Der nackte Ivan (zum letzten Mal!)

Auf vielfachen Wunsch… aber es ist jetzt das letzte Mal, dass ich von Ivan erzähle. Nachher kriegen das noch Blondie und Rambo spitz, und dann? Wer will schon lesen, dass seine Katze auf dem Küchentisch intubiert wurde.

Es klingelte mal wieder an der Tür. Warum war ich zu Hause? Ich weiß es nicht. Es klingelte jedenfalls Sturm, ich konnte also nicht anders, als die Tür zu öffnen. Davor stand Blondie. Auf ihrem Arm – wer wohl. Ivan. Blondie heulte. Mal wieder. Ivan? Also, ich hätte ihn ja erst nicht erkannt. Aber an dem wilden Gefauche, als er mich erblickte, merkte ich dann, dass es wohl Ivan sein musste. Warum habe ich ihn nicht gleich erkannt? Nun, er sah in etwa so aus:

Der nackte Ivan (zum letzten Mal!)

Blondie hatte ihn komplett rasiert.

“Oh…” sagte ich. “Was ist geschehen?”
“Diese Pseudo… diese Erkrankung, sie ist wieder ausgebrochen.” schluchzte sie. “Ich habe gemacht, was du gesagt hast. Ich habe ihn ganz rasiert. Guck!” sie hielt mir das sch… Vieh hin, so dass ich ihn nehmen musste. “Er hat diese Hubbel im Nacken!” Ich tastete Ivans Nacken. Der war jetzt ja schlecht zu übersehen. Da waren tatsächlich zwei Hubbel.
“Mist.” murmelte ich. Ivan schlug nach mir. Ich schlug zurück. Blondie heulte auf.
“Ich muss ihn mal drinnen untersuchen. In Ruhe.” Ich wollte die Tür vor Blondie zuschlagen, aber sie drängte hinein.
“Ich will bei ihm bleiben!” jaulte sie.
“Ok. Aber du setzt dich dort hin.” Ich schob sie auf die Couch. Ivan versuchte, sich aus meinem Arm zu winden. Ich griff ihn am Nacken und ging mit ihm ins Arbeitszimmer und setzte ihn auf den Schreibtisch. Er blickte mich beleidigt an, blieb aber sitzen. Ich rechnete kurz die Wachtage nach… zu meiner Erleichterung stellte ich fest, dass Philipp Dienst haben müsste. Ich rief in der Klinik an, aber keine Antwort. Egal, dachte ich, und rief Philipps auf seinem Handy an. Nach drei Mal Klingeln ging er ran.
“Anna, wir haben gerade einen Einsatz!” Philipp klang nicht gerade begeistert, von mir zu hören.
” Jaja, aber ich habe ein Problem.”
“Wenn es wieder um diese verfickte Katze geht…” wie zur Bestätigung miaute Ivan. “Anna, echt nicht. Ich muss hier Dr. Ungut babysitten. Er will gerade einer Dame mit tachykardem Vorhofflimmern Metoprolol spritzen.”
“Wo ist das Problem?”
“Sie ist auf Isoptin eingestellt, und hat gerade vor unserer Ankunft eine sportliche Dosis eingenommen.”
“Kannste schnell mal einen Schrittmacher einschwemmen?” witzelte ich.
“Anna, das ist nicht lustig!” Ich überlegte kurz.
“Ich werde dir helfen. Sag folgende Worte zu Ungut: AV-Knoten, Überleitung, Frau Kleinschmitt letztes Jahr in seinem Nachtdienst.” Ich hörte, wie im Hintergrund etwas gemurmelt wurde. Dann erfolgte hektisches Rascheln. “Und?” fragte ich.
“Er lässt dir ausrichten, dass er dich hasst.”
“Das weiß ich schon. Lässt er von der armen Frau ab?”
“Ja, wir dürfen jetzt abtransportieren. Ohne Metoprolol.”
“Gut. Und wenn er nach Tracrium fragt, sag einfach nein.”
“Häh?” Philipp war jetzt sichtlich irritiert.
“Hör auf mich. Und jetzt pass auf. Ivan hat so Knubbel am Nacken. Blondie hat ihn jetzt ganz rasiert. Frag nicht. Was kann das sein?” Am anderen Ende der Leitung seufzte etwas.
“Anna, woher soll ich das wissen? Ich hab dir das schon mal gesagt. Ich hab’s nicht so mit Katzen.”
“Google es.”
“Hast du kein Internet zu Hause?”
“Doch schon.” Ivan machte Anstalten, vom Schreibtisch zu springen. Ich griff ihn an irgendeiner Stelle seines rasierten Körpers und hielt ihn fest. “Aber Blondie sitzt neben meinem Laptop, da kann ich jetzt nicht ran. Und mein iPhone hat in meinem Arbeitszimmer keine Verbindung zum Router. Also musst du das machen.” Philipp seufzte.
“Ich ruf dich zurück.”

Es vergingen etwa fünf Minuten, in denen ich entspannt mit Ivan an meinem Schreibtisch saß und ihm den rasierten Nacken kraulte.  Ich glaube, wir fangen langsam an, eine freundschaftliche Beziehung zu entwickeln. Dann störte Philipps Rückruf die traute Zweisamkeit.
“Ich finde nichts. Immer wenn ich was mit Katze google, dann finde ich deinen scheiß Blog.”
“Ach, komm schon, da muss doch irgendwas sein.”
“Lymphknoten vielleicht. Mehr fällt mir auch nicht ein. Und ich muss jetzt auch fahren. Bevor der Ungut mir die Gurgel umdreht. Meide ihn am Montag lieber, nur so als Tipp.”
“Ich meide ihn immer, Philipp. Danke noch mal.”

Ich betrachtete Ivan nochmals eingehend. Am Hals sah ich ein paar rote Kratzer. Seufzend erhob ich mich und brachte ihn zurück zu Blondie. Sie hatte mittlerweile aufgehört zu heulen und betrachtete eingehend eines meiner Fotoalben.
“Hier.” ich hielt ihr Ivan hin. “Das sind geschwollene Lymphknoten. Die kommen wahrscheinlich von diesen Kratzern da.” Ich zeigte auf Ivans Hals. “Und die wiederum kommen vom Rasieren. Deshalb rate ich dir, hör auf, ihn zu rasieren. Wenn das in ein paar Tagen nicht weg ist, dann geh zum Tierarzt.” Sie blickte mich dankbar an.
“Er wird also nicht sterben?” ein Flehen lag in ihrer Stimme.
“Doch, wird er. So wie wir alle. Aber wahrscheinlich nicht heute oder morgen.” Außer, ich drehe ihm den Hals um, wollte ich noch hinzufügen, als ich die beiden zur Tür schob, aber ich ließ das mal lieber. Zügig schob ich Blondie in den Flur.
“Bye bye, love.” flötete ich ihr noch hinterher.

Dann malte ich mir aus, was mich wohl am Montag mit Dr. Ungut erwarten würde… mir schwant schon Übles.


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