Der Qualtinger die Zweite

Von Medicus58

Der Qualtinger die Zweite

Als Dank an Frau Kainz für die "Wiederentdeckung" der köstlichen Karikatur "Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein"
http://www.meinblog.at/dt/portal/content.php?regionId=0&topicId=4&language=dt&blogTyp=0&blogId=44688 
und alle, die den Bronner/Qualtinger Song "Der Arrivierziger" nicht parat haben, riskiere ich den Ärger von PreiserRecords (falls es die noch gibt), den Bronner Erben oder was weiß ich, ... und hab den Text abgetippt, den es offenbar im WWW wirklich nicht zum Nachlesen gibt.

Er passt nur so gut in die augenblickliche politische Diskussion in Österreich, dass das sein muss:

hoffentlich mit wenigen Tippfehlern ;-)

Grüss Sie Gott, na sag’n’s wie geht es denn?
Lang schon hab’n wir uns nicht geseh’ n.
Sie frag’n wie’s mir geht, ich bitt’ Sie seh’ns des net,
es geht mir wunderbar, das ist ja klar.

Weil,
ein alter Schulfreund, der’s mir gut meint,
tut was für mich im Ministerium.
An olt’n Nazi hob ich einst beschützt,
der is jetzt groß geword’n und hat mir sehr genützt.

Auch in der Leitung, einer Zeitung,
hab ich an guten Freund, der hilft mir sehr.
Auch in einer Bank, kennt man mich jahrelang,
so mocht ma heutzutag Karrier’.

Natürlich bin ich gut, mit beiden Partei’n,
denn nur auf eine, ist heut’ kein Verlass.
Charakter ist ein Luxus,
darum bin ich einmal dies und einmal das.

Was soll ich mir Sorgen machen, was die Leute morgen machen,
ich leb heut’ und heut’ hab ich Konjunktur.
Manager wie ich sind heute, Gott sei Dank, gesuchte Leute
und ich g’hör zur ersten Garnitur.

Wichtig ist, dass man sich niemals exponiert,
nie a eig’ne Meinung hat.
Drum hab’ ich wenn manchmal ein Malleur passiert,
immer einen Schmonk, als Sündenbock parat
und der soll sich die Sorgen machen, aber ich geh’ niemals krachen,
denn mit mir kracht so mancher große Herr.

Wo sich heut’ Intrigen spinnen, hab’ ich meine Finger drinnen,
einmal kreuz und einmal quer, sicher ist sicher.
Immer nach dem Höchsten streben,
nur so bringt man’s weit im Leben,
nur so macht man heut Karrier’.

Wos,
Sie sag’n dass das gefährlich ist, wenn man so wie ich ganz ehrlich ist.
Ich hab’ zu offen g’red, na glaub’n S ich bin so blöd,
es kann mir nix geschehn, Sie wer’n gleich seh’n:

Weil
ein alter Schulfreund, der’s mir gut meint, den ruf ich an im Ministerium,
der kennt an Menschen bei der Polizei,
dem sogt er wos er tun soll und ich bin sorgenfrei.

Auch in der Leitung einer Zeitung hob ich an guten Freund der dementiert,
s’kost an Pappenstiel, doch wer mir Schaden will,
der sitzt da und ist blamiert.

Ich glaub’ an Österreich und sage es laut,
doch manchmal bin ich auch Kosmopolit.
Und wenn sich einer hie und da zu stänkern traut,
KURIERt man ihn rapid.

Was soll ich mir Sorgen machen,
ich kann gut geborgen machen, was ich will,
denn ich hab’ eben Konjunktur.

Leut’ wie ich wer’n Direktoren,  manchmal sogar Professoren,
und dann machen sie auch in Kultur.
Ob’s beim Film als sachlicher Berater ist,
unsereinem mocht das sehr viel Spass.
Oder ob es irgendein Theater ist,
wenn man’s gut bezahlt, dann mach ich halt auch das.

Die Sorgen soll’n sich and’re machen, ich werd’ immer freundlich lachen,
arbeiten wird bestenfalls mein Sekretär.
Ich sitz da und halt die Fäden, daran zappeln alle Blöden,
niemand setzt sich mir zur Wehr - weil’s kann Sinn hat.

Leut’ wie ich sind auserlesen, eine Maus in allen Käsen,
die mocht halt bei uns Karrier’.

Grüss sie Gott, lieber Freund.