Der überraschende Rücktritt des Papstes

Ladies & Gentlemen,
kann ein Papst, der als Stellvertreter Gottes auf Erden gilt, eigentlich zurücktreten? Im Religionsunterricht habe ich in meiner Kindheit gelernt, dass der Papst niemals zurücktreten kann, weil das Ebenbild Gottes nicht einfach nur einen Beruf ausübt. - Seit heute weiß ich aber, dass es doch geht! Nach 700 Jahren ist zum ersten mal wieder ein Papst zurückgetreten.
Dass der Rücktritt des deutschen Papstes ausgerechnet am Rosenmontag, dem Höhepunkt der närrischen Zeit, bekanntgegeben wurde, mutet etwas seltsam an. Die Begründung ist aber logisch und sehr gut nachvollziehbar: Es sind die nachlassenden Kräfte des Alters, die den Papst zum Rücktritt bewogen haben.
Für die katholische Kirche bedeutet der überraschende Rücktritt kein Unglück, - auch wenn scheinheilig das Gegenteil beteuert wird. Schon nach 20 Tagen wird sich wieder ein strahlender neuer Papst darüber riesig freuen, das Amt des Oberhirten ausüben zu dürfen. 
Der Rücktritt des Papstes lässt aber nach meiner Meinung am Glauben und der Religion insgesamt weitere Zweifel aufkommen (auch wenn dieser Punkt von Würdenträgern aller Art und von Politikern nie ausgesprochen werden wird): Es stellt sich nämlich unterschwellig die Frage, weshalb Gott, der Chef des Papstes, entweder nicht in der Lage oder willens war, seinen Stellvertreter und sein 'Ebenbild' mit den nötigen Zusatz-Kräften auszustatten. Man sollte meinen, dass dies doch eine der leichtesten Übungen für den Big Boss sein müsste, zumal Benedikt seinem Vorgesetzten im Himmel ja sicher mit Rücktritt gedroht hatte. --- Peter Broell