selbst. Achja, der Titel ist angelehnt an den Spruch "Der Zweck heiligt die Mittel", aber Frau Wimmer aus dem Kreativworkshop, ebenfalls Bewohnerin in der Residenz, fiel nur das ein.
Unterm Strich
Traurig, witzig, ironisch, sarkastisch, all diese Begrifflichkeiten treffen es, was hier vor sich geht. Aber Achtung, man darf nicht alles so bierernst sehen, auch wenn es ernst ist. 4 Sternthaler von mir.
Die Autorin
Anita Augustin, geboren 1970 in Klagenfurt, hat in Wien Philosophie und Theaterwissenschaft studiert und an der Ersten Österreichischen Barkeeperschule ihr Diplom gemacht. Nach Stationen in New York und London lebt sie heute als freie Dramaturgin in Berlin.
Quelle: Ullstein Autorenseite
Vielen Dank, meine liebe Gitta, dass Du mir dieses Buch geschenkt hast.


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