Der Winter seines Missvergnügens

Von Frank Benedikt
Der hochherrschaftliche Walzer währte nur einen Sommer lang – nun sieht sich der unlängst noch gefeierte Popstar der bundesdeutschen Politik, Karl-Theodor zu Guttenberg, zunehmend harten Anwürfen ausgesetzt. Der jüngste: Nachdem das Segelschulschiff Gorch Fock und seine Besatzung rund eine Woche medialen Kesseltreibens erfuhren, wendet sich die Besatzung in einem offenen Brief, der dem Spiegelfechter vorliegt, an den Verteidigungsminister.
Darin beklagen sich Mitglieder der Stammbesatzung darüber, falschen Vorwürfen ausgesetzt und von ihrem obersten Dienstherren faktisch im Stich gelassen worden zu sein:
Auch fehlte uns der Rückhalt unserer übergeordneten Dienststellen, welche sich zu keiner Zeit vor uns stellten oder sich nach unserem Befinden erkundigt haben. Dies alles vor dem Hintergrund unbestätigter Anschuldigungen, welche eine Gruppe von Petenten (Offiziersanwärter) in Form einer Eingabe an die Öffentlichkeit gebracht haben.
Auch die Politiker aller Parteien, die sich immer gerne im Bekanntheitsgrad des Schiffes sonnten, befinden sich in der Kritik:
Natürlich haben sich Politiker jeder Parteizugehörigkeit und übergeordnete Instanzen sehr gerne im Schein dieses Schiffes gefeiert. Genau diejenigen, die uns jetzt fallengelassen haben.
Zu recht wird auch das mediale Kesseltreiben moniert, das praktisch einer Vorverurteilung gleichkommt, obwohl es noch zu gar keiner Untersuchung gekommen ist. Den in der Presse aufgetauchten Anschuldigungen sexueller Belästigung erteilt die Stammbesatzung auch eine klare Absage:
Zu keiner Zeit wurde hier an Bord ein Soldat von einem anderen angefasst oder gar sexuell belästigt. Natürlich ist die Schiffsführung über die gefallenen Äußerungen nicht erfreut gewesen und hat daher entsprechende Konsequenzen gezogen, nämlich eine Musterung mit deutlichen Worten des Kommandanten an die Soldaten. So etwas wurde und wird hier an Bord nicht toleriert!
Und schließlich wurde der bei der Mannschaft beliebte Kommandant, Kapitän zur See Schatz, einfach ohne Untersuchungsverfahren und Anhörung abgelöst – eine äußerst unübliche Maßnahme:
Auch ist uns allen mehr als unverständlich, einen Kommandanten, der allseits beliebt ist, gut zu seiner Besatzung war und viele Entbehrungen auf sich und seine Familie genommen hat, um das Schiff gut zu führen, so abzuservieren, wie es hier der Fall war. Warum wurde ein zuverlässiger, loyaler Offizier ohne Untersuchung bzw. Untersuchungsergebnis so behandelt und bloßgestellt?
Es stehen schwere Vorwürfe gegen die Besatzung und Schiffsführung im Raum, die jetzt trotz “Maulkorberlasses” von der Stammbesatzung vehement bestritten werden. Damit steht in jedem Falle Aussage gegen Aussage und die Medien täten gut daran, sorgfältigst zu prüfen, bevor sie derart über das Schiff und seine Crew herfallen, denn ein guter Ruf ist schnell ruiniert.
Sollten die Klagen der Besatzung gerechtfertigt sein, wird der Minister künftig einen schweren Stand bei der Truppe haben und es stellt sich die Frage, ob er überhaupt noch der “rechte Mann am rechten Fleck” ist, da er nicht zum ersten Mal es an der Loyalität gegenüber seinen Untergebenen hat missen lassen.
Man mag zum Milititär und zur Marine stehen, wie man will – der oberste Befehlshaber hat auch eine Fürsorgepflicht für die ihm anvertrauten “Bürger in Uniform” und Loyalität muß stets nach beiden Seiten gelten. Sonst ist das Vertrauensverhältnis schnell zerstört und welcher Oberkommandierende kann erwarten, daß “seine” Truppen ohne Vertrauen in die Schlacht ziehen?

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