Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan…

Gegeben habe ich, was immer ich konnte. Nicht immer soviel, wie gewünscht gewesen wäre, aber doch oftmals mehr, als ich eigentlich hätte geben können. Meist fiel es mir leicht, manchmal etwas schwerer, hin und wieder musste ich mich dazu zwingen. Doch es war nötig,  darum tat ich, was ich konnte. Und die Person lag mir ja auch am Herzen, trotz aller Schwierigkeiten. 

“Meiner” war alles andere als begeistert davon, die Kinder waren ebenfalls skeptisch. Also versuchte ich, zu geben, ohne meine Familie zu verärgern. Das war nicht einfach, denn die Hilferufe kamen meist dann, wenn ich am wenigsten darauf vorbereitet war, oft auch dann, wenn der Zeitpunkt eigentlich ziemlich ungünstig war. Nicht immer schaffte ich es, zu helfen, ohne meine Familie in die Sache hineinzuziehen und es gab immer mal wieder Streit. Mit “Meinem” und den Kindern, nicht mit der Hilfesuchenden, denn ich schützte sie vor dem Ärger meiner Liebsten.

Natürlich sagte ich auch immer mal wieder nein, aber weil bei jeder Begegnung mehrere Bedürfnisse zum Vorschein kamen, blieb meist zumindest ein kleines Ja an mir hängen. Ohne Erfolg versuchte ich “Meinem” zu erklären, nach zehnmal Nein hätte ich diesen klitzekleinen Wunsch nicht auch noch ausschlagen können. Doch klitzekleine Wünsche können sich zu einem ziemlich grossen Haufen kumulieren, wenn einer nach dem anderen geäussert wird. Und so sah ich mich eines Tages dazu gezwungen, Einhalt zu gebieten.

Ich blieb nett, denn einen verletzten Menschen sollte man nicht noch mehr verletzen. Nur eine Grenze ziehen wollte ich, nicht eine Mauer aufbauen. Klar, es ist nie angenehm, von jemandem zu erfahren, dass es so nicht weitergehen kann, doch ich wählte schonende Worte und versicherte meine guten Absichten. Die Grenze sei nötig, damit ich nicht irgendwann anfangen würde, mich zu ärgern.

Eine Stunde später wurde die Grenze zum ersten Mal überschritten, ich reagierte ungehalten. Zum ersten Mal liess mich mein Wunsch nach Frieden und Harmonie im Stich. Danach hörte ich eine Woche lang nichts mehr. Heute ein kleines Dankeschön im Briefkasten, etwas später ein Anruf. So gehe es nicht mehr, sie brauche Distanz von mir. Noch einmal versuchte ich zu erklären, ich hätte wirklich keine Mauer bauen wollen, aber es half nichts. Es sei vorbei, lautete die Antwort auf meinen Versuch, den Faden nicht einfach abreissen zu lassen. Es war das kürzeste Gespräch, das wir je hatten.

Eigentlich müsste ich erleichtert sein, doch ich bin es nicht. Ich wollte keinen Streit und erst recht keinen Kontaktabbruch. Ich wollte nur klar machen, dass ich nicht jede Lücke im Leben eines anderen Menschen füllen kann. In meiner Naivität hatte ich geglaubt, ich dürfte mir das erlauben, nach allem, was ich gegeben hatte, doch ich lag falsch. Jetzt stehe ich da als die Böse, von der man Distanz halten muss, weil sie zu einem armen, hilfsbedürftigen Menschen nicht nett ist. Dass mich das traurig stimmt, zeigt wohl, wie grenzenlos naiv ich bin. 

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