Der Mohnblumenberg

Von Pressplay Magazin @pressplayAT

Der Mohnblumenberg

7Drama

Der Mohnblumenberg erzählt eine vielseitige Geschichte über Familie, Liebe und die japanische Jugend der 60er-Jahre.

Umi Matsuzaki (Masami Nagasawa) ist eine 16-jährige Schülerin an einer Highschool in Yokohama. Jeden Morgen hisst sie mit Blick auf das Meer Signalflaggen zu Ehren ihres verstorbenen Vaters. Diese Flaggen veranlassen den gleichaltrigen Shun Kazama (Junichi Okada) ein Gedicht zu schreiben und in der Schülerzeitung zu veröffentlichen. Kurz darauf lernen sich beide persönlich kennen und Shun überredet Umi sich das Schulinterne Klubhaus anzusehen. Hier sind nicht nur die Schülerzeitung, sondern vom Philosophie- bis zum Chemieklub, alle Natur und Geisteswissenschaften vertreten. Shun erklärt dem Mädchen, dass die Schule entgegen dem Wunsch der Schüler das Klubhaus abreisen und neu bauen möchte. Da Umi sich in Abwesenheit ihrer Mutter um den Haushalt kümmern muss, kann sie nicht lange bleiben, verspricht aber, angetan von Shuns Leidenschaft, so gut es geht zu helfen. Doch so schnell sich das junge Paar näherkommt, so schnell holt sie die Vergangenheit ein und treibt sie womöglich wieder auseinander.

Gorō Miyazakis zweites Werk strahlt wesentlich mehr Ruhe und Fokus aus als sein erster Film Die Chroniken von Erdsee. Trotz der Sprünge zwischen den verschiedenen Erzählsträngen bleibt Der Mohnblumenberg durchgehend stringent und wirkt dadurch kurzweilig und unterhaltsam. Zum Beispiel wird immer wieder die ungewöhnliche Familienkonstellation von Umi gezeigt. Sie lebt mit ihren Schwestern, ihrer Oma und zwei Studentinnen im Haus ihrer Eltern. Zu Beginn ist unklar wie es um ihren Vater steht, doch sobald man sich darüber Gedanken machen könnte, springt die Handlung zum nächsten Thema.



Die aktivistischen Handlungen von Shun und seinen Kollegen sind bezeichnend dafür, welche Wandlungen nicht nur der westlichen Welt, sondern auch Japan in den 60ern wiederfahren sind. Von Besetzungen der Lehrsäle bis zu solidarischen Gesängen ist alles dabei. Und fragt man sich plötzlich was denn die Haupthandlung in diesem Werk sein soll, werden den Zusehern wieder die zwei jungen Liebenden vorgesetzt.

Gorō Miyazaki schafft es von der ersten Sekunde, dass das Publikum sich in die Hauptcharaktere hineinfühlen kann. Beide sind einem sofort sympathisch und wenn den Zusehern dann auf so unkonventionelle Art das Herz gebrochen wird, sollte das Ende dafür umso zufriedenstellender sein. Ist es aber nicht. Der größte Schwachpunkt von Studio Ghiblis 18ten Film ist definitiv die nicht zufriedenstellende Conclusio. Wenn man 92 Minuten lang nur darauf wartet, dass zwei liebgewonnene Personen endlich zueinander finden, lässt Der Mohnblumenberg sein Publikum doch etwas enttäuscht zurück.

Das ist umso tragischer, denn bis dahin gibt es am Rest des Films nichts auszusetzen. Die Musik ist gewohnt stark und in manchen Momenten sogar großartig. Die Szenerie und die Charaktere vermitteln für alle westlichen Zuseher ein Gefühl von Fernweh für das Land der aufgehenden Sonne. Wer einen Liebesfilm ohne Kitsch und mit vielen Schuluniformen sucht kommt hier genau richtig.

Regie: Gorô Miyazaki, Drehbuch: Hayao Miyazaki, Keiko Niwa, basierend auf dem Comic von Chizuru Takahashi und Tetsurô Sayama, Stimmen (Original): Masami Nagasawa, Jun’ichi Okada, Keiko Takeshita, Yuriko Ishida, Filmlänge: 92 Minuten, DVD/Blu-Ray Release: 02.05.2014