Der Zionismus - seine Theorien, Aussichten und Wirkungen (Teil 7)

Der Zionismus - seine Theorien, Aussichten und Wirkungen (Teil 7)
IV. DIE WIRKUNGEN DES ZIONISMUS
d) Zionismus und Vaterlandsliebe
Die Zionisten sind, sobald es sich um die äußerliche Betonung ihres Verhältnis zum Deutschtum handelt, durchaus keine Revolutionäre. Sie verlangen im Gegenteil strengste und gewissenhafteste Erfüllung der staatsbürgerlichen Pflichten, und das scharfe Betonen ihrer durchaus korrekten staatsbürgerlichen Haltung, die Hervorhebung ihrer Bereitwilligkeit, alle Lasten, die das Vaterland auferlegt, willig auf sich zu nehmen, schützt sie nach ihrer Meinung, vor jedem Vorwurf, den man ihnen aus ihrer Grundanschauung machen könnte. Denn diese besagt ja an sich, daß sie sich in ihrem „Niederlassungslande“ nur vorläufig einrichten, bis ein günstigeres Geschick es ihnen gestattet, ihre Herzenskraft ihrem eigentlichen Vaterlande, dem heiligen Boden Palästinas, zu weihen.
Ist nun das Verhältnis zum Vaterlande wirklich mit dem Verlangen der Zionisten erschöpft? Ist wirklich nichts erforderlich wie eine tadellose, ebenso korrekte wie kühle Erfüllung der staatsbürgerliche Vorschriften? Das Vaterland kann und muß mehr verlangen, es darf Liebe, begeisterte Liebe, fordern, innige, innerliche Hingabe an seine Kultur und alle ihre Aufgaben.
Nur wer sich eine seelische Verbindung geschaffen hat, nur wem seine vaterländische Gesinnung ein Teil seines innersten Ichs, und nicht der schlechteste Teil ist, hat das rechte Verhältnis gefunden, in welchem er zum Vaterland stehen muß.
Die echte Vaterlandsliebe sitzt tief im Herzen. Sie hat nichts zu tun mit äußerlichem Hurrapatriotismus, nichts mit überflüssigen, laut ausposaunten Loyalitätskundgebungen, die nicht nur bei Juden lächerlich wirken. Wir Juden wissen ganz genau, daß wir diese meiden, daß wir uns vor jeder übertriebenen Kriegsvereintheatralik sehr wohl hüten müssen. Nicht nur weil sie unecht und phrasenhaft ist, sondern weil vor unserer Seite zu solchen Lobeserhebungen gar kein Grund vorliegt. Wir sind uns dessen sehr wohl bewußt, daß uns unser Vaterland nicht so behandelt, wie es uns versprochen ward, wie die Gesetze der Ehrlichkeit es verlangen! Wir schreien nicht in Demut ersterbend Hurrah, sondern wir klagen an und klagen laut und wuchtig! Aber aus unseren Anklagen klingt ja die Liebe zu unserem Vaterlande heraus, spricht ja die Trauer, daß es nicht vollkommen ist, und wir führen den Kampf um unser Recht wie im unseren eigenen Interesse so auch aus Liebe zu unserem Lande!
Das Unrecht, das uns geschieht, darf uns nicht schwankend machen. Unser deutsches Vaterland hat noch andere Kinder, die es nicht nach Verdienst behandelt. Wie wir es bei ihnen als Verrat brandmarken würden, wenn sie statt um ihr Recht zu kämpfen, ihr inneres Verhältnis lösten und nur kühl und gezwungen Pflichten erfüllten, so steht es auch um uns Juden. Unrecht darf uns nicht schwankend machen, das Land und die Kultur zu lieben, die wir gefördert haben und die uns fördert. Und da der Zionismus diese innere Verknüpfung nicht verlangt, ja sogar verwirft, ist er es selber, der sich außerhalb des Vaterlandes stellt.
Auch hier zeigt sich eben wieder die Erscheinung, daß ihm der Rassenantisemitismus unanfechtbare Autorität ist. Deutschtum ist eben Deutschtum im Sinne unserer Rassenchauvinisten. Jede Forderung und Anschauung der alldeutschen Clique über Vaterlandsliebe ist dem Zionismus ein Evangelium. Daß nur der christliche, rassenreine Arier das Recht hat, deutsch zu fühlen, sich deutsch zu betätigen, sich deutsch zu nennen, ist ihm ganz selbstverständlich. Wenn der alldeutsche Rassenwahn den Juden einen Fremdling nennt und ihm die Berechtigung abspricht, an deutscher Kultur mitzuarbeiten, dann klatsch er entzückt Beifall. Jede Äußerung, die den Gegensatz zwischen Deutschtum und Judentum betont, wird jubelnd begrüßt und registriert, und die Aussprache, die sich vor kurzer Zeit im „Kunstwart“ an einen Aufsatz Moritz Goldsteins knüpfte, spricht nach dieser Richtung hin Bände.
Mit welch giftigem Hohne überschüttet doch der Zionismus jede vaterländische Regung und Tat eines deutschen Juden! Mit welchem Spotte versucht er ihm jede Betätigung seines deutschen Gefühls, jede Beteiligung an patriotischen Kundgebungen zu verekeln! Mit welcher Anmaßung versuchen russische und galizische Jünglinge, die noch fast auf die Schulbank gehören, erfahrenen alten deutschen Juden, die in der Arbeit für Judentum und Deutschtum ergraut sind, Vorschriften über ihre deutschen Gefühle zu machen! Auf den Gedanken, daß die Anschauung eines Rassenantisemiten auch mal falsch sein könne, kommt der rechtschaffene Zionist überhaupt nicht. Jeder von jenen ungerechten und gehässigen Fanatikern ist für ihn ein Engel, der ehrlich arbeitende und strebende Glaubensgenosse dagegen, der nicht nationaljüdisch denkt, ein verräterischer Schurke!
Wenn jüngst die Zionisten in Posen einen Beschluß gefaßt haben, daß jeder Gesinnungsgenosse sich Interessen in Palästina schaffen solle, so mag man über solche hohlen Demonstrationen lächeln; aber es steckt ein ernster Kern, nicht nur in dem Spott, der sich über unsere deutsche vaterländische Gesinnung ergießt, sondern auch in dem Jubel, mit dem man die antisemitische Fremdentheorie begrüßt, die das Ziel der Zionisten, das Schwergewicht der Zionisten allmählich nach Palästina zu verlegen, nur fördern kann. Denn alles geht auf eine systematische Entfremdung vom deutschen Vaterlande aus, die Zionisten schüren das Gefühl der Fremdheit und damit das der Gleichgültigkeit, sie schaffen künstlich den Spalt, den der Antisemitismus so gerne haben möchte und den er darum als gegeben voraussetzt.
Man braucht ja auf die Außenwelt nicht zu achten. Aber doch etwas bedenklich stimmt es doch, wenn die Judenfeinde aller Schattierungen – vom vornehmen Salonantisemiten der „Täglichen Rundschau“ bis hinab zu Leuten vom Schlage der „Wahrheit“ – den Zionismus freundlich begrüßen und in Nationaljuden die einzigen anständigen Juden erblicken. – Ihre Gründe sind klar und logisch, sie wittern Morgenluft! Der Zionismus arbeitet, gewiß ohne Absicht, ihnen in die Hände und ebnet ihnen, indem er die Kluft zwischen Juden und Christen immer mehr vertieft, den Weg zu einem fernen lockenden Ziel. Und dieses Endziel heißt: Aufhebung der Emanzipation, Aufhebung der Gleichberechtigung der Juden!
Teil 6

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